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| Blood Runs Cold, Metal Heaven, 2007 |
| Tommy Heart |
Vocals |
| Chris Lyne |
Guitars |
| Jogy Rautenberg |
Bass |
| Michael Wolpers |
Drums |
| Produziert von: Tommy Heart & Chris Lyne |
Länge: 47 Min 47 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Blood Runs Cold | 6. The Ocean |
| 2. Temptation | 7. The Lie |
| 3. Laugh In The Face Of Danger | 8. Revolution |
| 4. F.A.F.O.D. | 9. Justine |
| 5. Touch Of Love | 10. Mr. Youngblood |
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Wie schafft es eine eigentlich völlig unzeitgemäße Hardrockband heutzutage dauerhaft in den iPod eines eigentlich längst über das iPod-Alter hinausgewachsenen Hardrockfans? Dass es eine im letzten September veröffentlichte CD in diesen iPod schafft, und auch noch ständig gespielt wird, ist normalerweise unwahrscheinlich in Zeiten der musikalischen Wegwerfware, kommt aber vor. Die neue CD der Berliner Hardrocker SOUL DOCTOR ist der überaus lebendige Beweis.
Versuchen wir den Grund herauszufinden.
Vor zwei Jahren war "For A Fistful Of Dollars" eine astreine Hardrock'n'Roll Angelegenheit und erschien unpraktischerweise beim italienischen Melodic-Label Frontiers Records. Für diese Plattenfirma war die Mischung aus AC/DC und sonstigem Heavy-Boogie eindeutig zu deftig. Nun sind SOUL DOCTOR beim Melodic-Label Metal Heaven gelandet und machen - Melodic-Hardrock. Das wäre gar nicht so überraschend, schließlich kommen die beiden Köpfe der Band aus genau jener Richtung. Nach der Rock'n'Roll-Breitseite zuletzt erscheint die Rückbesinnung auf die melodisch-metallischen Wurzeln allerdings auf den ersten Hör etwas seltsam.
Bisher war noch kein Grund für den monatelangen Dauereinsatz zu finden. Nun aber.
Gitarrist Chris Lyne und Sänger Tommy Heart bedienen sich einmal mehr recht hemmungslos in der Musikgeschichte, und sie tun das einmal mehr außerordentlich geschickt. Erstens sind sie natürlich zweifellos handwerkliche Könner und zweitens schaffen sie was nur wenige schaffen: Aus den Ruinen vergangener Zeiten spannende neue Songs zu machen. Das beginnt mit dem Opener und Titelsong Blood Runs Cold. Es gab in Zeiten vor MTV eine Band namens FOREIGNER, die geschätzte 20 hart rockende Klassiker geschaffen hat, bevor sie im Strudel der fürchterlichen 80er-Jahre zum trägen Dinosaurier wurde. Jenes Blood Runs Cold von SOUL DOCTOR hätte den Ausländern in jeder Phase ihrer Karriere gut zu Gesicht gestanden und wäre auf keiner der ersten drei LPs verschütt gegangen. Tommy Heart übertrifft den damals überwältigenden Lou Gramm wider Erwarten kolossal und Chris Lyne lässt die Gitarre begeisternd rauschen. Apropos Gitarre. Was in den 47 Minuten von "Blood Runs Cold" an Gitarrensounds ertönt, könnte in 20 Jahren möglicherweise in die Top 5 aller europäischen Gitarristen der düsteren 00er-Jahre des 21. Jahrtausends gewählt werden. Lyne protzt nicht, er rockt und lässt zwischendurch Soli vom Griffbrett, die ohne Umweg ins Herz eines jeden Luftgitarristen einschlagen. In Verbindung mit schlüssigen Melodien, die es auf "Blood Runs Cold" beinahe im Überfluss gibt, macht das umso mehr Spaß.
Wenn man schon von Melodien spricht, muss man natürlich auch andere Melodic-Größen erwähnen. Aber egal welche Band, ob WHITESNAKE, GOTTHARD oder VAN HALEN, keine konnte in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine solche Ansammlung guter bis sehr guter bis exzellenter Songs auf einen Longplayer versammeln. Vielleicht geht das heutzutage tatsächlich nur noch, wenn die Beteiligten neben allem Können ihre Geschichtsstunden regelmäßig besucht haben.
Exemplarisch sei auf ein paar Songs und Details hingewiesen. Das Solo in Laugh In The Face Of Danger hebt die Nummer aus der Suppe der nur "guten" Songs heraus. F.A.F.O.D. besticht mit einem sensationellen Lick und einer ZEP-Lässigkeit, die hunderte Hair-Bands in den Achtzigern gerne gehabt hätten. Touch Of Love (geschrieben von Joe Lynn Turner und Glenn Hughes) stampft trotz Pop-Potential spektakulär und groovt dabei unwiderstehlich. The Lie zeigt Bryan Adams und BON JOVI ihr gesamtes Versagen auf den letzten Machwerken. "Kiss my ass goodbye."
Diesmal machen sogar die (Halb-) Balladen Sinn und wirken nicht als Bremsklotz. The Ocean, Revolution und Justine sind schlichte, schöne Wohlfühllieder mit gelungenem Spannungsbogen. Und Mr. Youngblood, die obligatorische Lagerfeuerbeschallung, zündet auch feuchtes Holz an.
Manchmal ist es gut, wenn man eine CD nicht binnen zwei Wochen bespricht sondern sie ein paar Monate liegen lässt und derweil nur hört, ohne seinen Senf abzugeben. "Blood Runs Cold" hat nämlich genau die Langzeitwirkung, die so vielen CDs fehlt. Big shot.
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