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| Find Your Own Way Home, Edel Records, 2007 |
| Kevin Cronin |
Lead & Background Vocals, Rhythm Guitar, Acoustic Guitar |
| Dave Amato |
Lead Guitar, Talk Box, Baritone Guitar, Lap Steel Guitar, Dobro, Sitar, 12-String Guitar, Background Vocals |
| Bruce Hall |
Bass, Background Vocals, Lead Vocals (Born To Love You) |
| Neal Doughty |
Keyboards, Hammond Organ |
| Bryan Hitt |
Drums, Percussion |
| Gäste: |
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| Joe Vanelli |
Piano, Electric Piano, Hammond Organ, Virtual Strings, Synthesizer |
| Bill Hall |
Clarinet (Born To Love You) |
| Produziert von: Joe Vannelli & Kevin Cronin |
Länge: 59 Min 24 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Smilin' In The End | 9. Born To Love You |
| 2. Find Your Own Way Home | 10. Let My Love Find You |
| 3. I Needed To Fall | European Bonus Tracks: |
| 4. Dangerous Combination | 11. Take It On The Run |
| 5. Lost On The Road Of Love | 12. Smilin' In The End |
| 6. Another Lifetime | 13. I Needed To Fall |
| 7. Run Away Baby | 14. Ridin' The Storm Out |
| 8. Everything You Feel | |
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Der Sündenfall passierte 1980 und führte 1981 zum ersten Nummer 1 Album der vormals begnadeten Hardrocker REO SPEEDWAGON aus Illinois. "Hi Infidelity" hieß das Ding, und es brachte volle Konten, glückliche Koks-Dealer und den Niedergang einer des besten Bands der Siebziger.
Was war davor passiert? "Nine Lives", das ultimative 79er-Stadion-Album mit dem hypnotisch rockenden Back On The Road Again, ein Jahr früher das Album mit dem besten Titel der Saison, "You Can Tune A Piano, But You Can't Tuna Fish", und einigen Songs für die Langhaar-Ewigkeit, noch ein Jahr vorher das damals für jede Band mit Format obligate Doppel-Live-Album "Live: You Get What You Play For". Warum ausgerechnet dieses Goldstück in den meisten Aufzählungen der wichtigsten Liveplatten aller Zeiten fehlt. who knows. Eine so hemmungslose Performance hat man selten erlebt, man höre bitte nur 157 Riverside Avenue, Ridin' The Storm Out, das wunderbare Golden Country oder den vermeintlich vollkommen außer Kontrolle geratenen Gitarristen Gary Richrath im Flying Turkey Trot.
In den vorhergehenden sechs Jahren gab es auch schon sechs LPs mit durchgehend großartigem Rock & Roll amerikanischer Prägung, der Jungs wie Nuge nicht nachstand. Hat nur nicht besonders viele Leute interessiert, erst mit Popmusik wie Keep On Loving You, Can't Fight This Feeling oder Keep The Fire Burnin' wurde richtig Kasse gemacht, und gleichzeitig die kleine aber treue Kundschaft der Riff'n'Roll-Boogie-Fans achselzuckend verabschiedet.
Wenigstens bis 1987 ("Life As We Know It") funktionierte die Gelddruckmaschine, aber dann kam der Sturz ins bodenlose Massengrab der Rock-Dinos.
Der Comebackversuch zu Beginn des neuen Jahrtausends war nicht unbedingt überraschend, fiel jedoch deutlich eindrucksvoller als befürchtet aus. Die Tour-Kollaboration mit den ebenfalls zuvor schwerst angeschlagenen STYX hatte Erfolg und vor allem einen stark erhöhten Rock-Nährwert. Da war plötzlich wieder herbe Gitarrenmusik zu hören anstatt (oder wenigstens neben) dröger Hausfrauen-Balladen. Wo STYX jedoch mit zwei starken Studio-CDs nachlegen konnten ("Cyclorama" und "Big Bang Theory"), kam von REO nichts. Nun aber der von Sänger und Chef Kevin Cronin als schwierige Geburt bezeichnete neue Erguss namens "Find Your Own Way Home". Da sind wir gespannt. Oder?
