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| Open The Cage, Silvox, 2007 |
| Rob Orlemans |
Guitar, Vocals |
| Piet Tromp |
Bass |
| Ernst van Ee |
Drums |
| Gast: |
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| Jeremy Aussems |
Guitar (Red House) |
| Produziert von: Caspar Falke & Rob Orlemans |
Länge: ca. 107 Min |
Medium: DVD |
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| 1. Introduction | 9. Red House |
| 2. Going Down | 10. Fuzzbox Boogie |
| 3. Libertyville | 11. Rock Me Baby |
| 4. Buzzin' King Bee | 12. Voodoo Chile |
| 5. Blues For Money - Part 1 | 13. Running Wild Boogie |
| 6. Hey Joe | 14. Down On Parchman Farm |
| 7. Love My Baby | Bonus: |
| 8. Indian Machine/Go Down/Indian Machine | Footage with comments from Rob Orlemans |
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Es gibt drögen Bluesrock und es gibt Bluesrock gegen Drögheit. Es gibt Dumm-Boogie und es gibt Boogie der die Dummen killt. Es gibt unendlich fade Trios und es gibt Trios für die perfekte Rocker-Glückseligkeit. Wer die Besprechungen von Rob Orlemans beiden letzten CDs "Live In Chicago" und "Libertyville" gelesen hat, oder die Scheiben im Schrank aufbewahrt, weiß, dass ROB ORLEMANS & HALF PAST MIDNIGHT zu den Guten gehören. Es ist eine passende Maßnahme, anstatt einer Compilation alter Alben oder einer weiteren Live-CD nun eine DVD zu veröffentlichen, auch wenn viele Menschen bei Trio-Darbietungen rein visuell möglicherweise gelangweilt reagieren könnten. Legen wir an dieser Stelle also die Zielgruppe für die DVD "Open The Cage" fest: Weiblein und Männlein mit Hang zu Party, Rock & Roll und Lust auf gute Laune sind gefragt. Das sind gar nicht so wenige, gell. Der Rest darf nun wegtreten und sich freudloses Prog-Getuckere anhören.
Was bekommt man auf "Open The Cage" zu sehen? In erster Linie natürlich einen exzellenten Gitarristen, der seine schwarzen Locken geschmackssicher zur Melange aus Hardrock, Blues und Boogie schüttelt, dann einen in aller Gemütlichkeit ergrauten Bassisten mit dem für solche Leute üblichen Bewegungsdrang, der auf jedem Bierdeckel Platz findet, und schließlich den neuen Schlagzeuger Ernst van Ee, der mächtig Eindruck macht mit seinem Spiel, jeder Menge Stick-Akrobatik und mit seiner Modellathletenfigur und unter anderem schon für die Prog-Rocker AYREON tätig war. Aufsehen erregend ist das natürlich auf den ersten Blick nicht besonders, aber wenn man der Band ein wenig zuschaut, wird man neben den branchenüblichen Posen sehr bald den exzellenten Groove der drei Holländer erkennen. Denen macht ihre Sache offensichtlich Spaß, obwohl es eindeutig harte Arbeit ist.
Zusehen kann man übrigens hervorragend, denn die schlichte Aufnahmetechnik mit nicht besonders vielen Kameras macht wilde Umschnitte unmöglich, man kann in aller Ruhe gucken und wird nicht hyperventilieren.
Die Musik ist deutlich schweißtreibender. Zwar bewegen sich HALF PAST MIDNIGHT in der ersten Viertelstunde mit dem Opener Going Down und einigen "konventionellen" Album-Tracks auf eher sicherem Terrain, aber das Niveau ist von Anfang an so hoch wie man es in den letzten Jahren bestenfalls von Leuten wie Steve Schuffert oder Rob Tognoni kennt. Anders ausgedrückt: Heutzutage muss ein Going Down schon besonders gut gebracht werden, um nicht sofort den Gähnreflex auszulösen. Ähnliches gilt für Libertyville, das schon an zweiter Stelle als Mitsinglied gespielt wird. Das Publikum steigt willig ein, die Band hat die Leute also sofort im Griff. Alle Achtung.
Die Version von Hey Joe kommt erfreulich unaufdringlich und ohne zwanghaftes Hendrix-Imitat, Orlemans kann sich zurückhalten. Das geht nicht mehr, wenn er mit Love My Baby völlig hemmungslos in primitivsten Parfitt-Boogie verfällt. Wir wissen ja alle, wie solche heimtückischen Anschläge auf die Gattung Homo Musicus wirken: Klatschen, mit dem Kopf wackeln, Stampfen, Grölen und Hüpfen müssen als Nebenwirkung akzeptiert werden. Die Biker-Hymne Indian Machine legt adäquat nach und man ist beinahe froh, dass mit Red House und Voodoo Chile noch zwei weitere Hendrix-Cover kommen, die Gefahr eines Schleudertraumas wäre sonst zu groß.
Zu Red House bittet Orlemans einen sehr jungen (16!) Gitarristen namens Jeremy Aussems auf die Bühne und geht mit ihm mehr oder weniger spontan die gesamte Palette zweistimmiger Bluesrock-Soli durch. Verblüfft es jemanden, dass solche Spielchen selbst abgebrühte Langzeitfans immer wieder von den Sitzen reißen? Diesen Jeremy Aussems muss man mitsamt seiner Band THE GROOVEBREAKERS dringend im Auge behalten. Checkt mal seine Homepage bzw. die Hörproben bei MySpace. Momentan ist der Bursche noch sehr nahe an Stevie Ray Vaughan dran, aber da ist noch eine Menge mehr zu erwarten.
Nummern wie Fuzzbox Boogie, Running Wild Boogie oder die Orlemansche Fassung des uralten Brechers Pachman Farm halten natürlich was die Namen versprechen, zwischendurch gibt's ein kurzes Donnersolo am Schlagzeug und ohne Pause ein begeistertes Publikum. Kurzweiliger können eineinhalb Stunden Bluesrock nicht sein. Rob Orleman gehört längst zu den Herrschaften des Genres, aber mit "Open The Cage" sollte er sich in Deutschland auch verkaufstechnisch etablieren und vor allem kann es keine bessere Bewerbung für eine Clubtour geben. Bei so einer Band lacht der Clubbesitzer und der Zapfhahn glüht. Wenn nun noch die Vertriebssituation für die Tonträger etwas einfacher wäre, könnte man auf einen echten Durchbruch hoffen. Momentan muss man über die Homepage oder Bluesdvd.nl einkaufen.
Als Bonus gibt es übrigens die obligatorische Übersicht über die Historie, von Rob selbst erzählt und mit Amateuraufnahmen früherer Auftritte mit u. a. Curtis Knight, dem Brötchengeber von Hendrix Mitte der Sechziger und späteren Orlemans-Mentor.
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