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Comeblack
Comeblack, Sony Music, 2011
Klaus Meine Lead & Backing Vocals
Rudolf Schenker Rhythm & Lead Guitars, Backing Vocals
Matthias Jabs Lead & Rhythm Guitars, Acoustic Guitars, Backing Vocals, Talk Box
Pavel Maciwoda Bass
James Kottak Drums, Backing Vocals
Gäste:
Mikael Nord Andersson, Martin Hansen & Peter Kirkman Backing Vocals
Produziert von: Mikael Nord Andersson & Martin Hansen Länge: 54 Min 13 Sek Medium: CD
1. Rhythm Of Love8. Tainted Love
2. No One Like You9. Children Of The Revolution
3. The Zoo10. Across The Universe
4. Rock You Like A Hurricane11. Tin Soldier
5. Blackout12. All Day And All Of The Night
6. Wind Of Change13. Ruby Tuesday
7. Still Loving You

Es war klar, dass zur finalen Tournee, die so unerwartet wie der nächste Sonnenaufgang inzwischen bis Ende 2012 ausgedehnt wurde, entsprechende DVDs und sonstige Datenträger veröffentlicht werden. Dass es aber noch ein Studioalbum geben würde stand nicht auf dem Zettel. Kurzerhand haben die jungen Männer der hoffnungsvollen Nachwuchsband SCORPIONS aus Worldwide-Hannover ein paar Tage im Studio verbracht und sieben alte eigene Hits plus sechs alte Gassenhauer eingespielt und das Ergebnis so beziehungsreich wie denglisch "Comeblack" getauft. Was für ein Wortspiel…
Nun kann man sich natürlich fragen, was dem Kunden Neueinspielungen von 20, 25, 30 oder mehr als 40 Jahre alten Klassikern bringen. Um ehrlich zu sein, es bringt wenig, außer man ist echter Fan der Band und will diese Songzusammenstellung unbedingt haben. Denn: die Band wollte sie, die Songzusammenstellung, ebenfalls unbedingt haben. Und das ist die Legitimation für dieses Album. Es ist trotz seiner ganzen Überflüssigkeit zu einem wichtigen Teil des Abschieds geworden.

Die Songauswahl ist frei von jeder Risikobereitschaft, es sind, bis auf Blackout, frühere Singleauskoppelungen und alle gehören zum Standard-Bühnenprogramm, sind also hinlänglich bekannt. Nur deswegen fallen die klitzekleinen Arrangementänderungen auf. Mal hier ein kleiner Gitarrenschnörkel mehr, mal dort ein winziges Solo weniger, viel mehr ist nicht zu entdecken. Fraglos klingt alles ein bisschen moderner, im Fall von Blackout etwas zu modern und poliert, Schlagzeug und Bass bollern lauter als einst, Klaus Meine singt dafür flacher als kürzlich im Jahr 1980, pfeift aber immer noch den Wind Of Change wie die Wiedergeburt von Ilse Werner.
Die fünf Rocker knattern insgesamt tadellos daher, es sind eben tolle Nummern, die exakt zeigen was die SCORPIONS mal konnten und bis heute immer noch nachspielen können. Wind Of Change ist selbstverständlich unverzichtbar, aber für Still Loving You hätten ein paar Emotionen mehr abfallen können. Das klingt schon sehr routiniert, um nicht von lustlos zu sprechen.
Etwas spannender dann die sechs Coversongs. Auch wenn man beim Anblick von Tainted Love Schüttelfrost bekommt, das Plastik-Popliedchen von SOFT CELL hat allemal das Potential für eine gelungene Neuaufnahme. Marilyn Manson hat es vor zehn Jahren vorgemacht und die SCORPIONS schreddern auch nicht ganz tölpelig durch die früheren Synthesizerquälereien. (Die Wahrheit ist, dass Tainted Love nicht von SOFT CELL ist, sondern bereits im Jahr 1965 ohne größeren Erfolg veröffentlicht wurde.)
T. REX' Children Of The Revolution ist so unnötig wie nicht zu den biederen Germanen passend (Revolution… hahaha), trotzdem ganz nett interpretiert, Lennons Across The Universe vom 70er "Let It Be"-Album geht gar nicht und Tin Soldier ohne Steve Marriott lässt einen ein ganz schmales Gesicht machen. Das Gitarrensolo ist stark und irgendwie holen die Scorps die Nummer auch ganz passabel in die Jetztzeit, doch die Frage bleibt: warum tun die das?
Gleiches gilt auch für All Day And All Of The Night von THE KINKS und Ruby Tuesday von dieser anderen englischen Band, deren Name mir gerade nicht geläufig ist. Man kann das alles machen, muss aber nicht. Andererseits sind es halt die SCORPIONS, die diesen alten Schlagern ihren Sound aufdrücken - und das nicht mal peinsam.

Sagen wir es salomonisch. "Comeblack" ist nicht weiter wichtig, aber als Fan der SCORPIONS muss man es haben. Die CD ist keine Blamage wie beispielsweise "Eye II Eye" und kein Aussetzer wie "Acoustica" oder "Moment Of Glory", sie ist eine nette und nett umgesetzte kleine Idee zum Karriereende.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 29.11.2011


 
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