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Unser Disclaimer
Hellectric
Hellectric, Sin/City & Bee Records, 2003
Porty "The Voice" Portner Vocals
Heiko "The Rocker" Haag Guitar
Dschürgen J. Young 1. Rhythm Guitar
Patrick "McThunder" Apel Bass
Lars M. "Dr. Pank" Lunova Drums
Produziert von: Noisegate Productions Länge: 41 Min 01 Sek Medium: CD
1. Hellectric6. Revelation (Is A Friend Of Mine)
2. What Went Wrong7. Shout
3. Devil In Me8. Scott's Deliverance
4. Hell Hound Healer9. Self Defense
5. Magnetic10. It's A Long Way To The Top (If You Wanna Rock'n'Roll)

Vorsicht! Ich bin der ruhigste Mensch östlich der Isarauen. Schwer erregbar, eher introvertiert, grundsätzlich der eher bedächtige Typ. Aber wenn mir einer an meiner Götter geht, dann kann ich schon mal zum Auerochsen werden und eine CD zum Fenster rausschmeißen. 5 Stockwerke und unten mit garantiertem Betonaufprall.

Noch ne AC/DC-Coverband, hab ich mir gedacht und schon mal das Fenster aufgemacht. Da wird wieder einer mit Kehlkopfdiphtherie auf Bon Scott machen und irgendwelche Sechs-Saiten-Clowns sich ein paar mühselige Riffs rausquetschen. Aber halt, ich kenn ja die Songs gar nicht (bis auf It's A Long Way To The Top selbstverständlich). Was soll das? Coverband mit eigenen Songs? Was jetzt?

Jungs, Ihr seid im Last Chance Saloon und dürft genau ein mal in meinen Player. 30 Sekunden, ich hab schließlich noch andere Dinge zu erledigen. Ein blöder Ton und es geht noch schneller. Und den Verriss gibt's kostenlos dazu. Warum nur müssen sich dauernd irgendwelche Kapellen an den vermeintlich "einfachen" Rock'n'Rollern vergehen? Vielleicht, weil ein Boogieriff leichter zu spielen ist als irgendwelches Gekniedel von Satriani? Irrtum! Grade an AC/DC werden sich noch Generationen von Nachwuchsrockern die Zähne ausbeißen. Bloß weil's immer auf die Vier geht und man zu jedem dritten Song ein neues Bier braucht, ist es noch lange nicht simpel. Ihr braucht nämlich auch noch die Eier für diesen Sound!
Deswegen rate ich allen Möchtegernboogiekönigen: Erst ganz lang die alten Platten von QUO, Bon & Angus, Baird, Thorogood, FOGHAT und all den anderen anhören. Dann überlegen, ob nicht doch eine Karriere bei der örtlichen Versicherungsgesellschaft angebrachter wäre. Und dann erst die Gibson kaufen. Wenn später die ersten zweihundert Konzerte vor aufgebrachten Bikern ohne Todesfolge erledigt sind, könnte man von einer geilen Partyband sprechen. Und Party ist doch was wir wirklich wollen. Oder?

Zurück zu SIN CITY. Aus Zweibrücken sind die. Zweibrücken ist nicht bekannt als Welthauptstadt der Sünde. Von dort aus ist es sicher a long way to the top. Eine Stadt, gepflastert mit braven Bürgern, die AC/DC, falls überhaupt bekannt, immer noch für die Ausgeburt des Bösen halten und ihren letzten Hardrockabend mit Peter Kraus und Conny feierten. 1958.
Jungs, Ihr habt noch 15 Sekunden! Ach so, ich muss auf "Play" drücken. OK, noch mal 30 Sekunden.

Zeitsprung. 30 Stunden später.

"Hellectric" hat gestern direkt die Feuertaufe bestanden. Freunde, die bei der grade gelaufenen Tour von Dan Baird bei der Hälfte der Konzerte waren, haben gemeint: Kommt geil!
Stimmt. Und warum ist das so?
SIN CITY klauen schamlos, haben nicht den Funken Innovation in die 40 Minuten gepackt und wer keinen Boogie mag, ist nach der Hälfte der Scheibe mausetot. Mir kommt grade unser Drachentöter Martin in den Sinn. Der schrieb dieser Tage über eine finnische Death Metal Band mit irgendwelchen Jazz-Latin-Fusion Einflüssen. Weiter können Rockers Wunschvorstellungen nicht auseinander liegen.
Bei SIN CITY beschränkt sich die Fusion auf Boogie, Blues und Rock & Roll, verpackt im zackigen Hardrockgewand mit wahlweise Bon- oder Brian-Turnschuhen an den im 4/4-Takt stampfenden unteren Extremitäten. Mir langt das an Abwechslung. Vor allem, wenn es so derart rattenscharf bollert wie auf "Hellectric".
Keine Experimente, keine Balladen. Immer nur drauflos mit fettem Bass und Ballerschlagzeug und einer unverschämt dreckigen Rhythmusgitarre. Krähen tut der Sänger natürlich wie die Sau und dass Angus' Soli nie die anspruchsvollsten unter der Sonne waren ist bekannt. Man muss sie aber nicht nur mit den Fingern spielen können, sondern eben auch mit dem Bauch.
9 eigene, eigenhändig gestohlene Songs plus das erwähnte It's A Long Way To The Top (inklusive Dudelsack) und kein Ausfall. Geile Scheibe!

Wer seine Rock'n'Boogie-Sammlung erweitern will, sollte sich mal schnell "Hellectric" für alberne 12 Euro bestellen.
Zusammen mit WASTELAND, den MIDNIGHT RAMBLERS und natürlich Dan Baird hat man dann etwa 50 Euro ausgegeben und genügend Stoff für die nächsten Beer & Grill Partys. Das Bier kostet natürlich extra.
Rock & Roll!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.09.2003

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