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Roy Buchanan

Loading Zone

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Loading Zone
Loading Zone, Polydor Records/Repertoire Records, 2005 (1977)
Roy Buchanan Electric & Acoustic Guitars, Vocals
Steve Cropper Lead & Rhythm Guitars
Raymond Gomez Rhythm Guitar
Stanley Clarke, Dennis Parker,Donald "Duck" Dunn & Will Lee Bass
Narada Michael Walden Drums, Piano
Malcolm Lukens Organ, Electric Piano
Jan Hammer Acoustic Piano
Scott Musmanno Lead Vocals (The Circle)
David Garibaldi Drums
Diva Gray, Rhetta Hughes, Laura Williams & Ron Foster Background Vocals
Produziert von: Stanley Clarke Länge: 40 Min 35 Sek Medium: CD
1. The Heat Of The Battle6. Green Onions
2. Hidden7. Judy
3. The Circle8. Done Your Daddy Dirty
4. Adventures Of Beer Rabbit And Tar Baby9. Your Love
5. Ramon's Blues

Wenn Kritiker flatulieren, geistige Blähungen absondern, bleibt schon gerne mal ein brauner Rallyestreifen in den Boxershorts hängen. So war es in den siebziger Jahren ein beliebter Sport, dem Gitarrengott Roy Buchanan vorzuwerfen, dass seine wechselnden Begleitbands schwach seien. Wie albern dies war, beweist sich eigentlich erst Jahrzehnte später, wenn man sich die Meisterwerke ab 1971 heute anhört und vor Ehrfurcht zwangsläufig in die Knie geht. Nicht die Mitmusiker waren schwach, Buchanan war so genial, dass einfach niemand mit ihm mithalten konnte, was aber angesichts der gitarristischen Leistung keinerlei Rolle spielte.
1977 war Roy Buchanan den Zirkus leid und ließ auf Anraten von Ahmet Ertegun, dem allmächtigen Boss von Atlantic Records, sein Album "Loading Zone" von Stanley Clarke produzieren und holte sich dazu Musiker wie Jan Hammer, Narada Michael Walden, Steve Cropper, Donald Dunn und andere ins Studio und entging somit jeder Unterstellung von technischer Minderleistung. Prompt hielt man ihm mangelhafte Kompositionen vor...

