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| Saints Of Los Angeles, Motley Records/SPV, 2008 |
| Vince Neil |
Vocals |
| Mick Mars |
Guitar |
| Nikki Six |
Bass |
| Tommy Lee |
Drums |
| Gäste: |
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| James Michael |
Programming & Keyboards, Background Vocals |
| Marti Frederiksen & Melissa Harding |
Background Vocals |
| Produziert von: James Michael; Nikki Sixx & DJ Ashba |
Länge: 44 Min 34 Sek |
Medium: CD |
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| 1. L.A.M.F. | 8. Welcome To The Machine |
| 2. Face Down In The Dirt | 9. Just Another Psycho |
| 3. What's It Gonna Take | 10. Chicks = Trouble |
| 4. Down At The Whisky | 11. This Ain't A Love Song |
| 5. Saints Of Los Angeles | 12. White Trash Circus |
| 6. MF Of The Year | 13. Goin' Out Swingin' |
| 7. The Animal In Me | |
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And a NO thanks to: Traffic, Shitty people, Bad breath, Rock of Love, Cellphone cameras, Crappy music, Clouds and Hairy bushes!!!
So steht es im Booklet der neuen MÖTLEY CRÜE CD "Saints Of Los Angeles", und wer danach noch Fragen zu Tiefgang und Ernsthaftigkeit dieser Klamauk-Kapelle hat… Ach ja, Tommy Lee dankt einer gewissen Pamela Anderson.
Mal ganz ehrlich, nimmt noch irgendein normaler Rockfan diese Band wirklich für voll? Ah, falsche Frage, richtig wäre gewesen: Hat man CRÜE jemals ernst nehmen können? So hohl die Aussagen der Herren musikalisch und medial schon immer waren, so bekloppt kommt nun auch "Saints Of Los Angeles" daher - und man findet sich entgegen jeder Vernunft nach einem kleinen Anlauf plötzlich willenlos headbangend durchs Musikzimmer hüpfen. So funktionieren MÖTLEY CRÜE: Dumm wie Brot, laut wie Sau und geil wie Hühnerscheiße. Seit 27 Jahren geht das nun schon so, von den toten Jahren 1990 bis 2007 mal abgesehen, denn letztlich sind es nur vier Platten, die überhaupt einen Wert haben: "Shout At The Devil", "Theatre Of Pain", "Girls, Girls, Girls" und natürlich "Dr. Feelgood". Der Rest ist Sondermüll.
Verblüffend, welche Reaktionen Lee, Neil, Mars und Sixx immer noch hervorrufen, die Wortmeldungen in den einschlägigen Foren sind völlig hysterisch und kaum ein Musikjournalist traut sich ein böses Wort zu schreiben, mancher kramt sogar in seinen tiefsten Erinnerungen und vergleicht "Saints…" mit den Höhepunkten aus den Achtzigern. Läuft das dann unter dem Motto "Dumm geboren und nix dazugelernt", oder ist die Band wirklich so groß?
Fakt ist, auf ihr eigenes Songwriting verlassen sich die Kosmetikvertreter nicht mehr, in allen Songs tauchen die Namen James Michael (Fließbandschreiber, z.B. für die letzten Langweiler der SCORPIONS und Meat Loaf), Marti Frederiksen (Produzent von AEROSMITH, Pink, Mick Jagger u. v. a.) und DJ Ashba (mitverantwortlich für Nikki Sixx' erschreckenden Soloversuch "The Heroin Diaries") auf. Man darf dementsprechend von kreativem Stillstand in den Köpfen der Protagonisten sprechen - war's am Ende doch alles ein wenig viel "Zerstreuung", oder sind die Superstars so zerstritten, dass sie nicht mal mehr gemeinsame Songs zuwege bringen?
Besonders viele gelungene Platten mit ausschließlich Nummern von Auftragsschreibern sind nicht bekannt, es ist auch irgendwie arm, wenn man als Legende nur noch als Co-Autor in den Credits steht, aber so ist es nun mal, Fan-Protest darüber ist jedenfalls nicht zu vernehmen. Hoffentlich haben sie wenigstens die Instrumente selbst gespielt…
Keinen Zweifel gibt es bei Mick Mars, der selbsternannte Blueser mit den steifen Gelenken ist unüberhörbar er selbst, vor allem bei den wenigen halbwegs strukturierten Soli hört man seine Defizite in aller Deutlichkeit. Aber er steckt immerhin Herzblut in die Sache. Und der Rest?
Man kann es drehen und wenden wie man will, neben den üblichen Totalausfällen sind auf "Saints…" tatsächlich ein paar echte Bringer zu finden. Die Lohnsklaven haben eine gute Handvoll klassische CRÜE-Klopfer zustande gebracht und die Band haut sie in bewährt kreischender Manier aufs Parkett. Selbstverständlich kann Vince Neil immer noch nicht singen, aber wenn er Motherfucker Of The Year grölt, nimmt man es ihm ohne Widerspruch ab. Ebenso selbstverständlich klingt Tommy Lee wie gewohnt nach einem Sack Kartoffeln beim Treppensturz (und sein andauerndes Ausstiegsgetöse in den Medien geht völlig auf die Nerven), aber den korrekten Bumms hat der Intensivstraftäter auch mit 46 noch. Angeblich ist er ja gerade wieder zu Pamela unter die Decke gekrochen…
Und so ist "Saints Of Los Angeles" auf wundersamen Wegen zum etwa drittbesten Album der seltsamen Karriere dieser Band geworden. Wie viele Millionen verkaufter Einheiten zu den bisherigen ca. 50 hinzukommen werden ist ungewiss, die Amis bevorzugen bekanntlich grundsätzlich altes Zeug und Liveshows, und auch die Haltbarkeit der neuen Nummern muss sich erst über die Jahre beweisen (wird das Volk in 10 Jahren zu White Trash Circus so abgehen wie seit über zwei Dekaden zu Smokin' In The Boys Room?). Für die wohl beste Glam-Produktion des Jahres 2008 hat es gereicht. Kein gutes Zeichen für die L.A.-Szene, die allem Anschein nach noch desolater ist als CRÜE.
Also, zusammenfassend sei erklärt, dass man MÖTLEY CRÜE gerne verachten kann, ob nun menschlich oder künstlerisch, Granaten wie Welcome To The Machine, Glam-Pop wie What's It Gonna Take, Riff-Rocker à la Down At The Whisky (natürlich ist der Siff-Club Whisky A Go Go gemeint), der waschechte Rock'n'Roll Chicks = Trouble (meine Güte, das ist intellektuell nicht mehr zu unterbieten) etc. sind gefährlich, sie könnten einen nämlich auf der Flucht von hinten treffen: Face Down In The Dirt.
Dem Kritiker bleibt nur ein leicht resigniertes Seufzen ob solcher abgefuckter und humorloser Kulturauswüchse, andererseits hat er den Affenzirkus beizeiten höchstselbst mitfinanziert und einem Schlagzeuger im Käfig beim Überschlag zugejubelt. Selber schuld also.
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