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Quo

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Quo
Quo, Mercury Records, 2005 (1974)
Francis Rossi Vocals, Guitar
Richard Parfitt Vocals, Guitar
Alan Lancaster Bass, Vocals
John Coghlan Drums, Percussions
Bob Young Harmonica (Break The Rules)
Tom Parker Piano (Break The Rules)
Produziert von: Status Quo Länge: 40 Min 40 Sek Medium: CD
1. Backwater (Parfitt/Lancaster) [4:21]6. Fine Fine Fine (Rossi/Young) [2:30]
2. Just Take Me (Parfitt/Lancaster) [3:39]7. Lonely Man (Parfitt/Lancaster) [5:00]
3. Break The Rules (Rossi/Young/Parfitt/Lancaster/Coghlan) [3:40]8. Slow Train (Rossi/Young) [7:55]
4. Drifting Away (Parfitt/Lancaster) [5:05]Bonus Track:
5. Don't Think It Matters (Parfitt/Lancaster) [4:55]9. Lonely Night (Coghlan/Lancaster/Parfitt/Rossi) [3:29]

Elf Alben aus dem Zeitraum 1972-81 wurden zu Beginn des Jahres 2005 digital remastert und mit Bonusmaterial versehen neu veröffentlicht. Die ursprünglich auf dem Vertigo-Label herausgebrachten LPs veröffentlichte die Company Universal jetzt auf ihrem Label Mercury.
Den Anfang machten "Piledriver" (1972), "Hello!" (1973), "Quo" (1974), "On The Level" (1975), "Blue For You" (1976) und "Live" (1977). Einige Wochen später folgten "Rockin' All Over The World" (1977), "If You Can't Stand The Heat" (1978), "Whatever You Want" (1979), "Just Supposin'" (1980) und "Never Too Late" (1981).
Die aufgeführten ehemaligen Langspielplatten existierten zwar bereits zuvor als CD-Ausgabe, jedoch einige beispielsweise in der Reihe "Back To Back" als Sparversion. So veröffentlichte man "Whatever You Want" und "Just Supposin'" gemeinsam auf nur einem Silberling, was zur Folge hatte, dass aus Platzgründen Songs fehlten.
Die erste Frage, ob man die Neuauflagen unbedingt sein eigen nennen sollte, sei erlaubt. Für QUO-Maniacs sind diese Veröffentlichungen ein "Muß", denn neben den (meist nicht unbekannten) Bonus-Tracks wurde jeweils das Booklet überarbeitet und bietet neben den Songtexten Infos zu den betreffenden Alben und reichlich Fotos.
Die zweite Frage, nach den Alben vor "Piledriver" bzw. nach "Never Too Late", wird vielleicht im Rahmen der Stories (welche in einer losen Reihenfolge erscheinen sollen) zu den einzelnen Alben beantwortet. Die Blütezeit der Band STATUS QUO war sicherlich in diesem Zeitraum, beinharte Fans lieben die Alben der ersten Veröffentlichungshälfte wohl am meisten, während es danach unterschiedliche Kritiken gab. Suchten QUO vor 1972 noch nach ihrem für sie typisch werdendem Stil, folgte spätestens nach 1981 eine Weiterentwicklung, die zumindest bei der eher Hardrock-orientierten Fanbasis umstritten war und es wohl bis in die heutigen Tage ist.
Das sogenannte "Classic-Lineup" Francis Rossi (Guitar, Vocals), Rick Parfitt (Guitar, Vocals), Alan Lancaster (Bass, Vocals) und John Coghlan (Drums) erspielte sich mit dem jetzt wiederveröffentlichten Songmaterial und mitreißenden Liveshows einen legendären Ruf.

In heutigen Tagen wird immer wieder gerne auf die vielen Single-Hits von STATUS QUO verwiesen. Dem zum Gegensatz steht eine Äußerung Francis Rossi's gegenüber dem Melody Maker kurz vor Veröffentlichung von Paper Plane (November 1972), in dem er betont, dass man keine Singles-Band mehr sein wolle.
Nachdem man "Quo" eingespielt hatte, gab es dementsprechende Meinungsverschiedenheiten mit der Plattenfirma, die das in ihren Augen kommerziell vielversprechende Break The Rules als 45er veröffentlichen wollte, während die Wahl der Band auf das heftigere Backwater gefallen war.
Das Vertigo-Label setzte sich letztendlich durch und Break... erschien am 26. April 1974 mit dem Non-Album Track Lonely Night als B-Seite. Die Scheibe kletterte bis auf den achten Platz der englischen Single-Charts und verblieb ab dem 4. Mai 1974 für ebenso acht Wochen in der Hitparade. Im Gegensatz zum restlichen Westeuropa, wo die beiden Songs ebenfalls als Single erschienen, brachte Vertigo in Spanien eigentümlicherweise Just Take Me mit Break... als B-Seite heraus.

