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Zeltspektakel 8.10.2004
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Live - Zeltspektakel 8.10.2004
Live - Zeltspektakel 8.10.2004, Phoenix Records, 2007
Georg Bayer Vocals
Volker Dörfler Guitar
Christoph Berner Guitar
Ralf Mende Bass, Vocals
Wolfgang Rosner Drums
Helmut Kipp Drums
Klaus Brosowski Keyboards
Gäste:
Matthias Holtmann Drums
Bruce Brookshire Guitar, Vocals
Stefan Kossmann Vocals
Volker Kunschner Keyboards
Achim Bosch Bass
Länge: ca. 130 Min Medium: DVD
1. Riding On A Train10. Doin It Again
2. Travelling Band11. Redneck Rock'n'Roll Band
3. Don't You Know12. Gimme Some Loving
4. Run Away13. My Fears Are Gone
5. The Boys Are On The Road14. Josephine
6. One Of These Days15. Running With The Horses
7. Dreams16. Ordinary Southern Man
8. Route 6617. Lonesome Guitar
9. Southern Man

Fast drei Jahre sind inzwischen vergangen, seit jenem Konzert. Es gibt dafür eine Begründung, die man auch hören kann, von Minute 58 bis ca. 111 nämlich, und wenn es nicht so dramatisch für die Jungs gewesen wäre, man könnte darüber lachen. LIZARD fuhren für die Aufnahme dieses einmaligen Events eine hochprofessionelle Armada an Technik und Personal auf, spielten mitsamt ihren Gästen wie wohl nie zuvor, alles lief perfekt, und dann wurde die für die Aufzeichnung der unzähligen Bild- und Tonspuren zuständige Harddisc weich. Ergebnis: Fantastilliarden Bits mussten wie beim beliebten Kinderspiel "Memory" ("wo ist die Ente?") zusammengesucht, mit einem Microfasertuch abgewischt und mit Klarlack besprüht werden. Eine Arbeit für 200 indische Programmierer und etliche Dutzends Raumpflegerinnen, aber die waren weder zu finden noch zu bezahlen.
Ab Minute 58 mussten deswegen trotz aller Bemühungen die parallel aufgezeichneten Tonspuren vom Soundboard verwendet werden, was im ersten Moment zwar leicht erschreckt, aber nach spätestens zwei Minuten keinem mehr auffällt. Zu überwältigend war die Performance, zu beeindruckend ist die endlich vorliegende DVD.

Ursprünglich war der 8. Oktober 2004 als Abschiedskonzert von Georg Bayer geplant, inzwischen wissen wir, dass "unser" Schorsch längst wieder auf der Kommandobrücke steht und LIZARD anführt, was in diesem Jahr zu enthusiastischen Auftritten geführt hat. Damals ahnten wir das natürlich noch nicht, entsprechend traurig blickt so mancher gefilmte Zuschauer während seinem wilden Jubel drein. Es waren verdammt viele Leute im Zelt, verdammt viele von weither angereiste Fans, verdammt viele bekannte Gesichter - und alle waren begeistert, keine einzige negative Stimme kann man bis heute hören. Wie viele Bands haben das jemals geschafft?
Wer's nicht glaubt, soll sich als Einstieg einfach die geradezu außerirdisch groovende Fassung von Dreams anschauen und -hören. Solo #1 kommt von Volker Dörfler, Solo #2 von Christoph Berner, die beiden Schlagzeuger percussionieren völlig entfesselt, der Rest der Band spielt sich in den berühmten Rausch. Ach was, der gesamte Song ist ein einziger Rausch, alle bekannten "Nachahmer" aus den U.S.A. sollten sich genau überlegen, ob sie Dreams noch jemals selbst spielen wollen. Gleichzeitig ist Dreams die einzige erhaltene Nummer mit Stefan Kossmann von FLATMAN, der nach diesem Abend für etwa ein Jahr Leadsänger bei LIZARD wurde. Er hätte das Zeug für einen dauerhaften Vorzeigefrontmann gehabt, es sollte aber einfach nicht funktionieren. Schade, aber wir hoffen dafür nun auf Volldampf bei FLATMAN.
In den vorangegangenen 40 Minuten lassen LIZARD mit Georg am Mikro die Kuh fliegen, fetzen atemberaubend durch einige ihrer größten Hits, liefern ein Schmankerl nach dem nächsten ab und hämmern ihre absolute Vormachtstellung im Southern-Genre unwiderruflich und für alle Zeiten in Stein.

Bruce Brookshire war für diesen einen Abend eingeflogen und nutzte schamlos die Chance, mit der besten denkbaren Backingband überhaupt zu spielen. Wer seine Auftritte mit DOC HOLLIDAY kennt, wird nicht bezweifeln, dass Bruce ein unerreichter Entertainer ist, aber in Verbindung mit zwei weiteren Gitarristen dieser Güteklasse wird er zum greatest Southern Man ever und die Schwaben zur Redneck Rock'n'Roll Band aus dem Wunderland. Man sitzt mit offenem Mund vor dem Bildschirm und rätselt, wie solche Töne zustande kommen können.
Zu Gimme Some Loving erhält Volker "Wolfman" Kunschner an der Hammond C3 seinen Spot, macht auch gleich einen Handstand auf seinem Möbel und zündet zusammen mit Bruce und den anderen den längst totgespielt geglaubten Uraltschlager ein letztes Mal an.

Die finale Dreiviertelstunde gehört wieder Georg (fast) ganz allein. Über die gespielten Songs ist in den letzten Jahren bei uns vermutlich alles gesagt worden, wer sie noch nicht kennt, lebt entweder in einer Höhle und/oder liest dies hier sowieso nicht, die Aufführung vom 8.10.2004 toppt jedoch alles bisher von LIZARD gesehen und gehörte. Von Ralfs Basssolo über Helmuts Keyboardorgie bis zum armhaaresträubenden Wirbeln von Wolfgang Rosner und Helmut Kipp an den Trommeln ist dem Namen "Zeltspektakel" ein Denkmal gesetzt worden, und wir haben endlich die erste DVD der Band LIZARD in den Händen.
Es macht ziemlich stolz, bei diesem Ereignis persönlich dabei gewesen zu sein. Euer DVD-Player wird stolz sein, die Scheibe abspielen zu dürfen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 01.08.2007

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