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Liquid Visions

Hypnotized

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Hypnotized
Hypnotized, Sysyphus Records, 2002
HP Ringholz Vocal, Guitar, Electric Sitar
Kiryk Drewinski Vocal, Guitar, Organ, Artdesign
Dave Schmidt Bass, Tender Rhodes, Mellotron
Chris Schwartzkinsky Drums, Percussion
Katja Wolff Theremine & Performance
Produziert von: Liquid Visions & Uwe Goeller Länge: 49 Min 28 Sek Medium: CD
1. State Of Mind (4:55)4. Be Lie've (6:50)
2. Waste (4:40)5. Morning Rain (10:08)
3. Butterflight (7:45)6. Paralyzed (15:15)

LIQUID VISIONS aus Berlin machen seit 1994 Psychedelic Rock. Nach etlichen Releases (darunter 2 komplette CDs, die ich leider nicht kenne) liegt mir jetzt ein echtes Prunkstück vor.
"Hypnotized" sieht toll aus mit seinem schicken Digipack und dem psychedelisch, altmodischen Artwork. Man wünscht sich das Teil direkt in Vinyl-Format. Und, Überraschung, es kommt auch noch tolle Musik daher.
Erst vor wenigen Tagen entdeckte ich LIQUID VISIONS auf dem phantastischen PINK FLOYD-Tribute "More Relics" und dachte mir bereits da, dass diese Band echtes Potential hat. 6 Eigenkompositionen lang besorgt es einem diese leicht schräge Truppe nun ganz ordentlich.

Wie beschreibt man die Musik am besten?
Ich versuche es mal so: Wenn sich eine Band im Jahr 2002 den Luxus erlaubt und bei ihren Konzerten eine Tänzerin auf der Bühne hat, um die Performance zu unterstützen/untermalen, dann dürfte klar sein, dass hier nicht im 4/4-Takt gerockt wird. Ganz im Gegenteil. Hoch komplexe Arrangements, verwirrende Soundcollagen, ein buntes (nicht wirres) Gemisch aus bereits Gehörtem, völlig Neuem, Hypnotischem und Verwirrendem, abwechselnd mit straight groovendem und rockendem Stoff, schicken einen auf eine 50-minütige Reise ins Innere der Musik von Zappa, Grateful Dead, Pink Floyd, Captain Beefheart, Quicksilver Messenger Service, den Allman Brothers und modernen Fuzz- und Stoner Rock Bands.

Alles verstanden? Nicht? Selber anhören!

Ich gebe es gerne zu, leicht macht die Band es einem wie mir nicht. Anstatt 4 Minuten Haudrauf wird schon mal 10 bis 15 Minuten gejammt bis sich die Balken biegen. Floyd-ähnliche Gesänge wechseln ab mit Gitarrenorgien a la John Cipollina, eskalieren in wilden Keyboardkaskaden um plötzlich wieder in wunderbare Melodien zu münden. Elektronik wechselt mit urbanem Bass und Schlagzeug die Führung, verfremdeter Gesang schleicht sich langsam von hinten ins Gehirn, nur um 4 Züge später plötzlich von einer glasharten Gitarre gerammt zu werden. Die verschwindet dann aber wieder irgendwo im Nirwana eines Solos aus dem Reich der späten Sechziger.
Andererseits gibt die Band mit dem CD-Opener State Of Mind ein klares Statement für songdienlichen, harten Gitarrenrock ab. Oder geht leicht funky an Butterflight heran, das dann mit irgendwie orientalisch klingenden Tönen, sattem Bassfundament und wirbelnden Gitarren in ein wahres Groovemonster mutiert.
Be Lie've erinnert mich an Widespread Panic und hebt dann in die unendlichen Gitarrenweiten der Allman Brothers ab.

Erwähnenswert ist die musikalische Leistung der Band. Zwei Gitarren sorgen für die Power, Organ, Fender Rhodes Piano, Sitar und Percussion für das Drumherum, das Schlagzeug hält zusammen und der Bass pumpt unaufhörlich. Bassmann ist übrigens Dave Schmidt, der als Sula Bassana (der Basstölpel, siehe Pink Floyd Tribute "More Relics") auch als Solokünstler auftritt.

Ein Konzert der Band, inklusive adäquater Lightshow und Tanzperformance wäre übrigens schön. Ärgerlich, dass mir keiner gesagt hat, dass im April eines in München stattfand. Das muss zur Starkbierzeit gewesen sein. Das mag ich nicht, dann schon lieber eine Dosis moderner Uraltrock.

Meine Güte, mir fällt auf, dass ich mehr oder weniger krampfhaft versuche, diese Musik zu beschreiben. Völlig unnötig das alles. Stellt Euch einfach Psychedelic Rock vor, wie Ihr ihn schon immer haben wolltet. Also einerseits psychedelisch versponnen und andererseits trotzdem klar und eindeutig. Dann habt Ihr LIQUID VISIONS.
Übrigens, ein Besuch auf der Homepage der Band lohnt sich. Nicht ganz leicht und übersichtlich zu handhaben, aber mit diversen netten Gimmicks.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 08.07.2002

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