HoR Logo kl CD-Review:

Procol Harum

In Concert

With The Danish National Concert Orchestra & Choir
Logo Home-of-Rock
Startseite > CD-Reviews > Procol Harum > In Concert - With The Danish National Concert Orchestra & Choir

Link Fanpage:
Procol Harum Fanpage
Link Kaufen:
www.amazon.de
Link Plattenfirma:
Eagle Rock Germany
Mehr Info:
All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer
In Concert - With The Danish National Concert Orchestra & Choir
In Concert - With The Danish National Concert Orchestra & Choir, Eagle Records, 2009
Gary Brooker Piano, Vocals
Josh Philipps Hammond Organ
Geoff Whitehorn Guitar, Vocals
Mark Brzezicke Drums, Vocals
Matt Pegg Bass, Vocals
Produziert von: Gary Brooker Medium: CD
1. Grand Hotel6. Into The Flood
2. Something Magic7. A Salty Dog
3. Homburg8. Symphaty For The Hard Of Hearing
4. Fires (Which Burn Brightly)9. A Whiter Shade Of Pale
5. Nothing But The Truth10. Conquistador

Jeder, jeder, jeder kennt PROCOL HARUM (wobei ich immer dachte, die würden sich Procul schreiben, nur mal so nebenbei), weil jeder, jeder, jeder A Whiter Shade Of Pale kennt.
Gut - jetzt schnell: Drei weitere PROCOL HARUM Titel? Tja, und wenn du nicht PH-Fan bist, hast du hier jetzt schon Probleme. Würde man PH noch kennen, wenn sie nicht - eher zufällig - A Whiter Shade Of Pale geschrieben hätten? Wohl nicht.
So wären sie eine One-Hit-Wonder Band von geradezu epischer Überlebenskraft, wenn es da nicht die Robin-Trower-Jahre gäbe, mit dem wundervoll rockenden "Broken Barricades", getrieben und bestimmt durch das Zusammenspiel von Gary Brookers Piano und Vocals, Trowers charakteristischer Gitarre und einer mächtig herumwirbelnden Backing Band. Und wenn es da nicht den frühen Versuch einer Verschmelzung von Band und Orchester gegeben hätte, "Live In Concert with the Edmonton Symphony Orchestra", der zwar vor allem soundtechnische Mängel aufwies, aber trotz allem einen gelungenen Versuch in diese Richtung darstellte, zumal PH eigentliche immer schon orchestralen Blues gespielt haben (doch, im Booklet der neuen CD wird extra noch einmal darauf hingewiesen, dass sie sich als Blues Band verstehen).
Jetzt gibt es eine Neuauflage dieser Band & Orchester Darbietung, diesmal mit dem Danish National Orchestra und Choir, aufgenommen auf einem jährlich stattfindenden Klassikfestival der Ledreborg Familie in Lejre (in... Dänemark natürlich). Dänemark muss wohl so etwas wie das Altersdomizil für PH sein, jedenfalls sind sie dort sehr willkommen, heißt es.

