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| Air Harmonie - Live in Bonn 2008, BuschFunk, 2009 |
| Mitch Ryder |
Vocals |
| Wolfram "Boddi" Bodag |
Keyboards, Harp, Vocals |
| Heiner Witte |
Guitar, Vocals |
| Gisbert "Pitti" Piatkowski |
Guitar |
| Manne Pokrandt |
Bass, Vocals |
| Hannes Schulze |
Drums, Vocals |
| Mastering von: Manne Pokrandt |
Länge: 72 Min 55 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Moondog House | 8. The 21st Century |
| 2. Long Hard Road | 9. The Testament |
| 3. All The Fools It Sees | 10. The Thrill Of It All |
| 4. When You Were Mine | 11. Jenny Take A Ride |
| 5. Rock'n'Roll | 12. Take Me To The River |
| 6. Heaven Takes You Back | 13. Gimme Shelter |
| 7. Yeah, You Right | |
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Detroit ist inzwischen völlig am Ende. Das Siechtum von GM und den anderen verkommen Konzernen hat die Stadt nicht nur an den Rand des Abgrunds geführt - in weiten Teilen ist Detroit schon zwei Schritte weiter. Wenn es jemals einen Nährboden für derbe Rockmusik gegeben hat, dann besteht der aus Armut, Wut und sozialer Randständigkeit. Verwundert es, dass der Detroiter Mitch Ryder im letzten Jahr eine sensationelle Tournee abgerissen hat?
Nun ja, Mr. Ryder gehört schon etwas länger nicht mehr zu den Straßenkindern der ehemaligen Metropole, seine Motivation dürfte auch nicht unbedingt in gänzlicher Verarmung liegen (Reichtum schreibt sich allerdings anders), dafür hat er über all die Jahrzehnte seine Wut und sein Gefühl behalten, und im letzten Jahr ging es ihm nach längerer Zeit körperlich wieder besser. Seelisch hat er allerdings einmal mehr einen Schlag hinnehmen müssen, während der Tour starb seine Schwester. Anders als andere Schmerzensmänner kanalisiert Ryder sein Leid in Energie und hochexplosiven Rock & Roll, anstatt jämmerlich zu heulen. Wie immer in Europa halfen ihm dabei ENGERLING und zum dritten Mal "Pitti" Piatkowski (RENFT) an der Gitarre.
Der Auftritt vom 24. Februar 2008 in der Bonner "Harmonie" wurde vom Deutschlandfunk aufgezeichnet und liegt jetzt als CD vor. Ganz klar, der Sound ist natürlich toll, die Band in teuflischer Spiellaune und Mitch Ryder in denkbar bester Form. Wie gesagt, der Nährboden für Rockmusik ist nicht dekadente Protzigkeit.
Einen besseren Einstieg als das dampfende Moondog House vom letztjährigen "You Deserve My Art" hat Ryder derzeit nicht auf Lager. Heiner Witte und Piatkowski an den Gitarren und der Meister zünden das Haus ohne Umschweife direkt an und lassen keinen Zweifel: Hier wird geschuftet und geschwitzt, Weicheier können sich verziehen. Deutlich älter, aber so energetisch lange nicht gehört kommt gleich anschließend Long Hard Road. Druck-Rock aus einer Welt, die nicht rosarot ist. Gebt dem alten Mann eine Verschnaufpause und lasst ihn All The Fools It Sees zelebrieren! Dafür kommt der Minihit When You Were Mine so positiv (und mit einem liebenswerten Verspieler eingangs) wie eigentlich noch nie - außer vom Urheber, ein gewisser Herr Prince. Rau und frisch und wunderschön gesungen. Wo nimmt Ryder nur diese Kraft her? Lou Reeds Rock'n'Roll lässt es weiter knacken, die Band ist im Rausch, der Hörer sollte es ebenfalls sein, nur das anwesende Publikum reagiert verblüffend wenig euphorisch. Verschnaufpause. Das so traurigschöne Heaven Takes You Back geht wie schon auf der letzten Studio-CD unter die Haut.
Den Groove der "Blues"-Scheibe "A Dark Caucasian Blue" von 2004 nimmt Yeah, You Right auf und verführt zum Fingerschnippen. "Boddi" Bodag führt ein famoses Tastentänzchen vor und gibt auch in The 21st Century nicht auf. Mitch Ryder und diese Band ist Testosteron für die Ohren, da ändert auch das Kirchenorgelintro zu The Testament nichts.
Anfang der Achtziger hätte Mitch Ryder vielleicht eine Chance gehabt, einen ähnlichen Bekanntheitsgrad wie beispielsweise John Mellencamp zu erlangen, schließlich produzierte der das Album "Never Kick A Sleeping Dog". Daraus ist nichts geworden, die Gründe sind vielschichtig, aber wenigstens sind Songs wie The Thrill Of It All erhalten geblieben. Durch ENGERLING & Co. kommen solche Nummern heute deutlich weniger roots-rockig und breitwandig, dafür aber kerniger. Man muss sich das vergegenwärtigen: Mitch Ryders zweite Karriere begann im Jahr 1979, da hatte er bereits mehr als eineinhalb Jahrzehnte Rock'n'Roll-Pein auf dem Buckel. Heute sind noch mal 30 Jahre mehr vergangen - und er ist immer noch da. Herrschaften, so etwas nennt man Kontinuität und Überlebenswillen. Sogar einen zigtausendmal gespielten Hit wie Jenny Take A Ride bringt Ryder bis heute saftig und mit Freude an sein Publikum. Von Take Me To The River gar nicht gesprochen, das Ding ist ein riesiger Groovebrocken. Nur folgerichtig, dass zum Schluss auch noch Gimme Shelter kommt. Man mag das von den STONES wirklich nicht mehr hören, aber mit einer echten Rockband entfaltet auch dieser Oldie wieder seinen Charakter. Fieber!
Niemand weiß, wie lange die Kooperation Ryder/Engerling noch besteht, die biologischen Ressourcen sind endlich, "Air Harmonie" ist deswegen ein unverzichtbares Dokument und die logische Ergänzung von "Live Talkies" (1981) und "The Old Man Springs A Boner" (2002). Vielleicht sogar ein wenig imposanter.
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