Die vorhergegangenen Aufnahmen zu "Quo" verliefen mit einigen Problemen. Zwar hatte man erneut die Londoner IBC-Studios gebucht, aufgrund des enormen Lärms (man spielte mit dem Bühnenequipment bei voller Lautstärke) gab es Beschwerden der Anwohner und die Polizei schaute öfter mal vorbei. Ob die Regler jedoch jemals heruntergedreht wurden blieb ein Geheimnis.
Die Songwriter-Partnerschaft zwischen Rick Parfitt und Alan Lancaster dominierte "Quo", fünf der acht Tracks stammten aus ihrer Feder. Dieser Umstand ließ bei Lancaster die Sorge entstehen, die Scheibe könne einseitig ausfallen und so schlug er vor, man solle gemeinsam mit Bob Young, wie bei Roll Over Lay Down, versuchen neues Material zu schreiben. Die Resultate waren die neue Single und deren B-Seite.

Einige der Tracks zeigten QUO als totale Geradeaus-Rocker (die durch ein kurzes Drumsolo verbundenen Backwater / Just Take Me, das rasende Drifting Away und das stampfende Don't Think It Matters), während die Rossi/Young-Komposition Fine Fine Fine sich dem Album aus einer eher ungewohnten Ecke näherte. Der vorletzte Song, Lonely Man, schien sehr persönlich gehalten und die Lyrics, geschrieben von Rick Parfitt, betrafen eine Situation in seinem Leben, die er später als schreckliches Wirrwarr beschrieb. Das Stehen im Rampenlicht führte dazu, dass er sich permanent beobachtet fühlte statt, wie er sagte, selber die Umwelt zu beobachten.
Vielleicht der für die treuen Fans bedauernswerteste Fakt blieb Slow Train, welches es live nie zu einer voll ausgespielten Version bringen sollte.

STATUS QUO hatten sich technisch mittlerweile weiterentwickelt und sahen sich mit einem Publikum konfrontiert, das ihren erdigen rauen Sound über alles liebte und Neuigkeiten eher zögerlich aufgeschlossen schien. Ihre verbesserten Fähigkeiten als Songwriter drohten in einem Brachialsound unterzugehen, und mit dem Endergebnis schien kein Bandmitglied so recht zufrieden zu sein. Während Rossi es als nicht ganz ausbalanciert einstufte, schien Lancaster beunruhigt und unzufrieden wegen des Resultats.
Im Vorfeld der Aufnahmen zu "Quo" hatte man einige Songs geschrieben die später als unpassend abgelehnt wurden. Der Bassist bemerkte dazu in einem Interview, dass man mittlerweile in einem Schema steckte und die Fans erdiges, raues Material verlangten. Aufgrund des erreichten Status würde man sich nicht trauen, experimentellere Songs zumindest live vorzustellen. So lässt sich der Umstand erklären, dass auf der folgenden Tour (Special Guests: MONTROSE) lediglich Backwater / Just Take Me ins Programm genommen wurden und die Band sich ansonsten an älteres Material anlehnte, wobei besonders die Songs von "Hello!" einen großen Rahmen einnahmen.

"Quo" wurde am 3. Mai 1974 veröffentlicht und erntete durchweg schwärmerische Kritiken. Zwei Wochen darauf hatte es als zweites Album der Band die Nummer 1 der britischen LP-Charts erreicht und verbuchte Notierungen für insgesamt sechzehn Wochen. Zum Jahresende hatte es bei den meistverkauften Alben des abgelaufenen Jahres Platz 44 geschafft.
Während der restlos ausverkauften Tour, welche die Band in ihrem späteren Verlauf nach Deutschland, Skandinavien, Australien, Kanada und erneut in die USA führte, wurde einer ihrer Auftritte in der Londoner Wembley Arena gefilmt und die Gesamtlänge später auf 25 Minuten geschnitten. Der Kurzfilm "Status Quo at Wembley" enthält die Songs Big Fat Mama, Backwater, Just Take Me, Roll Over Lay Down und Don't Waste My Time und kam im Juni 1975 als Vorfilm in die Kinos, wo er zur Einleitung für den Film "Rory Gallagher Irish Tour" eingesetzt wurde.

"Quo" ist ein Album, das gewiss auch als Hardrock-LP durchgehen kann. Sicherlich ist der Boogie-Faktor unüberhörbar, jedoch gegenüber "Piledriver" und "Hello!" noch eine Spur heftiger ausgefallen. Wenn es überhaupt Vergleiche geben kann, dann vielleicht mit dem Album "Fool For The City", das ihre Landsleute FOGHAT im Folgejahr veröffentlichten und besonders in den USA einen Megaseller landen konnten, der STATUS QUO dort nie gelingen sollte. Boogierock der heftigen Sorte ließ beide Alben zu Meilensteinen des harten Rocks werden.

