|
|
| White Sands, AOR Heaven, 2007 |
| Axel Kruse |
Drums |
| Jürgen Breforth |
Guitars |
| Roland Bergmann |
Bass |
| Michael Voss |
Vocals, Guitar |
| Produziert von: Michael Voss |
Länge: 37 Min 41 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| 1. Family Of Rock | 6. Wer Fight In White |
| 2. Little Princess | 7. Change It |
| 3. Heaven Is... | 8. Glorious Night |
| 4. Someone Like You | 9. Too Wrong |
| 5. Lluvia | 10. War |
 |
Das Comeback "Night Of White Rock" ging vor gut einem Jahr an uns vorbei. Für die akustische EP "In White" fand sich im Home of Rock beim besten Willen kein Rezensent. Der weißen Trilogie neuester Teil "White Sands" soll aber bedacht werden. Und zwar nicht unbedingt zynisch, obwohl sich die Wiederkehr von MAD MAX geradezu für Spott und ein plakativ umgedrehtes Kreuz anbietet. [Was sich allerdings aufgrund wochenlanger Kreuzschmerzen dann doch irgendwie verbietet]
Es muss etwa 25 Jahre her sein, als die junge Band MAD MAX für mittelmäßige Furore in den deutschen Rockzeitungen sorgte, aber so richtig spektakulär war's dann doch nie, was die Band unterm Strich zustande brachte, auch als ein, zwei Jahre später Michael Voss als Sänger dazu kam. Heavy Metal, deutsch, oder so was ähnliches. Und der Name. na ja. Immerhin ist wenigstens der erste Teil der Filmreihe ziemlicher Trash-Kult, vom Lacherfolg unter der Donnerkuppel mit Tina Turner mal abgesehen. Unsere MAD MAX waren dann auch irgendwann wieder verschwunden und alle Beteiligten wandten sich neuen Aufgaben zu. Voss natürlich an exponiertester Stelle. Guckt mal nach links, da ist so eine kleine Suchfunktion, und gebt dort "Michael Voss" ein, dann findet ihr eine relativ lückenlose Aufzählung seiner Tätigkeiten in den letzten 5, 6 Jahren. Der ist schon ein Schwerarbeiter und beliebter Produzent (Kidroom Music), keine Frage, und ein guter Sänger ist er dazu. Schlagzeuger Axel Kruse war und ist bei JADED HEART, Jürgen Breforth spielte mit der Band TANNER (übrigens eine der coolsten deutschen Livebands überhaupt - was ist eigentlich mit denen passiert?) und Basser Roland Bergmann treibt sich in Münster u.a. als Musiklehrer herum. So richtig als Profi-Kapelle konnte man MAD MAX eigentlich nicht mehr sehen. Aber schau, da sind sie wieder. Klar, nicht alles funktioniert reibungslos auf dem (Kreuz-) Weg zurück, der zweite Teil der gemeinsamen Tour mit Axel Rudi Pell wurde kürzlich wegen Pells Erkrankung abgesagt. Da sind den Herren vier vermutlich hübsche Gigs entgangen, aber das wird schon wieder, MAD MAX haben schließlich Gottvertrauen.
"Ich glaube an die Deutsche Bank, denn die zahlt aus in bar", sang einst Marius Müller-Westernhagen. Blöde Aussage, denn Herr Westernhagen wird sich seine Peanuts heutzutage nicht mehr bar auszahlen lassen, so viel haben die Geldautomaten nicht intus. Außerdem nimmt Armani sicher auch alle gängigen Kreditkarten.
Hin oder her, MAD MAX sind jetzt eine gläubige Band. Christenmenschen. Was soll man darüber denken? Sagen wir es mal so: Im Grunde ist es ziemlich egal, ob man bei einem Konzert von Bibeln oder von Bierbechern getroffen wird, schmerzhaft und unangenehm ist beides.
Bigotterie und Menschenverachtung sind nicht allzu weit voneinander entfernt, lächerlich satanistische Clowns und volksverhetzende Glaubenskrieger sind in einen Topf zu werfen, hysterische Papst-Bejubler unterscheiden sich von vermummten Dschihad-Fanatikern bestenfalls noch in der Art der Waffen, zu bekämpfen sind sie allesamt wie Nazis - am besten mit dem Baseballschläger, denn wo nichts in Hirnen drin ist, kann man nichts kaputt machen.
Soweit die Einstellung des Rezensenten zu Peace & Love beim Umgang mit Extremisten.
MAD MAX sind keine Extremisten, also ruhig Blut, Katholen und Evangelisten, die sich soeben getreten gefühlt haben. Hier ist nur eine Band, die in ihren besten Momenten hervorragenden Melodic Metal und in ihren schwächeren lauwarmen Melodic Rockpop produziert. Die ach so christliche Botschaft ist für den Papierkorb, denn entweder geht sie im Kontext der Songs unter, oder wird wie im Kindsmissbrauchssong Little Princess sowieso von jedem normalen Menschen unterschrieben. Das sind alles Allgemeinplätze, keine schmerzhaften Aussagen, kein Konfrontationskurs, noch nicht mal Grundlage für eine Diskussion.
Bleibt die Frage, ob Konfrontation im Rock & Roll überhaupt stattfinden soll (in der Tat ist diese unsere Musik auch durchaus ohne Sozialkundeunterricht und als reine Partybeschallung bestens tauglich), denn inhaltlich gehen MAD MAX auf "White Sands" einen windelweichen Weg. Nicht musikalisch! Bis auf den Schlager Heaven Is. bewegt sich beinahe die gesamte CD im härteren Bereich, aber die Aussage ist nicht eindeutig. Vorsicht jetzt! Keiner will den oben angesprochenen Glaubenskrieg, aber Texte wie Family Of Rock oder We Fight In White sind dann doch deutlich zu platt, um irgendjemandes Aufmerksamkeit, Beifall oder Widerspruch zu provozieren. Herrje, wir sind seit Jahrzehnten eine Rock-Familie, und was die Leute für Klamotten anziehen. Who cares, I like it in black.
Die Musik auf "White Sands" ist nicht zu tadeln. Schön druckvoller Melodic Metal, über die paar Balladen kann man hinwegsehen, irgendwo zwischen DEF LEPPARD, WHITE LION und allen anderen potentiellen Hausnummern aus diesem Reihenhaus-Stadtviertel angesiedelt. Manchmal wird's etwas heftiger und NWoBHM-lastiger, dann steigt der Spaßfaktor sofort, manchmal bleibt's eher radiofreundlich, dann denkt man unwillkürlich an unsere grausame Hörfunklandschaft, durchgehend bestimmen Melodie und Chorus die Kompositionen, Lluvia baut ein nettes Hymnchen zum Tänzchen um den Bischofsstab für zwei Gitarren ein, bodenloses BONFIRE- oder SCORPIONS-Niveau wird zum Glück nicht erreicht und War lässt es zum Schluss sogar richtig derb knacken. Aber bitte immer mit gebührender Pietät.
Ein wenig irrer könnte der Max schon sein, aber für eine der besseren Platten des ausgelutschten Melodic-Genres reicht es trotzdem locker. Nur an der Message könnte noch gefeilt werden, dann kommen MAD MAX vielleicht auch in einen Dialog mit ausgewiesenen Agnostikern.
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|