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| Schwarz auf Weiss, Phoenix Records/Hirnsturm, 2011 |
| Chris Laut |
Gesang, Bass, Mundharmonika |
| Dennis Henning |
Gitarren, Lala |
| Flash Ostrock |
Schlagzeug, Lala |
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Länge: 51 Min 37 Sek |
Medium: CD |
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| 1. 'N Job in 'ner Bank | 8. Wenn die Sonne untergeht |
| 2. St. Pauli, Du rockst | 9. Valerie |
| 3. Alles auf Rot | 10. Zu jung, zu schnell |
| 4. Motormädchen | 11. Sie hat ihr Herz an St. Pauli verloren |
| 5. Schwarz auf Weiss | 12. Willst Du rocken? |
| 6. Heul den Mond an | 13. Was der Doktor mir verschrieben hat |
| 7. So viele Fragen | 14. Wart auf Dich |
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Dieses 8:1 neulich, nein, das hätte es wirklich nicht gebraucht. Menschenskinder, die armen Paulianer waren doch eh schon abgestiegen, da muss man doch als großer FC Bayern nicht noch nachtreten wie ein besoffener U-Bahn-Schläger. Hätten die das mal gegen die Pitbulls von Zwietracht Bankfurt oder gegen den V(olkswagen) f(ür) L(oser) Wolfsburg gemacht, da wäre die Freude groß gewesen, aber dem besten Trainer der Liga, ne, das ist nicht der nette bekloppte Medienprofi aus Dortmund, den Abschied so zu verderben, das ist nicht korrekt. Für alle echten Fans des Rekordmeisters bleibt der Weltpokalsiegerbesieger FC St. Pauli von 1910 immer der zweitgeilste Verein der Welt. Das könnt ihr gerne glauben, ihr Neidhammel. Fragt doch den Hoeneß.
Mit OHRENFEINDT ist das natürlich eine ganz andere Sache. Herr Laut und seine Alliierten Henning und Flash Ostrock müssen sich Jahr für Jahr, Tour für Tour, Platte für Platte neu beweisen. Da gibt es keine erlaubten Niederlagen, das Abstiegsgespenst darf denen noch nicht mal im Treppenhaus begegnen, auf der Bühne muss der erste Schuss direkt sitzen, auf der CD gibt's keine Verlängerung, zaudern gilt nicht, die Ohrenfeindte müssen IMMER rocken. Und das jetzt schon seit bald 10 Jahren (auf Tonträger; gegründet wurde die Band 1994). Wer schafft das eigentlich? Weicheier nicht. Überlegen Sie mal, werter Dünnbiertrinker, wie viele Bands am Stück vier großartige Studio-Alben mit jeweils einer Steigerung zum Vorgänger zustande bringen. Genau, das letzte Beispiel liegt ca. 35 Jahre zurück und hieß "High Voltage" - "Dirty Deeds Done Dirt Cheap" - "Let There Be Rock" - "Powerage".
Normalerweise mögen wir in diesem Magazin Analogien wie die gerade dargestellte nicht, alleine schon deswegen, weil es für OHRENFEINDT keinen "Highway To Hell" geben wird, nicht mit diesem Album und nicht mit dem nächsten, dafür ist der Pauli-Dreier viel zu geerdet, zu sehr verwurzelt im Mikrokosmos der Heimat und zu tiefenentspannt (was auf keinen Fall Auswirkungen auf die Musik von "Schwarz auf Weiss" hat). Natürlich wird es auch keinen weltweiten Hype wie einst geben, das verhindern schon die deutschen Texte. Es wird beim Inlands-Rock'n'Roll-Wunder bleiben, und das ist schon wundersam genug. Aber zuerst müssen Chris, Dennis und der baumlange Trommler mit dem komischen Namen die Hürde des vierten Albums nehmen, schließlich, s. o., hat die schon länger keine Band mehr geschafft.