Mein nach dem ersten Hören gewonnener Eindruck hat mich bis heute nicht verlassen. "Quo" fällt mir u.a. immer wieder durch seinen eigentümlichen Sound auf. Man hatte sich ein wenig von "Hello!" entfernt, das Album klingt "heller", gleichzeitig jedoch auch schroff, trocken, knallig... und hart!
Der Opener Backwater ist auch heute noch (sofern man ihn ab und an spielt) live ein ziemlicher Abräumer. Mit einer regelrechten Brachialgewalt hämmert die Band in ihrem unverkennbaren Stil los. Lästermäuler reden da schon mal gerne von Grobmotorikern, die QUO-Army liebt es! Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein solcher Song heute noch geschrieben würde, und so bleibt er wohl ein Klassiker für alle Zeiten. Die schwer treibende Rhythmusgitarre bleibt unerreicht.
Der Song geht über in Just Take Me, einem sehr Drum-orientierten Titel, der ebenfalls recht heavy, allerdings einen Zacken schneller daherkommt. Man kann quasi von einem "Doppelstück" reden. Diese Variante wurde auf dem nächsten Album "On The Level" mit Little Lady / Most Of The Time ein weiteres Mal probiert und beides lässt sich mit Begeisterung auf dem zwei Jahre später aufgenommenen ersten Live-Album hören. Seit Ewigkeiten spielen QUO leider nur noch Teile dieser Live-Klassiker.
Break The Rules wurde bekanntlich seinerzeit von der Plattenfirma zur Single auserkoren. Der Erfolg gab ihr Recht, die Chartnotierungen bewiesen es und man spielt es in den letzten Jahren vermehrt bei Konzerten, nachdem Backwater aus der Setlist verschwunden ist. Im Grunde ist's nicht mehr als ein typischer QUO-Boogie mit Honky-Tonk-Piano. Wie im Jahr zuvor bei Roll Over Lay Down einer der wenigen Tracks, der alle vier Bandmitglieder und Bob Young als Komponisten aufführt.
Drifting Away lässt sich mit etwas Phantasie auch als Speed-Variante des bandtypischen Stils bezeichnen. Das Ding geht ab wie die wilde Wutz, wenn ich das hier mal so sagen darf. In einem Wahnsinnstempo rast der Songs heftigst los, alles buchstäblich mit sich reißend.
Don't Think It Matters kommt gemächlicher daher, der Faktor "Heavyness" wird hingegen noch einmal gesteigert. Das Grundriff des Tracks wird bis zum Exzess wiederholt, gewissermaßen again and again and again...
Mit Fine Fine Fine macht man einen kleinen Ausflug in Richtung County & Western und zeigt sich auch auf diesem eher ungewohnten Terrain spielsicher.
Auf Lonely Man präsentiert sich die Band mit vielen akustischen Gitarrenklängen und man bekommt es mit einem weiteren eher untypischen Song zu tun. Zuweilen entsteht bei mir der Eindruck, als hätten QUO beweisen wollen, dass man durchaus in der Lage war, qualitativ hochwertiges Songmaterial abseits der Boogieschiene zu veröffentlichen. Ab "Rockin' All Over The World" nahm diese Tendenz auch zu und führte bei vielen Fans nicht unbedingt zu Ausbrüchen reiner Freude.
Den krönenden Abschluss der Erstveröffentlichung bildete Slow Train, mit einem fast achtminütigen Feuerwerk in reinster QUO-Qualität. Tempowechsel, Gitarrenduelle, kleines integriertes Drumsolo, typisches QUO-Geschrammel (volle Kanne d-e-r Rhythmus), mehrere unterschiedliche Gesangslinien. Ein Song wie ein Denkmal. QUO total!
Der Bonus Track Lonely Night, die ehemalige B-Seite von Break The Rules, ist ein netter kleiner Shuffle mit einem Francis Rossi an den Vocals, der sich einzigartig durch den Track leiert. Ein netter kleiner Song, der sehr an die frühen (alten?) Tage von STATUS QUO erinnert und heute nahezu vergessen ist.

Rick Parfitt, der seit vielen Jahren kaum noch etwas zu den Kompositionen der Band beisteuert (löbliche Ausnahmen Little White Lies auf dem '99er Output "Under The Influence" und 2002 das geniale Creepin' Up On You, gemeinsam mit dem heutigen Bassisten John "Rhino" Edwards für "Heavy Traffic"), hatte zusammen mit dem Bassisten Alan Lancaster den Löwenanteil an den Song-Credits.
In den folgenden Jahren sollte er für einige Klassiker sorgen, von denen viele mit ihm an den Lead Vocals auch zu erfolgreichen Singles wurden. Erwähnenswert sicherlich Rain (Parfitt), Mystery Song (Parfitt, Young), Rockers Rollin' (Parfitt, Lynton), Again And Again (Parfitt, Bown, Lynton), Whatever You Want (Parfitt, Bown) und Living On An Island (Parfitt, Young).
[Letztgenanntes "Living On An Island" dürfte wohl der schlechteste Quo-Song aller Zeiten sein. Fred S.]

"Quo" sollte das letzte STATUS QUO Album werden, das recht lange Songs enthielt. Bis auf wenige Ausnahmen sollten die Tracks kürzer werden und die Band sich allmählich wandeln. Erste Anzeichen gab es bereits auf "On The Level", der endgültige Schlussstrich sollte nach "Live" gezogen werden. Doch bis dahin wurde die QUO-Army noch mit absoluten Klassikern verwöhnt...

From the makers of:

Ma Kelly's Greasy Spoon Dog Of Two Head Piledriver Hello!

Jürgen Ruland, (Artikelliste), 04.05.2005

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