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Steve Tallis

Zombi Party, Monkey Skulls And Thunderstones & Zozo

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Zombi Party
Monkey Skulls And Thunderstones
ZOZO
Steve Tallis Promo
Steve Tallis Promo
Zombi Party, Monkey Skulls And Thunderstones & ZOZO, Zombi Music, 1993, 1996 & 1999
Zombi Party
Steve Tallis Vocals, Guitar
Evan "Stickman" Jenkins Drums
Colin Atkins Bass
Jamie Oehlers Tenor Sax
Produziert von: John Villani, Evan Jenkins & Steve Tallis
Monkey Skulls And Thunderstones
Steve Tallis Lead Vocals, 6 & 12-String Acoustic Guitar
Dave Clark Violin, Harmonica, Vocals, Rainstick
Gary Ridge Congas, Dholak, Tongue Drum, Claypot, Kanjira, Handclaps, Caxixi, Brushes, African Talking Drum, Berimbau, Cymbals, Water, Coconut, Tibetan Prayer Bowls
Stavros Ionnopoulos Guitar [New York City (Maylands) Blues]
Produziert von: Steve Tallis & John Galbraith
ZOZO
Steve Tallis Vocals, Chanting, 6 & 12-String Acoustic Guitar, Electric Guitar, Handclaps
Dave Clark Violin, Mouth Organ, Handclaps, Steel Guitar
Gary Ridge Surdo, Concert Bass Drum, Tympani, Caxixi, Metal Shaker, Kanjira, Metal Reco, Snare, Hi-Hat, Bass Drum, Telephone Book, Brushes, Splash Cymbal, Tambourine, Handclaps, Berimbau, Triangle, Percussion Loops, Agogo, Dholak, Clusters, Cowbell, Timbales
Produziert von: Gary Ridge & Steve Tallis
Länge: 59 Min 17 Sek, 62 Min 45 Sek & 71 Min 03 Sek Medium: CD

Grenzbereiche im Blues. Ein Widerspruch in sich? Nein!
Steve Tallis, Australier, ist ein Grenzfall.

Seit 1962 macht Tallis Musik. LPs, Kassetten, Singles, Videos und natürlich CDs. Er ist ein Schamane. Er ist ein Griot. Er ist Bluesmusiker.

Begriffsbestimmungen.
Griot: Wort- oder Redekünstler, der bei wichtigen Gelegenheiten wie Begräbnis, Hochzeit oder Taufe auftritt. Griots sind Musiker, Sänger, Redner, Vermittler oder Chronisten und treten auch als Sprachrohr wichtiger Persönlichkeiten auf. Herkunft: Westafrika (Quelle: www.afrika-in-bayern.de)
Schamane: Indianischer Begriff für Medizinmann, Heiler.

Steve Tallis wurde in Mazedonien, also auf dem Balkan, geboren. In seiner Musik finden sich Anklänge an uralte Musik aus Südosteuropa. In seiner Musik sind aber auch afrikanische Töne zu finden. Genau wie indianische und indische. Er kombiniert das mit traditionellem Blues. Mit Jazz. Mit Rock. Mit Cajun. Mit allem, was man sich nur vorstellen kann.

Lieber Leser, das klingt verwirrend. Ist es auch. Aber nicht, weil die Musik durch die unglaubliche Vielfalt ungenießbar wäre. Die 3 vorliegenden CDs von Steve Tallis sind verwirrend, weil sie magisch sind. Hypnotisierend und den Hörer unweigerlich in einen Sog ziehen, der sehr schwer in Worte zu fassen ist.
Wir reden von Voodoo.