Rock & Roll ist schon immer Lüge gewesen, es gab nie die heile Welt der Stromgitarren, sonst würden Elvis und alle anderen noch leben und Peter Kraus wäre nie passiert, aber die besten Momente des Rock & Roll haben - und tun es immer noch - Millionen Menschen glücklich gemacht. Illusion ist alles, auch in der Musik, da tut es dem arbeitslosen Ex-Malocher gut, wenn gleich der erste Song 'N Job in 'ner Bank heißt, strammstens nach vorne losgeht und von einem chronisch blanken Rocksänger handelt. Bestimmt muss man sich um Chris Laut nicht ernsthaft sorgen, da werden schon ein paar Euromark hängen bleiben, als Hörer kann man sich mit solchen Texten jedoch deutlich besser identifizieren als mit, sagen wir mal, Westernhagens geheucheltem "Ich liebe euch alle" bei der zigsten Abschiedstournee zu 95 Euro. Der erste Schuss saß. Genau wie bei den bisherigen CDs die Opener immer Volltreffer waren, ob Fluchtwagenfahrer, Rock'n'Roll Sexgott oder Ohrenfeindt, nur so kann man eine anständige Party vor dem Stereo starten.
Jetzt könnte man "Schwarz auf Weiss" Stück für Stück herunterbeten und bei jedem Stück sagen, dass es bockstarke Rockmusik, mal bluesig, mal hardrockig, mal balladig und immer auf die Zwölf ist, aber dazu muss man erst mal Lust haben. Lieber holt sich der Schreiber noch ein Bier (aus Bayern und mit Hefe) und rockt sich mit "Schwarz auf Weiss" in den 7. Boogiehimmel. Nicht umsonst heißt es im vorletzten Song: "Baby, willst du rocken, such dir einen der rollt".
Aber man könnte noch die Unterschiede zu den alten Scheiben herausarbeiten und die Frage klären, ob es wirklich eine weitere Steigerung bei OHRENFEINDT gibt.
Textlich sicher nicht, da war Chris Laut schon immer so nahe am Leben dran, dass alles weitere nur noch Psychotherapie wäre. "Schwarz auf Weiss" behandelt die üblichen Themen, also St. Pauli, das Rockerleben, Frauengeschichten und den sonstigen ganz normalen Wahnsinn, etwas anderes will man auch gar nicht hören.
Aber da ist doch etwas anders als bisher, man merkt es nur nicht gleich. Es ist eine neue Dynamik im Zusammenspiel der Band zu hören. Vielleicht ist es nur eine verbesserte Produktionstechnik, wahrscheinlicher aber ist es so, dass die jahrelange Routine und die unzähligen Konzerte vor allem bei Laut und Henning zu einer Art intuitiver Notenfindung geführt haben. Natürlich spielen beide nicht einen neuen Ton, aber sie spielen die alten so gefühlvoll, so passgenau wie nie zuvor. Chris' Gesang und Basssound war schon immer das Trademark von OHRENFEINDT, diesmal zupft er noch ein bisschen tiefer, vielleicht etwas weniger, dafür effektiver und druckvoller. Dennis Henning spielt seine Riffs ein wenig sparsamer, dafür heftiger, und seine Soli kommen geradezu traumhaft sicher genau auf den Punkt, der einem die Schauer den Rücken rauf und runter laufen lässt. Dazu sind die gewohnten Ohrwürmer wie immer reichlich vorhanden, Laut hat die seltene Begabung, Rock'n'Roll-Mitsinghymnen zu schreiben, wie sie schon immer so selten wie großartig waren. Und er kann Lieder wie Valerie schreiben, die einen in schwachen Momenten weinen lassen.
"Schwarz auf Weiss" ist sicher kein epochaler Entwicklungsschritt für OHRENFEINDT, das ginge bei solcher Musik auch gar nicht, es sind die kleinen Schritte, die dieses Album zum bisher besten der Kapelle machen. Außerdem wäre da noch dieser eine, kaum zu begreifende Wunder-Boogie Sie hat ihr Herz an St. Pauli verloren. In dem zeigt die Band in drei Minuten alles, was oben mühsam erklärt werden soll. Brustbeinerschütternden Gefühls-Bass, uralte Juhu-Angus-Riffs und ein Solo, das man ganz genau so von gefühlten 124.758 anderen Gitarristen… noch nie gehört hat. Dennis Henning ist auf "Schwarz auf Weiss" an einigen kleinen Stellen Großes gelungen. Überhaupt ist OHRENFEINDT im Jahr 2011 größer als je zuvor. Das erkennt man schon an den Chören in Was der Doktor mir verschrieben hat, die wurden nämlich schon von den STONES gecovert. Von Westernhagen auch, aber den kennt eh kein Mensch.
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