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Danger Road

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Danger Road
Danger Road, Record Heaven Music, 2002
Dave Hlubek Guitars, Vocals
Jay Johnson Guitars, Keyboards, Vocals, Talkbox
Charles "Fireball" Hart Bass, Rhythm Guitar, Vocals
Jakson "Thunderfoot" Spires Drums, Percussion, Vocals
Produziert von: Jay Johnson & Jakson Spires Länge: 71 Min 26 Sek Medium: CD
1. Tough Situation8. Danger Road
2. Hang On9. Seein' My Friends
3. Stump Jumpin'10. Messin' With My Living
4. Southbound11. Man On A Lonely Mountain
5. Rock & Roll Dreams12. See You In Your Dreams
6. Too Far Gone13. This Broken Heart
7. The Hill14. Someday We'll All Be Free

Alle Jahre wieder das gleiche Spiel. Die kleine aber stand- und wehrhafte Southern Rock Gemeinde freut sich auf die Veröffentlichung eines neuen Albums einer ihrer - mehr oder weniger - alten Helden.
Die Spezies der Southern Rock Bands hat ja die seltene Gabe, jede neue CD bereits 2 bis 3 Jahre im voraus anzukündigen. Kaum wechselt Gitarrist X an seiner Gitarre die Saiten, wird über die Homepage verkündet, dass die neue CD kurz vor Fertigstellung ist und dass sie unglaublich toll wird und so kraftvoll klingt, wie seit dem Meisterwerk "Flirtin' with the Special Holliday Survivors" aus dem Jahr 1795 keine LP der Band mehr geklungen hat.
Flugs wird weltweit in den einschlägigen Foren und Mailinglisten diskutiert, lamentiert, philosophiert, gehofft und gebangt. Es werden die individuellen Besetzungs- und Tracklistwünsche, teils unter wüsten Beschimpfungen ("... das Keyboard auf Der Süden bebt ist total überproduziert und seit dem der Whiskey Man nicht mehr bei Point Rollington singt sind die eh total scheisse..."), ausgetauscht.
Insider erkennen bereits an den vorab veröffentlichten Soundschnipseln in Kloqualität, dass die Scheibe ein absoluter Hammer wird und irgendwer sieht die Band während seines Urlaubes irgendwo im texanischen Hinterland in einem Saloon live.
Nur 3 1/2 Jahre später ist es dann schon soweit. Die CD ist käuflich erwerbbar und alle 750 Hardcorefans stürmen weltweit die Läden und Mailorder.

All zu oft war das Ergebnis in den letzten Jahren schrecklich enttäuschend. Sei es Artimus Pyle, Dickey Betts, der DJB-Jam, SKYNYRD oder gar 38 SPECIAL. Immer gab es Tränen, Ärger und Flüche.
Und jetzt ist es wieder soweit. Die SOUTHERN ROCK ALLSTARS (Freund Wickie hatte mal ein naheliegendes Wortspiel eingebracht, man ersetze nur ein "l"...) haben endlich ihr zweites Album fertig. Namentlich Charles Hart, Dave Hlubek, Jay Johnson und Jakson "Thunderfoot" Spires haben ihre beleibten Körper wieder ins Studio geschleppt.
Das Debüt "Crazy Again" von 1999 war bekanntlich ein herbes Frusterlebnis. Glattpoliert, lahm, soundschwach. Nicht die Bohne den Erwartungen entsprechend und viele Fans der beteiligten Musiker haben die Band endgültig abgeschrieben. Aber, Überraschung! "Danger Road" ist um viele Klassen besser als der zahnlose Erstling.

Der Reihe nach. Der Blick ins Booklet fördert eine schwindelerregende Zahl von "additional musicians" zutage. 20 (!) Gäste drängelten sich irgendwann vors Mikro oder hinter Gitarre/Keyboard. Das macht mir zuerst mal kaum Mut. Können denn diese ehemaligen Götter das nicht mehr selber?
Trotzdem interessant. Von Mike Estes, Dan Toler, Charlie Hargrett bis hin zu Jimmy Farrar, Greg Martin oder Tom Crain reicht die Namensliste. Ein who is who des Southern Rock beinahe.
Noch viel länger ist die Thanks-Liste. Und beinahe so umfangreich die "In Memory"-Litanei...

Die Musik. Nach dem lähmenden Intro (sind die 80er immer noch nicht vorbei?) die erste Überraschung. Tough Situation powert knallhart daher. Kategorie BLACKFOOT zu "Tomcattin'"-Zeiten. Tonnenschwerer Bass und richtige Gitarren, dazu ein echt giftiger Gesang von Jay, der hier manchmal etwas nach KISS klingt. Oder doch THIN LIZZY? Ach, das kommt ja noch. Track 4 ist nämlich Southbound, bereits auf dem LIZZY-Tribute-Album "Spirit Of The Black Rose" im letzten Jahr veröffentlicht. Ähm, mit Verlaub, die einzige amtliche Lynott-Coverversion auf diesem Album stammt von Bruce Brookshire und DOC HOLLIDAY und heißt Jailbreak. Southbound klingt mir zu brav und gefällig.
Schön hingegen: Stump Jumpin' mit Dobro von Greg Martin (KENTUCKY HEADHUNTERS) und Fiddle.

Mr. Spires! Sie haben auf dieser CD 3 Songs eigenhändig verfasst. Aber warum? Das sind 3 derartig mainstreamige Machwerke geworden, dass man eher an Donnerbalken denkt, denn an Thunderfoot. Das ist nicht wirklich ganz schlecht, aber auch nicht gut und vor allem ca. 27 Jahre zu spät.
Ein ganz anderes Kaliber ist später Seein' My Friends, das Jakson zusammen mit einem gewissen R. Medlocke verfasst hat. Bezeichnend, dass die Soli von Charlie Hargrett eingespielt wurden.
Noch ein Spires/Medlocke-Song folgt. Man On A Lonely Mountain und wieder sind die Soli von Charlie Hargrett. Das ist wohl ein alter BLACKFOOT-Outtake und das hatte damals sicher einen Grund. Trotzdem freut man sich über die Nummer, denn sie klingt wirklich nach der "guten alten Zeit".
Noch ein Klassesong ist The Hill. Nach eher lauwarmen Auftakt steigert sich die Nummer in knapp 6 Minuten in richtige Southern-Höhen. Die Credits gehen an Tom Crain (Charlie Daniels Band), seinen Bruder Billy (10.000 Country-Produktionen) und John Kilzer. Die beiden Crains sind auch für das folgende und schöne Danger Road verantwortlich.
Ein weiterer Knaller ist das harte Messin' With My Living. So stelle ich mir diese Band vor. Sollte eigentlich Standard sein. Aber leider schleichen sich zwischendurch immer mal wieder ein paar völlig unnötige Nummern ein (See You In Your Dreams und This Broken Heart beispielsweise und wieder hat Spires seine Finger im Spiel).

Trotzdem, eine Steigerung um 100% im Vergleich zur ersten CD.
Sound ist gut, über 70 Minuten ordentlicher Southern Rock, keine Totalausfälle. Den großen Wurf werden die alten Herren damit natürlich nicht machen, dazu klingt das alles zu sehr nach den 80ern. Selbst das Späßchen mit dem "Hidden Track" am Schluss ist inzwischen reichlich durchgenudelt.
Die Southern Rock Gefolgschaft wird es auf jeden Fall würdigen und danken. Der Link zum Kauf ist eh klar: Bärchen Records.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 31.05.2002

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