1977 war natürlich die Zeit des Blues lange vorbei, Jazzer wie Clarke, Hammer oder Walden waren dem intellektuellen Publikum vorbehalten, Cropper und Dunn lebten längst von den unsterblichen Meriten ihrer Vergangenheit und Buchanan war ein Verlierer, der sich um kommerziellen Erfolg offensichtlich nie besonders viel scherte. Bezeichnend, dass der Kritiker des Sounds-Magazins die LP mit Seite 2 und dem Monsterblues Green Onions von Booker T. Jones startete. Kannte man schließlich. Andererseits ist der Achtminüter natürlich wahrlich ein großer Song, bei dem sich Steve Cropper und Buchanan die Gitarrensoli teilten und ein wahres Inferno anrichteten. Warum Donald "Duck" Dunn nicht am Bass mit dabei war, ist nicht überliefert, aber auch so ist der damals bereits 15 Jahre alte Hit von BOOKER T. & THE M.G.'s bis heute ein Prachtstück des modernen Blues.
Eine LP fängt aber nunmal mit Song 1 auf Seite 1 an und da kann man The Heat Of The Battle, geschrieben von Stanley Clarke himself, hören. Clarke = Jazz? The Heat Of The Battle = Southern Rock! Clarke ist auch selbst am Bass zu hören, verblasst aber genau wie Narada Michael Walden angesichts der unfassbaren Gitarrenexzesse von Buchanan. Wenn man dem Song öfter lauscht, wird schon klar, dass die beiden überwältigende Arbeit abliefern, speziell Walden wirbelt mächtig am Schlagzeug umher. Doch wenn Rhythmusgitarrist Raymond Gomez seinem Chef den Einstieg "einzählt", beginnt eine Tour de force auf der Telecaster, der vermutlich kein mir bekannter Gitarrenheld folgen könnte. Buchanan löst aber alle Knoten, in dem er sich selbst klassische zweistimmige Southern-Soli zuwirft, über die Walden und Clarke eine gewaltige Rhythmuspower legen. Göttlich. Danach braucht man den relativ belanglosen Buchanan-Hammer-Clarke Ausruhsong Hidden, der von Flöten, Geigen, Hammers exaltiertem Piano und einigen wenigen Gitarrentupfern begleitet, drei Minuten dahinplätschert. Kein Zweifel, auf "Loading Zone" sind insgesamt drei unwichtige Songs, darunter die beiden Kompositionen von Narada Michael Walden, aber die werden von den übrigen Großtaten einfach hinweggefegt.
Eine davon ist das viel zu kurz geratene The Circle. Buchanan plus gleich zwei Rhythmusgitarristen, Raymond Gomez und Steve Cropper, und eine knappe Handvoll Sänger/-innen powern mit dem vorzüglichen Basser Dennis Parker um die Wette, dass Eric Clapton an vermutlich grün vor Neid geworden ist.
Warum sich Clarke am Bass im folgenden Country-Spaßsong Adventures Of Brer Rabbit And Tar Baby so zurückhält, bleibt angesichts seiner Fähigkeiten rätselhaft, das bisschen Solo am Schluss entschädigt nicht für die entgangenen Möglichkeiten. Dafür brilliert Buchanan einmal mehr und zeigt, dass nicht nur Jazzrock für kluge Köpfe sein kann.
Cropper und Buchanan geben sich auch in Ramon's Blues wieder die Kante. Während das erste Solo von Buchanan ein vergleichsweise braves Blues-Solo ist, zahlt er Cropper alle Gemeinheiten aus dessen Solo im Mittelteil am Ende so zurück, dass anzunehmen ist, dass sämtliche Beteiligten im Studio applaudierten. Oder vor Rührung weinten.
Wieder in Drei-Gitarren-Besetzung, dafür ohne Bass, wächst sich Done Your Daddy Dirty zu einem manischen Rocker aus und beweist, wie kontrolliert Buchanan trotz unglaublich schnellem Spiel an seine Songs herangegangen ist. Im Nachhinein sind nicht einmal mehr die albernen Klatscher störend. Clarke hatte wohl einen Hang zum Kommerz, der aber garantiert nichts geholfen hat, denn diese Art von Rockmusik war 1977 völlig out.

An eine solche Platte kann man nicht herangehen und sagen "yo, gute Rockscheibe" oder "die neue Platte von xy, ganz ordentlich gelungen, aber im Vergleich zu...". Werke eines Roy Buchanan schreien nach Analyse, speziell retrospektiv betrachtet muss man sich die Frage stellen, warum damals, also in der "guten alten Zeit", die Spitzenplatten quasi im Wochentakt erschienen, heute aber kaum mehr solche Leistungen und emotionalen Wirkungen erreicht werden. Der Einwurf, dass damals ja alles neu gewesen wäre gilt nicht. Roy Buchanan hat nie neue Musik gemacht, im Gegenteil, er war damals schon über 20 Jahre im Geschäft und hat seine eigenen Einflüsse immer nur verfeinert - man muss sich nur die Orgel- und Gitarrenarbeit in Green Onions anhören. Hätte man Alvin Lee jemals vorgeworfen, ein schlechter Gitarrist zu sein? Cropper, Dunn, Malcolm Lukens und David Garibaldi grooven in Green Onions aber derart, dass man die Leistung der TEN YEARS AFTER-Restband beinahe vergisst und Buchanan zeigt auf, wo der Unterschied zwischen Genius und "schnellstem Gitarrist der Welt" liegt. Warum ausgerechnet ein Vergleich mit TYA? Hört Euch Green Onions an, dann wisst Ihr es.

Roy Buchanan ist seit 1988 tot. Seine Musik lebt natürlich weiter und es ist zu hoffen, dass ihm irgendwann jemand ein (musikalisches) Denkmal setzt, das ihm zur Ehre gereicht. Für mich ist er einer der wichtigsten Musiker aller Zeiten "Loading Zone" ein weiteres Mosaiksteinchen in seinem unsterblichen Schaffen. Eine ganz wichtige Wiederveröffentlichung.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 07.06.2005


 
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