Der erste Song heißt Smilin' In The End und beginnt mehr oder weniger wie "Hi Infidelity" endete. Doch nach 25 Sekunden wird daraus unvermittelt ein so kräftig schiebender und dazu moderner Rocker, dass man nicht nur begeistert mitwippt sondern sich die Augen reibt: Sind das wirklich REO SPEEDWAGON? Natürlich ist es AOR, ohne Zweifel auch Radio-kompatibel (nur der Sender dazu muss noch gefunden werden), aber da fliegt die große Rock-Sau wieder, wie seinerzeit bei "Nine Lives". So eine Nummer hätte man den gealterten Herren nicht zugetraut.
Danach wird das Bild einige Zeit lang wieder zurechtgerückt und Cronin ergeht sich in typischen REO-Halb- bis Dreiviertelballaden, die allerdings allesamt völlig unpeinlich daherkommen, denn die Produktion ist erfreulich unüberfrachtet, dennoch raumfüllend und perfekt. Außerdem machen Texte wie der zu I Needed To Fall nachdenklich und beweisen, dass auch diese ehemaligen Superstars durchaus in der Lage sind ihre Situation zu reflektieren. Das ist schöne und intelligente Musik. Gilt auch für Dangerous Combination mit den denkwürdigen Worten "I've bee thinkin' too much, I've been drinkin' too much".
Rätselhaft bleibt, warum der Mitbegründer und Keyboarder Neal Doughty nur auf Smilin' In The End zu hören ist und alle anderen Tasten von Producer Joe Vannelli bedient werden. Hatte er keine Zeit in den letzten Jahren, oder ist er nach über dreieinhalb Jahrzehnten plötzlich nicht mehr gut genug?
Alle Fragen sind weggefegt bei Song 5, Lost In The Road Of Love. Dobro bei REO SPEEDWAGON ist ungewöhnlich genug, dass aber ein dreckig groovender Countryblues von dieser Band kommt, ist komplett neu. Sehr geil, sehr glaubwürdig, sehr anmachend. Dave Amato spielt neben der Resonatorgitarre auch die fiesen Licks auf der elektrischen und geht dem guten alten Gary Richrath gehörig an die Wäsche. Astreine Hammond dazu, gute aber letztlich überflüssige Backings, Cronin rauer als je zuvor. Hüte runter!
Kurze Verschnaufpause und schon geht's mit dem hoppelnden Run Away Baby weiter. "Talkin' guitar" und hintergründiger Bar-Boogie ist echter Stoff für alte Fans. Dafür ist Everything You Feel deutlich BEATLES-beeinflusst, macht aber in seiner Vertracktheit und beinahe psychedelischen Art Spaß und dürfte den "Alten" auch gefallen, auch wenn's nicht nach Chuck Berry klingt. Überragende Gitarrenarbeit wieder.
Danach kommt eine kleine Revolution. Born To Love You ist nicht nur vom Bassisten Bruce Hall geschrieben, er singt es sogar. Der Komponist von Back On The Road Again legt einen satten Soul-Blues hin und lässt die heutigen LITTLE FEAT blass aussehen.
Nach knapp 45 Minuten wäre die CD eigentlich aus, aber es gibt ja die "European Edition". Vier Songs fürs Lagerfeuer, also nur mit akustischen Gitarren. Nochmals Smilin' In The End und I Needed To Fall von dieser CD, Take It On The Run von "Hi Infidelity und Ridin' The Storm Out von der gleichnamigen 74er Studioplatte. Letzteres würde man gerne in der heutigen elektrischen Fassung hören, um nachzuprüfen, ob sie es immer noch so können wie damals, aber auch unplugged geht da einiges ab. Es ist eben ein genialer Song.
REO SPEEDWAGON sind zurück und auch angekommen im Jahr 2007, das ist nicht bestreitbar. Für eine komplette Rückbesinnung auf die alten Tugenden fehlt entweder der Mut oder der Wille, das weiß man nicht. "Find Your Own Way Home" ist trotzdem eine maximal ehrliche und wenigstens in Teilen toll fetzende CD. Der Rest ist Futter für die Fans aus den Achtzigern. Und das, man weiß es inzwischen dank der großen Zeitspanne und vielfach üblerer Beispiele, ist im Fall REO nicht die übelste Reputation. Die Freude über diese Scheibe überwiegt bei weitem über die ein oder zwei Ausfälle.
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