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Roy Buchanan

Live At Rockpalast

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M.i.G.-Music
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All Music Guide (englisch)

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Live At Rockpalast
Live At Rockpalast, M.i.G.-Music, 2011 (1985)
Roy Buchanan Guitar, Vocals
John Steele Guitar, Keyboards, Vocals
Anthony Dunn Bass
Marty Yule Drums
Produziert von: WDR Länge: ca. 72 Min Medium: DVD
1. Thing In G (Short Fuse)8. Hey Joe
2. Green Onions9. Foxy Lady
3. Roy's Blues (Roy's Bluz)10. Messiah (Messiah Will Come Again)
4. Walk Don't Run11. Night Train
5. Sweet Dreams12. Linda Lou
6. Peter Gunn13. Wayfaring Pilgrim
7. Blues In D (Blues Shuffle Instrumental)

Viele Gelegenheiten, Roy Buchanan in Deutschland zu sehen, gab es nicht. Möglicherweise war seine Tournee 1985 sogar die einzige, die den Anti-Star zu uns führte. Also auf in die Theaterfabrik in München-Unterföhring und staunend einen Blues-Buchhalter betrachtet, der so ganz nebenbei alles und jeden in diesem Genre, außer natürlich Johnny Winter, in Grund und Boden spielte. Das war schon sehr verblüffend damals. Dass Buchanan auch in Hamburg spielte und bei dieser Gelegenheit für Peter Rüchels Rockpalast aufgezeichnet wurde, bekam man als Süddeutscher erst viel später mit, denn den WDR konnte man selbstverständlich in Bayern nicht empfangen. Umso schöner, dass jetzt endlich, 26 Jahre später, dieses Hamburger Konzert auf DVD und CD veröffentlicht wird.

Roy Buchanan war optisch immer randständig. Selbst älteste Fotos zeigen einen biederen Berufsmusiker, der niemals auch nur annähernd die Anforderungen zum Rockstar erfüllte. 1985, Buchanan war da gerade 46 Jahre alt, sah er mit seinem grauen Bart und den unfassbar spießigen Klamotten wie ein Fabrikarbeiter in Rente aus. Es ist kaum vorstellbar, dass die STONES jemals ernsthaftes Interesse an so einem Arbeiterdenkmal gehabt haben sollen, gegen Buchanan war der dröge Mick Taylor ein wahrer High-Energy-Poser. Aber wenn es der Legendenbildung dient, sagen wir einfach mal, dass Buchanan das Angebot der STONES ablehnte. Is klar, wir Schreiber lehnen auch jedes Angebot vom "Rolling Stone" kalt lächelnd ab, wir wollen schließlich unbekannt, ach quatsch, unabhängig bleiben.
Sei's wie's ist, Roy Buchanan hatte seine kleine Karriere, die zwar mit seinem großen Talent nicht mithalten konnte, ihn aber immerhin annähernd drei Jahrzehnte überleben ließ. Dass es neben dem unglamourösen Gitarrengenie aus der zweiten Popularitätsliga noch einen anderen Roy Buchanan gab, wusste damals nur der innerste Kreis, der vor allem aus seiner Ehefrau bestand. Der Mann war Alkoholiker, latent gewalttätig, über Jahre kokainabhängig und augenscheinlich von Depressionen geplagt. Wenn man dem amerikanischen Musikjournalisten Phil Carson folgt, der die anerkannte (leider aber in vielen Punkten spekulative) Buchanan-Biographie "American Axe" verfasst hat, versuchte sich Buchanan bereits im Jahr 1980 zu erhängen. The dark side of the Spießbürger.
Trotzdem schien alles gut zu werden, als Buchanan ab 1985 für das Label Alligator Records wieder Platten aufnahm. Alligator Records bzw. Chef Bruce Iglauer war mitsamt seinem Hausproduzenten Dick Shurman eine Art Lebensversicherung für in die Jahre gekommene Bluesrocker. Auch Johnny Winter bekam 1984, nach desperaten Jahren, mit der guten Alligator-LP "Guitar Slinger" weltweit größtes Lob für sein Comeback. Bei Buchanan waren es drei schnell aufeinander folgende Spätwerke zwischen '85 und '87, nämlich "When A Guitar Plays The Blues" (gut), "Dancing On The Edge" (sehr gut) und "Hot Wires" (grandios). Zu seinem Seelenfrieden verhalfen ihm diese Alben nicht mehr.
Warum bei den Konzerten in Deutschland nicht seine angestammte US-Tourband am Werk war, sondern drei, mit Verlaub, völlig unbekannte Mietmucker, ist nirgends zu erfahren, vermutlich hatte es finanzielle Gründe, allerdings war Buchanan bei dieser Entscheidung nicht gut beraten. Was man als junger Kerl vor zweieinhalb Jahrzehnten gar nicht mitbekommen, oder aus Altersgründen längst vergessen hat, ist die Tatsache, dass die Band mit ihrem traurigen Chef einfach nicht mithalten konnte. Die DVD bringt ziemlich schonungslos ans Licht, wie hölzern, holprig und oftmals sehr, sehr simpel vor allem an Bass und Schlagzeug gearbeitet wurde. Bestes Beispiel ist die alte Hauruck-Nummer Peter Gunn, die zwar von Buchanan gespielt wird wie eine Symphonie von Beethoven auf Speed, aber vom Trommler geradezu amateurhaft zerdeppert wird. Letztendlich spielen die Sidekicks aber keine Rolle, denn bei jedem einzelnen Ton steht nur die Gitarre im Vordergrund - und die ist kaum zu beschreiben. Zur Band gibt es unten noch ein paar Sätze.

