|
|
| Live plus, CMC International/Sanctuary, 2001 |
| Neal Doughty |
Keyboards |
| Kevin Cronin |
Lead Vocal, Rhythm Guitar |
| Bruce Hall |
Bass, Vocals |
| Dave Amato |
Lead Guitar, Vocals |
| Bryan Hitt |
Drums |
| Produziert von: Joe Vannelli & Kevin Cronin |
Länge: 65 Min 24 Sek |
Medium: CD |
|
 |  |
| 1. Don't Let Him Go | 8. Time For Me To Fly |
| 2. Music Man | 9. Back On The Road Again |
| 3. Take It On The Run | 10. Keep On Loving You |
| 4. Keep Pushin' | 11. Roll With The Changes |
| 5. Can't Fight This Feeling | 12. Ridin' The Storm Out |
| 6. Tough Guys | 13. 157 Riverside Avenue |
| 7. That Ain't Love | |
 |
Was kann wohl hinter solcher Veröffentlichungspolitik für tieferer Sinn versteckt sein?
Vor nicht ganz einem Jahr veröffentlichte Sanctuary die Doppel-CD "Arch Allies". CD 1 gehörte STYX, die einen überraschend frischen und rockigen Set ablieferten, und CD 2 war REO SPEEDWAGON vorbehalten. Dazu gab's Video, DVD und T-Shirt, also alles, was die verbliebenen Fans der beiden Oldie-Bands brauchen.
Jetzt gibt es plötzlich den Auftritt von REO SPEEDWAGON in beinahe identischer Form als Einzel-CD.
Versucht man etwa, mangelnden Kreativ-Output durch eine Veröffentlichungswelle zu kaschieren? Oder soll eine reine REO-Zielgruppe angesprochen werden? Oder wird dem Fan schlicht das Geld aus der Tasche gezogen?
Die lauwarme Erklärung auf der Homepage von REO SPEEDWAGON klingt jedenfalls albern. Von wegen, auf der ersten CD war zu wenig Platz, um alles unterzukriegen. Angesichts von 62 bzw. 65 Spielminuten (auf der Zweitverwertung) kann man da nur müde lächeln.
Auf "Arch Allies" tauchen 2 (!) Lieder insgesamt sechfach (!!) auf. Blue Collar Man (von STYX) und Roll With The Changes (REO) gibt es jeweils in der normalen Bandversion und je zweimal als so genannte Jam-Version mit der jeweils anderen Band.
Eh schon lächerlich genug. Rechnet man diese Zeitvergeudung und die möglichen 15 Minuten bis zur vollen Kapazität einer CD, dann wäre genug Zeit, um den halben Soundcheck auch noch draufzupacken.
REO SPEEDWAGON gibt es seit 1969 (erste LP 1971). In den ersten 10 Jahren war REO eine gewaltige Rock Band. Man spielte sich, wie viele andere Arenabands, kreuz und quer durch die USA, veröffentlichte regelmäßig neue LPs und steigerte so sukzessive seinen Marktwert. Die Verkäufe stiegen von Tournee zu Plattenproduktion, Jahr für Jahr an. Und irgendwann war man sogar in den einschlägigen Kreisen in Europa bekannt.
Natürlich bringen solche Ochsentouren auch Verschleiß mit sich. Die eine oder andere Umbesetzung lässt sich nicht vermeiden, manche LP fällt etwas schlapp aus und gegen die körperliche Abnutzung hilft eine kräftige Prise Koks. Die passende Nase trägt Sänger und Bandchef Kevin Cronin heute noch mit sich rum.
REO reihten sich nahtlos in eine ganze Armada solcher Bands ein. Riesen Open Air Festivals (Texas Jam), wahlweise Peter Frampton, KISS, KANSAS oder AEROSMITH im Vorprogramm und Ted Nugent als Headliner. In anderen Bundesstaaten war die Reihenfolge dann andersrum.
Diese Entwicklung kulminierte zwangsläufig in einer Live-Doppel-LP. 1977 wurde "Live - You Get What You Play For" aufgenommen und schlug ein wie eine Bombe. Die Platte passte exakt in die damalige Live-LP Flut. Ob Nugent, Frampton, UFO, THIN LIZZY, RAINBOW, Bob Seger, KISS oder wer auch immer, eine monumentale Livescheibe musste her. Und auch bei REO hat es perfekt funktioniert. Schliesslich war man eine hard workin' und hard rockin' Rock & Roll Band, die sich ihren Erfolg hart und lang erarbeitet hat.
