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Quid Pro Quo
Quid Pro Quo, earMUSIC/Edel Records, 2011
Francis Rossi Guitars, Vocals
Rick Parfitt Guitars, Vocals
John 'Rhino' Edwards Bass, Vocals
Andrew Bown Keyboards, Harmonica, Guitars, Vocals
Matthew Letley Drums, Percussion
Produziert von: Francis Rossi & Mike Paxman; Pip Williams (In The Army Now) Länge: 57 Min 23 Sek Medium: CD
1. Two Way Traffic (Rossi/Edwards)9. Anyway You Like It (Bown/Crook/Edwards)
2. Rock 'n' Roll 'n' You (Rossi/Bown)10. Frozen Hero (Rossi/Bown)
3. Dust To Gold (Rossi/Bown/Edwards)11. Reality Cheque (Parfitt/Edwards)
4. Let's Rock (Parfitt/Morris)12. The Winner (Rossi/Young)
5. Can't See For Looking (Parfitt/Bown/Edwards)13. It's All About You (Rossi/Young)
6. Better Than That (Rossi/Young)14. My Old Ways (Rossi/Young)
7. Movin' On (Rossi/Young)15. In The Army Now (2010) (Boland/Boland)
8. Leave A Little Light On (Parfitt/Morris)

Parfitt und Rossi sind jetzt Lateiner. Altersstudium nennt man sowas. Nach 128 Jahren STATUS QUO hat ihnen der Professor erklärt, dass man mit dem Bandnamen und dem Lateinischen ganz witzige Wortspielchen treiben kann, prompt haben die beiden Schlauberger ihr neues Album "Quid Pro Quo" genannt. Mensch, das sind doch ausgefuchste Typen.
'Quid pro quo' heißt nichts anderes als 'dieses für das' im Sinne von 'ich gebe dir etwas, du etwas anderes zurück', jedenfalls im Vulgärlatein, es ist nämlich kaum anzunehmen, dass unsere Boogiebrüder auch noch in die Rechtswissenschaften oder gar Medizin eingestiegen sind, dort wird 'quid pro quo' in verschiedenen Zusammenhängen verwendet. Verblüffend genug, in welche Sphären die notorischen Spreizfüßler vorgedrungen sind, wo sie doch noch vor ein paar Jahren den vierten Akkord gesucht haben. Da sage noch einer 'Nam quod in iuventus non discitur, in matura aetate nescitur'. Stimmt gar nicht, auch der älteste Knochen lernt nie aus. Sorge macht nur, wie die nächsten Scheiben heißen könnten: "Quod licet Iovi non licet bovi", vielleicht gar "Tu quoque mi fili?", oder doch nur "Quo vadis?"?
Beschäftigen wir uns aber erst mit der neuen Platte der progressiven Intelligenzrocker STATUS QUO und hinterfragen, ob das dumme Volk den geistigen Höhenflügen überhaupt noch folgen kann. Quod erat demonstrandum.

Im Grunde haben QUO seit "Heavy Traffic im Studio keinen gröberen Fehler mehr gemacht, es sind sogar einige echte Neoklassiker entstanden (Belavista Man, The Oriental, Alright, Gravy Train, Do It Again etc.). Natürlich war nicht alles wunderbar und legendär, aber Francis Rossi hat die meisten Unarten der 80er und 90er abgelegt, Songwriting und Produktionsweise näherten sich wieder, jedenfalls soweit möglich, der ursprünglichen Form an. Das klappte mal gut, mal besser, diesmal hat es nicht funktioniert, denn "Quid Pro Quo" hat zum Teil einen so dermaßen altmodischen Sound, dass man sich immer wieder fragt: Was scheppert denn da so… ja, geil?
Ohne Jux, meine Damen und Herren, Rossi und Parfitt liegen mit ihren Gitarren quasi permanent in der Steilkurve, der Kulturfreund 'Rhino' bollert aus seiner einen Basssaite wie sonst nur live und dem "Newcomer" Letley hat jemand einen ganz besonders scharfen Schlagzeugsound zusammengemischt. Dazu kommt noch, dass Rossi bei den Höhepunkten singt wie seit Ewigkeiten nicht (die seichte Seite hat er sich für sein Solozeug aufgehoben) und Parfitt bei seinen vier Beiträgen alles was noch möglich ist ins Mikro brüllt. Was soll man sagen und tun, wenn der Mann Let's Rock befiehlt und die Gitarren dazu wie aus dem tiefsten Inneren eines verrauchten Rock'n'Roll-Clubs toben?
Angesichts all der Perlen auf "Quid Pro Quo" verzichtet man liebend gern auf Schelte an dem Langweiler Dust To Gold und sogar die völlig unnötige Neuauflage von In The Army Now drückt man ohne Wutanfall einfach weg. Lieber stampft man zu Rock 'n' Roll 'n' You, Can't See For Looking, Movin' On (Monster!) und den fünf, sechs anderen Classic-Quo-Boogies dem Untermieter die Deckenlampe vom Plafond. Es muss schon etwas passiert sein, bei den alten Männern, wenn ein grundsätzlicher Schunkler wie Any Way You Like It groovt und schiebt, wenn man keine Lala-Schlagermelodien auf einem QUO-Album finden kann, wenn ein Unheil verheißender Songtitel wie Frozen Hero sich als Ohrwurm erster Güte entpuppt und nebenbei ein geradezu gemeingefährliches Solo aus dem Hintergrund hervorschießt.
Wenn man überhaupt nörgeln möchte, dann vielleicht darüber, dass Parfitts Reality Cheque nur vier statt acht Minuten dauert und dass Kollege Bown etwas unterrepräsentiert ist - das eine oder andere Klimper-Piano wie bei Let's Rock hätte man auf dem wohl besten QUO-Album des 21. Jahrhundert durchaus noch gebrauchen können.
In dubio pro QUO. Aber hier gibt es keinen Zweifel.

Das Album gibt es in etlichen Versionen, unter anderem als Doppel-CD mit 2010 live aufgenommen Althits ("Greatest Hits Live"), auf Vinyl und mit T-Shirt. Album: XL. Mein Shirt: XXL.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 18.05.2011


 
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