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Mountain Of Power

Mountain Of Power

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Mountain Of Power
Mountain Of Power, Grooveyard Records, 2007
Janne Stark Guitar
Björn Lodin, David Fremberg, Mike Andersson, Micke "Nord" Andersson, Chris Catena, Dan Swanö, Pelle Saether, Mattias Osbäck, Roger Holegård Vocals
Christian Neppenström, Sven Cirnski, Jonas Hansson, Tommy Denander, Micke "Nord" Andersson, Thomas Larsson, Lori Linstruth, Joe Romagnola, Emil Friedholm, Jocke Sandberg Guitar
Nalle "Grizzly" Påhlsson, Björn Englén, Marten Andersson Bass
Anders Johansson, Peter "TrumPeter" Svensson Drums
Katiuscia Nardi, Boner Backing Vocals
Mattias Osbäck Percussion
Produziert von: Janne Stark & Joe Romagnola Länge: 66 Min 23 Sek Medium: CD
1. In For The Kill8. Fantasy
2. Dreams Of Milk & Honey9. One Of A Kind
3. Black Train10. Crazy
4. Uncle Ned11. Let That Lizard Loose
5. Black Magic12. Love Rock
6. Out Of The Darkness13. Tomorrow Or Yesterday
7. Sitting By The Pool14. Mountain Of Power

"I've never really figured why the world would need yet another umpteenth version of Purple Haze or, God forbid, Sweet Home Alabama."
So spricht Janne Stark, Schwede, Musikjournalist, Buchautor, besessener Plattensammler und Gitarrist einer Band mit dem bezeichnenden Namen LOCOMOTIVE BREATH. Und dann macht er mit einem ganzen Stall voller Elch-Rocker ein... na ja, Coveralbum. Der Schwede an sich kann einem manchmal durchaus spanisch vorkommen.

Aber gut, zur Ehrenrettung sei gesagt, dass LOCOMOTIVE BREATH mitnichten eine Coverband ist, diese Lokomotive atmet nur seit etlichen Jahren den Hauch vergangener Zeiten in Form von Metallstaub aus und dampft immer mal wieder bei Events wie dem legendären Sweden Rock Festival im Vorprogramm deutlich bejahrterer Acts. Und ja, Janne liegt goldrichtig in seiner Einschätzung, dass wirklich kein Aas mehr eine weitere Version von Sweet Home Alabama braucht. Ob's der liebe Herrgott verbietet oder doch der hoffentlich noch vorhandene Restgeschmack der Musikergilde sei dahingestellt. Folgerichtig hat Herr Stark sich an 13 ganz andere Songs herangewagt.
An Songs, bei denen selbst ein jahrzehntelanger Sammler und Hard Rock Freak gehörig ins Grübeln kommt. Namen wie WIRELESS, CAPTAIN BEYOND, NEON ROSE, STRAY DOG oder gar MARCUS (womit nicht der Kleine Taschenlampe brenn'-NDW-Markus gemeint ist) dürften heute noch weniger Menschen etwas sagen als sie es vor 30 Jahren ohnehin schon nicht taten. Solche Obskuritäten hat Janne Stark auf seinem Projekt MOUNTAIN OF POWER gecovert. Dagegen erscheinen Songs von Semiberühmtheiten wie BUDGIE, MOXY, MONTROSE, GODDO, SAMSON oder POINT BLANK geradezu wie ständig im Radio gespielte Gassenhauer. Von allseits bekannten Namen wie MOUNTAIN und Rick Derringer abgesehen, denn die sind bis heute Trademarks.

Gehen wir die Sache doch einfach mal durch. BUDGIEs In For The Kill ist nicht ganz originalgetreu gespielt. Da haben sich doch tatsächlich noch ein paar andere BUDGIE-Töne eingeschlichen. Janne Stark und Christian Neppenström von den famosen PLANKTON spielen giftige Soli, Björn Lodin (BALTIMOORE) hangelt sich beachtlich durchs Break-Getümmel. In For The Kill muss nicht jedermanns Lieblingslied sein, was man hier zu hören bekommt ist allerdings hochklassiger Prä-NWoBHM-Stoff. Gleiches (das mit dem Lieblingslied, nicht der NWoBHM) gilt für Dreams Of Milk & Honey von Leslie Wests allererster MOUNTAIN-LP. West hatte seine paar genialen Jahre, immer gestützt von Felix Pappalardi, und nervt heute mit uninspiriertem Selbstplagiat. Stark und seine wechselnden Kollegen entstauben die uralte Nummer und lassen es kräftig rauschen.
Die ersten 10 Minuten MOUNTAIN OF POWER lassen aufmerken. Olle Kamellen in ollem Metal-Sound neu aufbereitet - und trotzdem geht die Lucy ab. Oder gerade deswegen?
Es spricht für die Goldgräbermentalität Starks, dass er von MONTROSE eben keinen Song der nie mehr zu erreichenden ersten LP auswählte, sondern Black Train vom ungeliebten dritten Album "Warner Bros. Presents Montrose". Ein gewisser Bob James musste damals in die übergroßen Stapfen eines Sammy Hagar treten - und verlor zwangsläufig. Mike Andersson (CLOUDSCAPE) geht es zwar nicht besser, aber vielleicht sollte man dieser alten Platte doch noch einmal eine Chance geben? Die Nummer ist klasse. Genau wie die Gitarren, hier mit Tommy Denander, der bekanntlich so gut wie überall dabei ist, als Co-Solist.
Weitere Erregung überfällt den Southern Rocker beim Anblick von POINT BLANKs Uncle Ned. Doch leider übertreiben es die Schweden hier erstmals mit der Härte. Da fehlt der Groove, der Swing, der ruhende Pol im Gitarrengewitter. Im Juni dieses Jahres 2007 dürfen wir POINT BLANK zum ersten Mal (?) in Deutschland sehen. Bitte, heiliger Boogie-Satan, lass uns den genialen Sound der ersten beiden Platten hören! Und bloß keinen A.O.R. der späteren Jahre oder gar eine durchgenudelte Rentnerband.
[Inzwischen muss man leider sagen, dass wir eine durchgenudelte Rentnerband gesehen haben. Schade.]

