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| Space Ship One, Mascot Records, 2005 |
| Paul Gilbert |
Guitars, Vocals |
| Linus of Hollywood |
Bass |
| Marco Minnemann |
Drums |
| Produziert von: Paul Gilbert |
Länge: 56 Min 58 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Space Ship One | 8. G9 |
| 2. Every Hot Girl Is A Rockstar | 9. Mr. Spock |
| 3. On The Way To Hell | 10. Boku No Atama |
| 4. SVT | 11. Good Man |
| 5. Jackhammer | 12. Wash My Car |
| 6. Terrible Man | 13. It's All Too Much |
| 7. Interaction | 14. We All Dream Of Love |
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Paul Gilbert ist einer von den Sympathen, denen man jahrzehntelangen übelsten Klamottengeschmack verzeiht, weil sie im Hauptberuf grandiose Leistungen vollbringen. Wer Songs wie Green-Tinted Sixties Mind schreibt und an fast sämtlichen Großtaten einer Band wie MR. BIG beteiligt war (übrigens nicht an deren größten Hit To Be With You, der leider auch so etwas wie der Sargnagel für die Gruppe war) und davor (und danach) die sträflich unterbewertete Combo RACER X mit seiner Gitarre befeuerte und seit Jahren mit ständigen hochklassigen Solo-Outputs überzeugt, den muss man einfach mögen. Bitte, dann soll er halt alberne NASA-Raumfahreranzüge anziehen und sich so auf seiner neuen CD der Öffentlichkeit zeigen.
Als MR. BIG irgendwann nach der zweiten oder dritten CD die Produktion wirklich guter Songs einstellten, verabschiedete Paul sich auch relativ bald und zog wieder mit seinen X-Rasern los oder nahm mit seinem Onkel Jimi Kidd die hervorragende Rock'n'Roll-Scheibe "Raw Blues Power" auf. Durchaus schlüssig, denn im Interview vor ungefähr drei Jahren erzählte er, dass alte Rocker wie Johnny Winter oder Pat Travers zu seinen größten Einflüssen zählen würden (mit Travers' zwischenzeitlichen Partner Carmine Appice hat Gilbert ebenfalls bereits kooperiert). Nix ist also mit dem knallharten Metal-Guitar-Wizard, Mr. Gilbert hat einen fatalen Hang zu Boogie, Blues und Rock & Roll.
Und zu den BEATLES. Das drückt sich in erster Linie in seiner Neigung zu ganz großen Ohrwurm-Melodien aus und zweitens in der auf "Space Ship One" vertretenen George-Harrison-Nummer It's All Too Much (1969 auf dem Soundtrack zu "Yellow Submarine" erstmals veröffentlicht). Nicht nur, dass mir der Song schon immer gefiel, er ist auch einer der am wenigsten totgecoverten. Bekannt ist mir nur eine schlockige (kommt von Schlonz-Rock) Version von JOURNEY. Paul Gilbert gibt Harrison was ihm gebührt und beweist, dass fast alles von den alten Engländern für immer genial sein wird.
Natürlich geht Paul Gilbert nicht nur mit einem Coversong ins Studio, das Arbeitstier hatte noch 13 eigene Nummern im Gepäck und - ich möchte das einfach mal so pauschal behaupten - es sind seine 5 bis 7 vermutlich bisher besten Werke dabei. Richtig gehört, "Space Ship One" besteht zu mehr als der Hälfte aus Weltklassehardrock und der Rest ist nicht viel schlechter. Beim Hören kommt mir immer wieder Sammy Hagar in den Sinn. Der hat auf seinen ganz großen Songs ein ähnliches Flair von Losgeh-Wohlfühl-Stadion-Partyrock'n'Roll erzeugt. Selbstverständlich singt Paul nicht wie Sammy, aber dafür spielt er Eddie V.H. den Allerwertesten ratzfatz ab.
Die Kids wird Gilbert vermutlich nicht so begeistern, aber uns, die wir seit einiger Zeit um die 29 sind, sollte es reihenweise aus den Stühlen reißen, wenn ein Melodie-Boogie wie Space Ship One durchs Zimmer fräst. Auch die eine und andere Lady könnte am Frauenversteher-Shuffle Every Hot Girl Is A Rockstar gefallen finden.
Eine CD von Paul Gilbert kommt natürlich nicht ohne Fritze-Fingerflink-Solodarbietungen aus. Die gibt es auf "Space Ship One" reichlich, seltsamerweise sehnt man sich aber nie nach einem Ende, denn Gilbert schafft es tatsächlich immer, seine Zirkusnummern in richtige Songs zu verpacken. Das ist mal etwas rüde-punkig (SVT), mal etwas fusionartig und mit Feature der vorzüglichen Rhythmusgruppe (Jackhammer), meist jedoch purer Beste-Laune-Hardrock, der auf zwei Fundamenten steht: 1A Songwriting und 1A Protagonisten.
Auf lyrische Höhenflüge sei getrost verzichtet, dass er kein Terrible Man ist, dürfte sowieso allen klar sein, aber man kann zum Chorus sensationell headbangen oder Luftgitarre spielen. Oder auch mal entspannt zurücklehnen und dem akustischen Intermezzo G9 lauschen.
Noch ein Melodic-Rocker erster Güte gefällig? Nehmt Mr. Spock! Wieder so eine Assoziation zu Sammy Hagar und den BEATLES. Kann sich jemand an Plain Jane von Hagar's 79er Album "Street Machine" erinnern? Das war auch so ein treibender, halb akustischer Fetzer mit sensationeller Melodie.
Für seine zahlreichen japanischen Fans gibt es den sicheren Hit Boku No Atama (inklusive japanischem Textabdruck im Booklet) und für die europäischen Hitparaden die Ballade Good Man. Die müssen das nur noch bemerken. Wem's noch nicht reicht, lässt sich dann von Wash My Car ordentlich den Kopf waschen. It's Boogietime!
Wir wissen, dass wir unsere Leser auf eine harte finanzielle Probe stellen, die Serie der unbedingten Muss-Platten der letzten Monate ist beinahe beängstigend. Schaut doch mal in unsere Neuigkeiten oder Playerverstopfer, es wird teuer. Aber für Menschen meiner geschmacklichen Provenienz ist Paul Gilbert absolut unverzichtbar.
Space Ship One just rules!
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