Wann immer Buchanan zu einem Solo anhebt, das tut er sozusagen ständig, purzeln ihm Töne aus der Telecaster, die man in diesem Moment von einem Bluesmusiker bei einem Bluesrockkonzert nicht erwartet. Es ist nicht die heute übliche Blues-Politur der jungen Gitarrenhelden, es ist die hart erarbeitete Bluesrock-Ehrlichkeit eines Malochers plus ein von höheren Mächten verliehenes Gespür für die Musik an sich plus eine begnadete Fingerfertigkeit, die Buchanan für immer einen Platz im Musikerhimmel sichert.
Seine hier dargebrachten Klassiker Green Onions, Messiah, Wayfaring Pilgrim und die Interpretationen von Hey You/Foxy Lady oder Don Gibsons Sweet Dreams sind nicht im eigentlichen Sinn schön, sie sind in ihrer Tiefe und Aufrichtigkeit bewegend. Buchanan steht für Gefühl, Emotion, Handwerk und Tragödie. Letztere hat schließlich zu seinem Tod geführt.

Die DVD muss man als Buchanan- und Bluesrock-Fan selbstverständlich haben, den Editoren dieser Ausgabe muss man jedoch ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Auf dem Booklet und in allen Presseinformationen, sogar im altehrwürdigen Rockpalast Archiv ist ein gewisser Martin Stevenson als Sänger angegeben, nur gibt es den leider überhaupt nicht. Es gibt einen englischen Singer/Songwriter namens Martin Stephenson, der 1981 die Band THE DAINTEES gründete, bei der ein gewisser Anthony DUNN, nicht wie abgedruckt DUMM, Bass spielte. Zweifelsfrei ist, dass es bei Buchanans Konzert keinen zweiten Sänger gab, dieser Martin Stephenson laut eigener Biografie aber mit Buchanan tourte, vielleicht im Vorprogramm oder als Roadie, und dass sowohl der Bassist Anthony Dunn als auch der Gitarrist/Keyboarder John Steele von THE DAINTEES als Begleitmusiker für Buchanan tätig waren. Ebenso sicher ist auch, dass der angegebene Drummer nicht Martin Yula sondern mutmaßlich Marty Yule heißt und seinerzeit hauptamtlich ebenfalls bei THE DAINTEES beschäftigt war. Also war es 1985 so, dass THE DAINTEES ohne ihren Vorsänger Stephenson als Backing Band für Roy Buchanan engagiert wurden. Und das erklärt die Schwächen, denn die braven Provinzengländer hatten und haben bis heute mit originärem Bluesrock nichts am Hut, sie sind Folkloreinterpreten, keine Rock'n'Roller.
Es gibt in der Musik wie in allen Bereichen historische Ungenauigkeiten, aber hier wurde einfach nur geschlampt. Dem Gelegenheitshörer und jugendlichen MP3-Konsumenten sind derartige Fehler egal, aber für die schmale Zielgruppe einer solchen Veröffentlichung sind korrekt geschriebene Credits wichtig. Made-in-Germany-Music, immerhin ein Abkömmling der einstmals großen SPV, sollte sich für die Zukunft folgendes merken: Scheißegal ob in Germany oder Usbekistan gemacht, nur Qualität überlebt.
Ich für meinen Teil bin ob solcher Stümperei deutlich verärgert. So unbeholfen die Band neben dem desolaten Genie agierte, wenigstens die Namen könnten richtig geschrieben sein.
Einen großen Pluspunkt gibt es für die Kameraführung und Regie dieser alten Kamelle. Man sieht exakt was man hört, es wird nicht wie bei den heutigen Rockpalästen besinnungslos geschnitten und mit zig Steadycams gewirbelt, lange Einstellungen und Gitarrensoli in Großaufnahme lassen ein echtes Konzertgefühl entstehen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.06.2011


 
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