Ich werde mich nicht über Voodoo auslassen. Zu viele Unwahrheiten, Halbwissen und dumpfe Vorurteile sind damit verbunden. Deswegen nochmals ein Zitat aus www.afrika-in-bayern.de:
"Das Wort Voodoo stammt aus Togo: Ewe wudu bedeutet Schutzgeist, aber auch Gott. Voodoo verbindet Elemente des Katholizismus mit Stammesreligionen aus Westafrika (besonders Benin). In den Voodoo-Kulten wird ein höchster Gott Bondye (französisch Bon Dieu: der gute Gott) verehrt. Daneben existieren jedoch weitere Götter, so u.a. der Vermittler zwischen Göttern und Menschen Legba, der Fruchtbarkeitsgott Damballah (Schlange) und seine Gattin Ayida-Weddo, die Regenbogengöttin ("Herrin der Himmelsschlange"). Außerdem existiert im Voodoo ein ausgeprägter Ahnen- und Totenkult. Auch Geister, die so genannten Loa oder Orixa, werden angebetet. Loa variieren je nach Region. Bei ihnen handelt es sich um afrikanische Götterwesen, denen die Züge katholischer Heiliger oder auch Engel übertragen wurden. Weitere katholische Elemente des Voodoo sind Kerzen, Glocken, Kreuze, Gebete, das Taufritual sowie das Schlagen des Kreuzzeichens. Zu den afrikanischen Kultelementen gehören Tanz, Trommeln, der Zombie-Glaube und die Verehrung der Ahnen. Voodoo-Zeremonien werden von einem Priester, dem so genannten Houngan, geleitet oder von einer Priesterin, die Mambo genannt wird. Während des Rituals rufen die Gläubigen durch Trommeln, Tanzen und Singen die Loa herbei, damit sie von den Tänzern Besitz ergreifen. Jeder Tänzer verhält sich dann in einer für den Geist typischen Weise. Während sich der Tänzer in Trance oder Ekstase befindet, vollzieht er Heilungen und erteilt Weisungen. Man unterscheidet weißmagische (Umbanda) und schwarzmagische (Quimbanda) Riten. Bei blutigen Zeremonien werden Tiere geopfert (die vorher ihr "Einverständnis" gegeben haben müssen), um schwarzmagische Einflüsse zu brechen oder Gottheiten zu besänftigen. Praktiziert wird Voodoo heute vor allem in Haïti, aber auch in Kuba, Trinidad, Brasilien und dem Süden der USA (Bundesstaat Louisiana)."

Zur Musik.
Die erste offizielle CD-Veröffentlichung von Tallis war das Album "Zombi Party" von 1993. Die Band ist ein klassisches Trio plus der Saxophonist Jamie Oehlers.
Die CD nur als Rock oder Blues zu bezeichnen wäre falsch. Natürlich sind Stücke wie A Woman Is A Secret, Misquotes oder In The Lonely Hours Of The Spirit Rockmusik. Tallis' Gesang erinnert mich stellenweise an einen gemäßigten Roger Chapman, aber dann kommt immer wieder ein Einwurf des Saxophonisten, der meilenweit von konventionellem Rock & Roll entfernt ist. Freestylern wie John Coltrane würde ich so etwas eigentlich zuschreiben. Lange Improvisationen, gesprengte Songstrukturen, beschwörende (instrumentale) Formeln, wichtige Texte des Songwriters Tallis. Doch plötzlich findet man sich dann aber doch wieder in einem marschierenden Rocksong.

"Zombie Party" ist vom Cover bis zum Ende der CD faszinierend, nicht leicht anzuhören, intensiv, verstörend, schön, schaurig. Und die Aufnahmen wurden in nur 15 Stunden live eingespielt. Man hört das nicht, der Sound ist phantastisch.

Am 13.12.1996, einem Freitag, wurde die nächste CD aufgenommen.
"Monkey Skulls And Thunderstones" hat ein anderes Konzept. Kein Saxophon mehr, dafür akustische Gitarre, Violine und viele exotische Percussioninstrumente. Eine indische Trommel namens Dholak, eine Kanjira, Besen, Talking Drum, tibetanische Gebetskugeln, eine afrikanische Rassel (Caxixi), die Berimbau aus Brasilien.

Durch die sparsame Instrumentierung tritt Steve Tallis noch stärker als Singer/Songwriter in den Vordergrund. Aber es tritt auch noch stärker die bluesige Seite hervor.
Insgesamt 7 Songs von Huddie William Ledbetter, besser bekannt als Leadbelly, interpretiert Tallis auf diesem Album. Stripped to the bone-Blues mit akustischer Gitarre, Violine, Harmonica und den genannten Percussiongeräten.

