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Victims Of The Modern Age

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Victims Of The Modern Age
Victims Of The Modern Age, InsideOut Music, 2010
Arjen Anthony Lucassen Guitars, Hammond, Mellotron, Minimoog, Strings
Russell Allen Vocals
Floor Jansen Vocals
Dan Swanö Vocals
Joost Van Den Broek Keyboard Solos
Peter Vink Bass
Ed Warby Drums
Gary Wehrkamp Guitar Solos
Damian Wilson Vocals
Gäste:
Mike Andersson, Rodney Blaze, Tony Martin Vocals (Bonus Tracks)
Produziert von: Arjen Lucassen Länge: 55 Min 09 Sek Medium: CD
1. Down The Rabbit Hole6. 24 Hours
2. Digital Rain7. Cassandra Complex
3. Earth That Was8. It's Alive, She's Alive, We're Alive
4. Victims Of The Modern Age9. It All Ends Here
5. Human See, Human Do

STAR ONE bleibt AYREON bleibt Arjen Lukassen! Ui, jetzt bekomme ich aber die Hucke vollgehauen. STAR ONE ist beileibe nicht AYREON! Das stimmt, aber die Seelenverwandtschaft ist nicht von der Hand zu weisen. Was den Sound der Drums, der Keyboards, der Gitarren und der Gesangsmelodien angeht - da ist es kein großer Schritt zu Mr. Lukassen größter Spielwiese.
Aber natürlich gebe ich allen Hauern - wg. Hucke - Recht, denn STAR ONE darf durchaus für sich betrachtet werden. Es funktioniert ganz ohne AYREON zu kennen, auch wenn die Trademarks von Arjen mehr als deutlich herauszuhören sind. Aber geht einem das mit Jeff Lynne und seinen vielen Baustellen bei denen er seine Produktionsfinger mit im Spiel hat nicht genauso? Dieses "flatschende" Schlagzeug hört man aus tausend anderen raus, schmälert aber bei weitem nicht das Schaffenswerk von Mr. ELO. So, jetzt aber zurück zu STAR ONE.

Der größte und auffälligste Unterschied zwischen den beiden Projekten von Arjen Lukassen ist die Anzahl der Sänger. Wurden beim letzten AYREON-Dreher noch Unmengen an Stimmveredlern ins Studio gekarrt, kann man STAR ONE fast schon als so was wie eine Stammformation mit Russell Allen, Damian Wilson, Dan Swanö und Floor Jansen am Mikro bezeichnen. Deswegen kommt "Victims Of The Modern Age" nicht weniger komplex daher, sind die Songs doch größtenteils im radiounfreundlichen Zeitformat um die 6 Minuten lang. Und der neuste geistige Niederschlag des sympathischen Holländers folgt diesmal keinem durchgehenden Konzept, auch wenn alle Songs an sich einem roten Faden folgen. Alle Lieder finden ihren Ursprung in post-apokalyptischen Sci-Fi-Filmen. Welcher Song jetzt auf welchem Film beruht will uns der blonde Hüne aber nicht verraten, das würde den Spaß verderben.

Zum Einstieg gibt es, wie auch auf "Space Metal" von 2002, ein kurzes Intro bevor mit Digital Rain dann das Gaspedal durchgetreten wird. Die Orgel röhrt und wirbelt, bevor das Lied in einem Doublebassangriff von Ed Warby erst richtig Fahrt aufnimmt. Die Gitarren braten und lassen die Zeiger weiter ausschlagen und man ist gefangen von dem, was einem um die Ohren gehauen wird. Earth That Was treibt die Gitarren noch weiter nach vorne, um im Refrain sowohl gesangstechnisch als auch an den Instrumenten zu explodieren. Zur Mitte hin wird der Song von einer sehr geilen Keyboard-Gitarren-Passage noch weiter aufgewertet.
Victims Of The Modern Age startet mit einem Didgeridoo (wenn auch nur vom Keyboard erzeugt), geht in einen parallel laufenden Gitarrenpart über, um mit Einsatz der Drums zu einem strammen Metalstampfer zu werden. Mit Beginn des Gesangs wird etwas instrumentaler Dampf rausgenommen, dadurch aber die Spannung umso mehr aufgebaut. Super gemacht.
Human See, Human Do ist für mich eins der stärksten und härtesten Stücke auf dem Silberling. Das ist schon ganz großes Kino mit dem HELLOWEENschen Tempo und der teilweise an "Master Of The Rings" erinnernden Schlagzeugarbeit, den eingeflochtenen orientalischen Melodieverläufen im Soloteil - Hut ab. 24 Hours krabbelt mit seiner unterschwelligen Wucht wie ein fieses Monster ganz langsam in die Gehörgänge. Was dann folgt ist mit Cassandra Complex ein Soundausbruch sondergleichen. Keyboards und Gitarren erfüllen und füllen den Raum zwischen den Boxen und dem Hörer komplett und geben diesen Raum auch für die folgenden guten 5 Minuten nicht mehr her. It's Alive, … fällt gegen die beide Nummern schon ab, ist aber deswegen nicht schlecht.
It All Ends Here ist hoffentlich nicht als Hinweis auf das eventuell letzte Album, sondern nur auf das letzte Lied des zweiten STAR ONE-Albums zu sehen. Mit diesem fast zehnminütigen Monster wird die CD würdevoll beendet und zeigt noch mal alle Akteure in Hochform.

Arjen Anthony Lucassen hat sich mit diesem Album sicherlich selbst einen Gefallen getan, in dem er den ganzen Ballast und die Größe seiner AYREON-Alben komplett runtergeschraubt hat, dabei aber nicht so traurig wie bei GUILT MACHINE klingt. Wobei man den Opfern des modernen Zeitalters keineswegs größte Fröhlichkeit nachsagen kann. Insgesamt ist es ein sehr drückendes und mitunter düsteres Machwerk geworden. Damit passt es perfekt zur Jahreszeit, ist aber nicht so düster, dass es einen vor den nächsten Zug schmeißt, vielmehr wirbelt es wie Sturmtief "Carmen" aus und durch die Boxen. Somit entschuldigen wir gerne die Tatsache, dass das letzte STAR ONE-Album auch schon seinen 8. Geburtstag gefeiert hat.
Neben der regulären Scheibe wird es diese Wuchtbrumme auch noch als Special-Edition mit einer Bonus-CD geben. Darauf gibt es dann ein paar Überbleibsel der Aufnahmesession mit so illustren Gästen wie Tony Martin (ehem. BLACK SABBATH), Mike Andersson (CLOUDSCAPE) und Rodney Blaze zu hören. Keineswegs sollen diese Songs als Resteverwertung angesehen werden, vielmehr waren es welche, die in das Gesamtkonzept nicht passten, aber zu gut waren, als dass man sie hätte wegschmeißen wollen.

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 14.11.2010

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