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Reverend Vince Anderson
And His
Love Choir

The 13th Apostle

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The 13th Apostle
The 13th Apostle, Dirty Gospel Records, 2002
Rev. Vince Anderson Vocals, Piano, Accordian, Organ, Stomps, Marching Drum, Whiskey Bottle
Paula Henderson Baritone Saxophone, Backing Vocals
Andres Villamil Bass, Backing Vocals
Eric Tucker Drums, Percussion
Lynn Wright Guitar, Lap Steel
Paulie "Old Rugged Sauce" Guitar
Marcus Percussion
George Rush Tuba
Vic Thrill, Torbitt Schwartz, Wilider Schartz, Matthew Friehaut Vocals
Produziert von: Rev. Vince Anderson & Andres Villamil Länge: 46 Min 29 Sek Medium: CD
1. Dear Lunatics7. Sweet Redemption
2. Train Whistle Blowin'8. Tryin' To Be An Asshole
3. Angel, Save My Breath9. The Hallelujah Side
4. Darlin10. New Orleans
5. Blame It On The Bottle11. a.m.
6. Honeywell Street Bridge

Wie ernst muss man Helge Schneider nehmen?
A. Sehr ernst, weil er der wichtigste zeitgenössische Künstler Deutschlands ist.
B. Nicht wirklich ernst, aber lachen kann man über ihn, weil er zwischen genialem Schwachsinn und ernsthaftem Blödsinn schwankt.
C. Sorry, ist mir zu dämlich.

Wer mit C geantwortet hat, kann jetzt getrost zurück zur Startseite gehen. Alle anderen sollten weiterlesen.

Ja, ich tat mir einige Zeit schwer mit Reverend Vince Anderson und seinem Love Choir.
Ja, das hier ist natürlich sehr schräg.
Ja, der gute Reverend ist selbstverständlich ein richtiger Tunichtgut, der mit seinem Krawall jeder geregelten Arbeit aus dem Weg geht.
Ja, jeder geregelten Arbeit aus dem Weg zu gehen ist gut!

Was für Art von Krawall macht der Reverend? Man könnte sagen, dass es der ganz normale New Yorker Wahnsinn ist. Ein Prediger, irgendwo zwischen Tom Waits und Charles Bukowski, ein Singer/Songwriter, der sich aus Blues, Folk und Gospel üppig bedient, ein Freak, ein Hippie, ein Christ?

Fragezeichen überall. Macht aber nichts, denn die Musik von Vince Anderson hinterlässt sie schließlich auch, die Fragezeichen.
Ein kurioser Mix aus Bar-Blues, Spoken Word mit elektrischen Gitarren, gegrölten Statements für oder gegen etwas. Dear Lunatics ist gleich zum Eingang so ein Ding. Völlig daneben, aber doch irgendwie faszinierend.

Manches klingt verstörend, manches klingt krank oder besser gesagt irre, wenn plötzlich ein grunzendes Sax blökt und der Reverend Blame it on the bottle dazu "trällert". Andererseits schaut Anderson dem Volk sehr genau aufs Maul. Wenn er in Honeywell Street Bridge erzählt, wie sich doch das Wetter in den letzten Jahren verändert hat, das war doch früher nie so, die Klimakatastrophe steht vor der Tür... Zur Beruhigung: Es hat schon immer mal an Pfingsten geschneit!
Der Reverend ist also kein abgehobener Heiliger, nein, er ist ja ganz nah dran am Geschehen. Immerhin gibt er seit 5 Jahren seine wöchentlichen "services". Dem New York-Besucher kann man wohl nur empfehlen, eine dieser Predigten aufzusuchen. Ob der Love Choir einen besseren Menschen aus einem macht sei dahingestellt. Aber eine Menge Spaß dürfte garantiert sein. Und ganz sicher wird man bei einem Chorus wie dem von Sweet Redemption lauthals mitsingen.

In manchen Momenten erinnert mich der Sound an Altmeister Leon Russell. Wenn es etwas ernsthafter rhythm & bluest, gospelt und swingt, wenn das Piano die Richtung vorgibt. Wie in Tryin' To Be An Asshole beispielsweise. Nur, alleine der Titel verhindert schon die wirkliche Ernsthaftigkeit.

Massentauglich ist diese Art von Musik nicht. Soll sie auch nicht sein. Sonderlinge wie der Reverend wären in einer größeren Halle völlig deplaziert. Aber für uns, die wir immer auf der Suche sind, die die Erlösung noch nicht gefunden haben, die ihren Weg zwischen Blues und Bier suchen - ja, für uns ist der Reverend und seine tadellose Begleitband ein sicherer Tipp.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.03.2003

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