Das Booklet macht großes Aufheben um die sich so sehr weiterentwickelt habende Aufnahmetechnik - verglichen mit dem Edmonton Konzert - und hat recht; alles glasklar, und wo auf "Edmonton" die Gitarre stellenweise nicht gegen das Orchester ankam, hört man hier Geoff Whitehorn zu jeder Zeit - naja, also wenn er dann mal seine Minute Solo hat. Seine Rhythmusparts sind zwar etwas in den Hintergrund gemischt, aber dennoch gut hörbar.
Brooker und Band sind gut drauf, die Performance ist perfekt. Die Palers, die PH Fan Base, haben sich wahrscheinlich ein Loch in den Bauch gefreut und ihre Wallfahrt nach Lejre um so mehr genossen.
Die Tracks überschneiden sich kaum mit dem Edmonton-Album, einzig Conquistador und Salty Dog sind auf beiden zu finden. Auf Conquistador zeigt sich dann auch Whitehorns Meisterschaft, sein Solo ist eine Freude. Trower musste da schon mehr kämpfen, und man hört kleine Fehler. Allerdings hatte "Edmonton" eben durch die etwas verwaschene Aufnahme mehr Wucht als die dänische Version. Man kennt das: im Konzert gewesen und alles live und eben vielleicht etwas schlecht ausgesteuert gehört, aber bombige Stimmung und jede Menge Druck auf dem Ohr; Rock'n'Roll eben. Zu Hause im CD Player klingt das dann oft etwas dünner. Und genauso ein Phänomen haben wir hier - die Songs werden fast zu Tode ziseliert, zuviel feinmechanisch bearbeitet. So wird mancher Track wird hier schlicht und einfach durch die orchestrale Version zu dünnblütig und schwachbrüstig, allen voran Homburg, ein weiterer Bandklassiker. Das ist soweit vom Blues entfernt wie ich von der Million.
Fires (Which Burn Brightly) mit seinem mächtigen Chorgesang wird ebenfalls auf die orchestrale Spitze getrieben, bevor im Mittelteil die Band die Dinge wieder etwas Richtung Blues gerade rückt, um dann zum Ende hin wieder vom Chor eingemauert zu werden. Natürlich kann man sagen, durch dieses Wechselspiel zwischen rockigen Parts durch die Band und eher getragenen durch das Orchester entsteht Spannung... oder aber auch nicht. Dazu kommt Whitehorn zu selten wirklich zum Einsatz, denn da man mit Orchester spielt, kann er natürlich nicht so loslegen, wie er will. Das hätte des Musik aber gut getan und sie etwas aus der übermächtigen Konzertumgebung gelöst.
Nothing But The Truth rockt, soll heißen: rockt procolharum-mäßig getragen, das Orchester verziert dabei das Bluesgerüst nur etwas, bis der Chor das ganze wieder in Soße tunkt. Sympathy For The Hard Of Hearing mit seiner Weltkrieg Eins Thematik ist natürlich eine gefundene Vorlage für eine Orchestrierung und klingt auch dem Thema entsprechend getragen. A Whiter Shade Of Pale kann man wirklich kaum noch ertragen. Conquistador ist natürlich wieder ein Gewinner, eng am "Edmonton" Original.
So geht es auf und ab, wie der Taktstock des Dirigenten. Nichts ist wirklich unerträglich, aber nichts auch wirklich voll Pfeffer. Das ist gute Arrivierten-Musik. Man nickt sich anerkennend zu, wundert sich über den tollen Sound und Brookers weiße Haare, und der Geoff Whitehorn; der war doch mal bei Paul Rodgers und bei Roger Chapmans SHORTLIST, also muss das hier auch Rockmusik sein.
Könnte sein, ist aber nicht. Dazu ist der PH-Wert zu gering (uff, hat aber gedauert, bis ich das endlich anbringen konnte!).

Fazit: Ich hätte mir eine Doppel-CD gewünscht. CD 1 mit dem Orchester, CD 2 zum Vergleich nur die Band alleine. So ist das hier alles ungeheuer wuchtig und präzise und insofern auch gegebenenfalls bewundernswert und zu genießen. Allein - auf die Dauer ist mir das zu klassizistisch und zu wenig rockhard. Das ist rein in den AOR und dann auf der anderen Seite wieder raus, in Richtung dröge Sofa-Rotwein-mal-entspannen-und-was-gutes-hören.
Nix dagegen zu sagen, wenn man nicht das Gefühl hätte, die Band verkauft sich unter Rock-wert. Und übrigens ganz ehrlich: Nach dem fünften oder sechsten Track hat man auch Brookers Tricks beim Songwriting erkannt, und etwas Langweile macht sich breit. Da hätte es einer kräftigen Portion Gitarre bedurft, um das ganze über die Zeit zu retten.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 16.03.2009

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

Startseite > CD-Reviews > Procol Harum > In Concert - With The Danish National Concert Orchestra & Choir

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum