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| Sting In The Tail, Sony Music, 2010 |
| Klaus Meine |
Vocals |
| Rudolf Schenker |
Guitars |
| Matthias Jabs |
Guitars |
| Pawel Maciwoda |
Bass |
| James Kottak |
Drums |
| Gast: |
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| Tarja Turunen |
Vocals (The Good Die Young) |
| Produziert von: Mikael Nord Andersson & Martin Hansen |
Länge: 47 Min 35 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Raised On Rock | 7. Lorelei |
| 2. Sting In The Tail | 8. Turn You On |
| 3. Slave Me | 9. Let's Rock |
| 4. The Good Die Young | 10. SLY |
| 5. No Limit | 11. Spirit Of Rock |
| 6. Rock Zone | 12. The Best Is Yet To Come |
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Nun ist es also vorbei. Nach, je nach Lesart, 40 oder 45 Jahren wird es die SCORPIONS bald nicht mehr geben. Lebensarbeitszeit und Rentenalter erreicht, genug in die Pensionskasse eingezahlt (absichtlich Pensionskasse, denn war die Karriere nicht irgendwie fast wie bei einem Beamten?), nichts mehr zu erledigen im Büro, Schreibtisch aufräumen, Kaffeerechnung begleichen, Abschiedstour spielen, Glückwünsche entgegennehmen, ab aufs gemütliche Sofa bzw. in die Hängematte im sonnigen Süden. Als noch nicht Rentenberechtigter darf man neidisch sein ob so eines unerzwungenen Abgangs aus freien Stücken. Außerdem hat ein freiwilliger Rückzug auch immer etwas von Größe. Und, das darf nicht vergessen werden, die Bekanntgabe eines Abschieds hat oft befreiende Wirkung. Das beste Beispiel liefern oft Sportler wie die Biathletin Simone Hauswald, die ihren Rücktritt bekannt gab und direkt im Anschluss völlig entspannt drei Siege in drei Rennen einfuhr. Vorbei ist die Zeit des "Müssens", es gibt keinen Grund mehr dem Erfolg krampfhaft hinterherzulaufen, die letzten Auftritte kann man einfach genießen und so richtig die Sau rauslassen.
Das haben sich neben der netten Frau Hauswald womöglich auch Klaus Meine, Rudolf Schenker und Matthias Jabs gedacht, als sie am 24. Januar auf ihrer Homepage vermeldeten, dass mit "Sting In The Tail" und einer Welttournee über zwei Jahre die Firma SCORPIONS abgewickelt wird.
Sicher waren sich die Herren schon lange vorher einig geworden die Bandgeschichte zum Abschluss zu bringen, die Welt wusste es halt nur noch nicht. Und sicher ging es den seit Jahren verkrampft bis peinsam in jede Kamera grinsenden Altstars seit dem finalen Entschluss besser. Es war bestimmt nicht einfach, 20 Jahre lang in jeder Idiotensendung Wind Of Change zum Playback pfeifen zu müssen, es war aber auch schwer zu toppen, für welche Klamaukveranstaltungen sich vor allem Meine und Schenker hergaben - meist um die jeweils aktuelle CD, so uninspiriert sie auch war, anzupreisen. Das Wortgedöns von wegen "härter als je zuvor", "wir rocken weiter", "bestes Album überhaupt" war schlicht für den Papierkorb, denn den Scorps gelang ab "Savage Amusement" (1988) kaum mehr ein bemerkenswerter Rock-Song, der gesamte Unplugged- und Orchesterschmus war ausschließlich für ein Non-Rock-Publikum genießbar, die angeblich so knalligen CDs dazwischen waren langweilig. Die SCORPIONS waren aus Rockersicht Schnee von gestern, spätestens mit dem Abgang von Herman Rarebell 1996 war auch der "Spirit" flöten, das Trio Schenker, Meine und "Klein"-Jabs hatte seine kreativ besten Jahre hinter sich. Man kann sagen, dass dieser Abschied, auch wenn er sich reichlich ziehen wird, im letzten noch möglichen Moment vor dem endgültigen Überdruss kommt. Doch kann man sich über das letzte Album noch freuen? Der Titel "Sting In The Tail" klingt so holprig wie Meines Englisch in all den Jahren, "Humanity - Hour I" war vor zwei Jahren ein weiteres Kapitel in der Geschichte der halbgaren Alben, ob da jetzt noch mal Power für eine wirklich gute Platte ist?
Zwei Dinge gleich zum Anfang: Innovatives durfte man von den SCORPIONS nie erwarten und so dramatische Sätze wie "What kind of fool was I" reimen sich zwar auf "You were my Lorelei", tun aber so richtig weh. Im Verlauf von "Sting In The Tail" häufen sich die sprachlichen Schenkelklopfer, allerdings auch die Momente, in denen man die Augenbrauen hebt und wie früher mittrommelt oder Luftgitarre spielt. Wie haben die älteren Herren das gemacht?
Ganz einfach, zu einer sehr gelungenen 80ies-Produktion von Mikael Nord Andersson (zuletzt bei MOUNTAIN OF POWER positiv auffällig geworden) und Martin Hansen haben sich Schenker und Meine plus diverse Gastschreiber eine Menge einfallen lassen. Um genauer zu sein: sie haben sich exakt eine Menge NICHTS einfallen lassen und einfach nur die noch im Langzeitgedächtnis befindlichen Highlights der letzten 30 Jahre recycelt. Das mag dreist sein, funktioniert auf "Sting In The Tail" aber ganz vorzüglich, denn erstens beklauen sie sich nur selbst, und zweitens haben das die Mitbewohner im Seniorenstift (KROKUS und KISS) zuletzt ebenfalls richtig gut gemacht. Es wäre keine Überraschung, wenn die Goodbye-Tour der Hannoveraner in ein paar Festivals zusammen mit KISS mündet und wenn KROKUS hierzulande ein paar Support-Auftritte bekämen. Momentan ist leider nur EDGUY für die Termine in Deutschland angesagt, da würde man sich als Hardrocker ein wenig mehr Mut zum endgültigen Retro-Konzert wünschen.
Was hört man nun auf "Sting In The Tail"?
Wahllos zusammengeschrieben sind das etwa folgende Songs: Rock You Like A Hurricane, Still Loving You, When The Smoke Is Going Down, The Zoo, Can't Live Without You, zig andere Verweise, und das Gitarrensolo in The Good Die Young ist auch von vorne bis hinten ein Selbstplagiat. Kurz gesagt ist "Sting In The Tail" ein Extrakt aus der Ära von "Lovedrive" (1978) bis "Savage Amusement" zehn Jahre später.
Im Simpel-Klopfer Rock Zone brilliert der stimmlich eigentlich längst nicht mehr relevante Meine nochmals beinahe wie früher, die Gitarrenwände in den harten Nummern stehen sowieso wie eine Eins und die Balladen, nur vier an der Zahl, gehören einfach dazu und sind diesmal bis auf das wirklich gruselige Lorelei nicht besonders peinlich.
Jetzt mal ehrlich: Was will man denn von dieser Band im Jahr 2010 noch mehr erwarten? Die Männer haben alles gegeben, das Ergebnis rockt anständig und überhaupt nicht wie von senilen Rentnern geklöppelt, schlägt einem nicht aufs Gemüt, lässt allenfalls über so unendlich sinnfreie Textzeilen wie "I was born in a hurricane" grinsen.
Zeit ihres Daseins haben die SCORPIONS Häme und Haue bekommen, in vielen Fällen beileibe zu Recht, aber kolportierte 120 Millionen verkaufte Platten, mehr als 5.000 Konzerte plus der Jahrhundertklassiker Wind Of Change sprechen ihre eigene Sprache. Denen fährt keiner mehr an den Karren, schon gar nicht wegen "Sting In The Tail". Diese CD rockt nämlich wirklich und macht Lust auf die Abschiedskonzerte, denn da werden ein letztes Mal die berühmten "positive vibrations" fliegen. Bei Brettern wie Rock Zone oder Raised On Rock wird dann auch keiner mehr nach dem Text fragen, da wird einfach wieder gewippt wie damals.
Hoffentlich macht dieser Rücktritt nicht nur die Betroffenen locker, also die Band, sondern auch das Publikum. "Sting In The Tail" gehört jedenfalls ins Regal zwischen "Lovedrive" und "Savage Amusement".
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