Und wieder ein Faszinosum: Es funktioniert!

Ich weiß nicht, aus welchem Jahr Leadbelly's Looky Looky Yonder stammt, er starb 1949, aber der Transport in unsere Zeit hat funktioniert. Oder handelt es sich nicht um unsere Zeit? Vielleicht eher eine "Zwischenzeit", ein Universum, das sich uns nur noch nicht erschlossen hat?
Ähnlich die Interpretation von Tom Waits' Way Down In The Hole. Es ist keine Coverversion. Tallis hat sich den Song zu Eigen gemacht. Er hat ihn adoptiert, es ist ein neu entstandenes Werk.

Wenn Gitarre und Violine bei Be The Echo Of My Cry plötzlich an Zigeunermusik erinnern, in Screaming purer Acoustic Rock intoniert oder mit On A Monday Country Blues a capella vorgetragen bzw. bei Rock Isand Line gospelähnliches gesungen wird, hat man zwischendurch einen Eindruck von Leichtigkeit und Normalität. Aber spätestens beim langen Lying With The Worms ist das sofort wieder vorbei. Geheimnisvolle, mystische Töne und Geräusche, ein beängstigender, beschwörender Text.

Noch mal: Ich will hier nicht interpretieren, dafür fehlt mir der Hintergrund, das Wissen. Aber diese Musik KANN niemanden kalt lassen. Ich habe beim Hören eines Nachts das Licht angeschaltet. Mir war unwohl und ich hatte das Gefühl nicht alleine zu sein. Ich war alleine...

Für mich ist "Monkey Skulls And Thunderstones" eines der besten akustischen Alben überhaupt. Nichts ist vorhersehbar, ständig wird man überrascht und verblüfft. Auch von Schauern, Zweifeln und Fragen wird man geplagt. Auch bei der finalen Version von Black Betty. Nur ein Mann und seine Stimme.

Von australischen Magazinen wurde "ZOZO" 1999 zum Bluesalbum des Jahres gewählt.
Das hat seine Berechtigung wenn man unbedingt eine Schublade für diese CD finden möchte.

1997 war Tallis in Indien und viele dieser Einflüsse sind auf diesem Meisterwerk zu entdecken. Steve selbst bezeichnet seine Musik als "...my kind of blues - blues from the Maylands delta...".
Das muss man so stehen lassen. Denn rational kann man dieses Album ansonsten nicht erfassen.

Die Langzeitbegleiter Gary Ridge und Dave Clarke sorgen wieder mit unendlich vielen Instrumenten für die musikalische Untermalung. Mandoline, Violine, die besagten Trommeln und andere Percussion prägen die CD.
Noch mehr allerdings prägt Tallis alles. Der Gesang eindringlicher denn je, die Texte "gefährlicher" als früher, die Stimmung noch intensiver. Es ist ein Trip in eine Welt des Schamanen, des Voodoo-Mannes. Wer bei Cut Your Mouth Out Mama nicht größten Respekt - vor dem was um ihn herum und mit ihm passiert - bekommt, hat ein echtes Verständnisproblem. Selbst die an sich harmlose Gibson SG produziert (angenehmes?) Erschrecken.

Außer einem Traditional (Big Boat Up The River) gibt es diesmal nur Eigenkompositionen. Aber was für welche. Kurze, beschwörende Songs, die wie für ein Ritual geschaffen klingen wechseln ab mit langen Interpretationen von Blues. Man verliert sich (als Hörer) in den einfachen aber wirkungsvollen Kompositionen. Man erkennt irgendwann nicht mehr das Ende und den Anfang einzelner Lieder. Es ist ein großer Flow, der einen mit sich trägt. Aber wohin? Man kann auch nicht ausmachen, woher die Faszination kommt. Die zwölfsaitige Gitarre, die Trommeln, die Violine, die Stimme, die Texte?

Die CDs von Steve Tallis und seinen SUICIDE GHOSTS sind (noch) nicht in Deutschland erhältlich. Leser mit Mut auf Neues sollten sich beeilen um Steve zu entdecken. Bevor er Euch entdeckt...

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 28.08.2002

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