Was kommt nach solchem Erfolg im nächsten Jahr? Natürlich, eine neue Studioplatte. Die fällt ganz gut aus, rockt wie gewohnt, hat einen oder zwei potentielle Hits und die dazugehörige Tour ist natürlich wieder ein Hallenfüller. Aber halt!
Das ist es. 4 Jahre lang spielte man in Footballstadien und plötzlich soll man sich wieder durch die lausigen 15.000er Hallen schleppen? Und überhaupt, der Bassist ist auch nicht mehr so motiviert wie früher und der Rolling Stone schreibt in seiner Kritik solchen Käse wie "Hardrock wie gewöhnlich, aber die Ideen sind den Jungs längst ausgegangen". Und angeblich sind die Jungs von diesen SEX PISTOLS eh viel aufregender als die alten Säcke der Supergroups.
Natürlich ist das alles erfunden. Aber so ähnlich dürfte es sich bei REO SPEEDWAGON und einer Reihe anderer, vergleichbarer Bands damals abgespielt haben.
Irgendwann standen sie alle vor einer Entscheidung. Und REO haben sie konsequent gefällt. 1980 brachten sie "Hi-Infidelity" auf den Markt. Und haben sich damit für 20 lange Jahre von MEINEM Plattenspieler verabschiedet. Dafür aber Platz auf sieben Millionen amerikanischer Plattentellern gefunden. Und auf einigen Millionen in Europa noch dazu.
Fünf, sechs Jahre wurde diese Pop-Kuh gemolken. Ein Hit nach dem anderen stürmte in die Charts, REO waren plötzlich Headliner bei den großen Festivals in Europa (zusammen mit FOREIGNER und Konsorten), traten in den USA in den größten Fernsehshows auf und kein Mensch machte sich noch Gedanken über mögliche künstlerische und musikalische Defizite. Wenn sich Scheisse so toll verkauft, kann sie nicht stinken.
Aber zum Glück sind solche Exzesse des Mainstream irgendwann vorbei. Zurück blieben verstörte ehemalige Superstars, für die sich mit einem Mal niemand mehr interessierte und denen auch partout nichts mehr einfiel, um aus ihrer künstlerischen Sackgasse herauszukommen. Die paar nachgeschobenen Platten waren so armselig, dass man sie am besten einfach totschweigt.
Ist letztlich auch nicht weiter schlimm. Die Schecks für die alten Hits kamen ja weiterhin regelmäßig und die Company veröffentlicht alle paar Jahre wieder eine Greatest Hits - Best Of Rockers & Ballads - The Essence of 2 Decades - Hitmischung.
Der Fan echter Rock Musik wähnt die Band längst im Nirwana verschwunden, als plötzlich, wie eine Erscheinung aus dem Jenseits, die Presse meldet: REO SPEEDWAGON sind wieder auf Tournee. Zusammen mit STYX, und sie spielen in 87 Städten in den mittelgroßen Hallen. Die sind immerhin doppelt so groß wie die Hallen der letzten 10 Jahre, und irgendwie hat man das Gefühl, dass das Publikum froh ist, endlich wieder normale Rockmusik hören zu dürfen. NIRVANA ist auf die Dauer doch recht anstrengend.
Die gröbsten Sucht- und Ausfallerscheinungen sind überwunden und REO besinnen sich auf ihre Stärken. Es wird wieder gerockt! Routiniert und gepflegt, aber trotzdem druckvoll. Das Programm ist natürlich eine Hit-Show. Allerdings sind selbst die ärgsten Schmonzetten wie Can't Fight This Feeling oder Time For Me To Fly weitgehend entfettet, und die Rocker (Back On The Road Again, Ridin' The Storm Out oder 157 Riverside Avenue) knallen wieder wie früher. Mindestens.
Dass Gary Richrath längst nicht mehr dabei ist, stört nicht. Dave Amato ist locker gleichwertig. Kevin Cronin singt wie früher und Music Man klingt noch immer irgendwie nach Southern Rock.
Der Unterschied zur "Arch Allies" Doppel-CD besteht aus: Keep Pushin', Tough Guys und That Ain't Love. Die beiden Jams mit STYX sind natürlich entfallen.
Die Frage, ob und welche der beiden CDs man braucht, muss jeder selbst entscheiden. Angesichts der Klasse des Konzerts, ist eine der zwei aber Pflicht für den Fan der "alten" REO SPEEDWAGON. Ein paar Balladen konnten auch die Rocker aus den 70ern schon immer vertragen.
Auch wenn "Live plus" naturgemäß nicht mit "You Get What You Play For" mithalten kann: Eine sehr sehr feine CD mit hervorragendem Sound und eindeutigem Spaß, den die Band hatte und den auch der Hörer haben wird.
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|