Bis hierhin bewegten wir uns noch auf halbwegs sicherem Terrain, aber nun kommt ein Song, der wirklich unbekannt ist. Black Magic von Marcus Malone. Im Jahr 1976 gab es eine LP bei United Artists unter dem Bandnamen MARCUS, danach nichts mehr. Marcus Malone, ein geborener Ecuadorianer, macht heute relativ konventionellen Bluesrock, damals hätte er unter gewissen - ergo besseren - Umständen die Stadien rocken können. (Ich kenne diese LP, weil Tom Bogert von VANILLA FUDGE und CACTUS darauf Bass spielt - der Sammler muss eben alles haben.) MOUNTAIN OF POWER geben alles und stehen dem Original nicht nach, vor allem Sänger Chris Catena ist überwältigend. So macht man Werbung für Musik!
Mit Out Of The Darkness von MOXY ist das vielleicht nicht so gelungen. Janne Starks Version ist einen Tick zu langsam und zu heavy. Tja, und Rick Derringers Sitting By The Pool fehlt der Boogie der Originalfassung von "Sweet Evil" und noch mehr der von "Derringer Live".

Hands up, CAPTAIN BEYOND sind ein absolut weißer Fleck auf der Landkarte meines Plattenschranks. Verheerend, denn immerhin war da Bobby Caldwell dabei, der Monsterschlagzeuger von Johnny Winters "And Live" von 1971. Rod Evans, Ian Gillans Vorgänger bei DEEP PURPLE, ebenfalls. CAPTAIN BEYOND auf den Einkaufszettel!
Keinen weltbewegenden Eindruck macht der Song One Of A Kind der australisch-kanadischen Band WIRELESS. Denkt man sich die auf dieser CD übliche Extraportion Schubkraft von MOUNTAIN OF POWER weg, bleibt da nicht mehr viel übrig. Außer: Ein Sänger, der bereits bei Dreams Of Milk & Honey gehörte David Fremberg, der dermaßen sensationell nach Coverdale klingt, dass Janne Stark gar nicht anders kann, als eine ganze Latte Moody/Marsden-Soli anzuhängen. Schwacher Song glorreich gespielt.
STRAY DOG und "Snuffy" Walden waren nie mein Fall. Janne Stark liebt sie und hat sogar ein von Walden signiertes LP-Exemplar. Crazy klingt wesentlich straighter als im Original, kann mich trotzdem nicht begeistern. Nicht böse sein, Janne, aber Walden hatte schon immer diesen fatalen Hang zu plakativer (Film-) Musik, auch wenn's mit STRAY DOG teilweise kerniger Blues Rock war.
Der nächste Hammer: M.O.P. spielen Greg Godovitz und seine Band GODDO. Let That Lizard Loose ist von deren ersten Album von 1977 und rockt wie besessen. Gleich drei Sologitarristen dröhnen und der nominelle LOCOMOTIVE BREATH Sänger Mattias Osbäck begeistert. Wer bis heute nichts von GODDO besitzt, bitte.
Eine weitere völlig unbekannte Band ist NEON ROSE. Schweden, die 1974 und '75 drei LPs eingespielt haben und offenbar in Skandinavien Kultstatus besitzen. Bemerkenswerte Nummer, auf der der Originalsänger mitwirkt und am Stakkato-Schlagzeug Anders Johansson von HAMMERFALL prügelt.
Nach der SAMSON-Ballade Tomorrow Or Yesterday, einer der wenigen von mir nicht gemochten Paul S.-Songs, lässt Janne neben sich noch sechs der im Verlauf der letzten guten Stunde angetretenen Gitarristen beim selbstgeschriebenen Mountain Of Power Soli spielen. An solchen Kompositionen sollte sich z. B. ein Pat Travers heute versuchen, anstatt mit drögem Gedudel alle Welt zu langweilen.

Cover-Projekte sind immer schwierig, viele sind fragwürdig, etliche völlig überflüssig. Mit MOUNTAIN OF POWER haben wir eine Sternstunde des Genres erwischt, denn besser kann man Geschichtsunterricht nicht gestalten. Absolut unterhaltsam, gespickt mit Raritäten, handwerklich top. Nun müssen sich nur noch die Kunden mit dem gleichen Geschmack finden.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 24.01.2006


 
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