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Stevie Ray Vaughan And Double Trouble

Live At Montreux 1982 & 1985

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Live At Montreux 1982 & 1985
Live At Montreux 1982 & 1985, Epic/Legacy Recordings/Sony Music Entertainment, 2004
Stevie Ray Vaughan Guitar, Vocals
Tommy Shannon Bass
Chris Layton Drums
Reese Wynans Organ (1985)
Gast:
Johnny Copeland Guitar, Vocals (1985)
Produziert von: Michael B. Borofsky & John Jackson (DVD), Bob Irwin (Audio) Länge: ca. 190 Min Medium: Do-DVD
DVD 1 - 17.07.1982:
1. Hide Away5. Love Struck Baby
2. Rude Mood6. Dirty Pool
3. Pride And Joy7. Give Me Back My Wig
4. Texas Flood8. Collins Shuffle
DVD 2 - 15.07.1985:
1. Scullte Buttin'8. Look At Little Sister
2. Say What!9. Voodoo Child (Slight Return)
3. Ain't Gone 'N' Give Up On Love10. Texas Flood
4. Pride And Joy11. Life Without You
5. Mary Had A Little Lamb12. Gone Home
6. Cold Shot13. Couldn't Stand The Weather
7. Tin Pan Alley (aka Roughest Place In Town)

Man muss kein Stevie Ray Vaughan Fan sein, um sich verblüfft die Augen zu reiben, wenn man das Konzert vom 17. Juli 1982 in Montreux anschaut bzw. anhört. Das Publikum buht sich die Seele aus dem Leib!
Ich bin auch schon aus Konzerten oder Theatervorstellungen verschwunden, wenn es mir zu blöd wurde. Aber wie von Sinnen buhen? Wie borniert muss ein Publikum sein, um jemanden - der in aller Regel alles gibt was er kann - einfach niederzubrüllen? Überlegung 1: Was da auf der Bühne passiert, verstehe ich nicht oder gefällt mir nicht, könnte aber etwas mit Kunst zu tun haben, also geh ich lieber.
Überlegung 2: Der/die da oben können es nicht besser, legen aber trotzdem alles was sie haben in die Performance. Ergo: Gehen oder Respekt zollen für den Versuch.
Überlegung 3: Da stehen indisponierte/gelangweilte/schlechte Künstler und zocken nur ab. Was tun? Vorher nachdenken und gar nicht erst hingehen oder sich verziehen und nie mehr einen Gedanken und Cent an solche Leute verschwenden. Wenn's ganz übel wird, kann man sein Missfallen durchaus äußern, aber mal ehrlich, wie oft kommt das vor?

Stevie Ray Vaughan & Double Trouble haben aber keinen schlechten Auftritt im Juli 1982 in Montreux abgeliefert! Gelangweilt war dieser Mann in der Frühphase seiner Karriere sowieso nicht, indisponiert ebenfalls nicht (ich habe auch nie von solchen Auftritten von ihm gehört - auch wenn Tommy Shannon auf seiner Website von massiven Drogenproblemen berichtet), schlecht schon gleich gar nicht - was für eine lächerliche Vorstellung bei einem Künstler dieses Kalibers. Bleibt wirklich nur die völlige Arroganz des bildungsbürgerlichen Festivalpublikums in Montreux. Was für ein ekelhaftes Pack. Ich hoffe, den Buh-Rufern treibt es noch heute die Schamesröte ins Gesicht. Es soll Euch peinlich bis ins Grab sein!

Ich war nie der größte SRV Fan der Welt, den vielen Freaks unter unseren Lesern sind die Aufnahmen dieser Konzerte sicher längst bekannt. Deswegen sei zum eigentlichen Konzert nur so viel gesagt, dass die Band im Trioformat grundsoliden Bluesrock ablieferte, dass Stevie Ray (natürlich) ein begnadeter Gitarrist war und die drei sich bis aufs Blut auf der Bühne schafften. Beim Abgang von der Bühne standen ihnen dann auch das Entsetzen und die Fragezeichen dick im Gesicht. Ein unglaublicher Vorgang.

Drei Jahre, hunderte Auftritte und einige Platten später, erlebten Vaughan & Band die Rehabilitation. Inzwischen war Reese Wynans als Keyboarder in der Band und das war exakt der richtige Schritt. SRV konnte sich endlich auch einmal etwas zurücknehmen, musste nicht mehr alles eigenhändig zuspielen. Kurz gesagt war DOUBLE TROUBLE vom Soloact zu einer richtigen Band geworden. Sehr auffallend ist auch die Veränderung beim Drumming von Chris Layton: Weg vom Schunkelblues, hin zum Rock.
Erst jetzt kamen die unglaublichen Fähigkeiten des Stevie Ray Vaughan richtig zur Geltung. Er war in diesen Jahren die Lichtgestalt des Bluesrock, da gibt es keinen Zweifel. Dass sich bis heute Millionen Gitarristen genau seinen Sound zum Vorbild nehmen, dürfte alle Zweifel beseitigen. Dass in meiner persönlichen Hall of Fame andere vor ihm stehen, ist mein Problem. Er war halt ein Stratocaster-Mann. Für Voodoo Child wechselt er kurzzeitig die Marke und schon klingt er auch in meinen Ohren nur noch einzigartig und genial.
Von seiner individuellen Fertigkeit einmal völlig abgesehen: Was für eine Version dieses Göttersongs. Ich bin sicher, er und Jimi jammen öfter gemeinsam und haben inzwischen aus dem alten Ding etwas völlig neues gemacht. Musik, von der wir überhaupt noch keine Ahnung haben. Alle Hendrix- und Vaughan Epigonen sollten sich (und mir) viel Zeit ersparen und dieses Lied einfach nicht mehr nachzuspielen versuchen.

Bei drei Nummern ist Johnny Copeland mit auf der Bühne. Der hat seinen Chuck Berry gut gelernt und macht, trotz etlicher falscher Töne, einen guten Eindruck und passt auch zu diesem Konzert wunderbar. Wenn diese beiden Könner sich den Boogie zuspielen, bleibt kein Auge trocken. Vaughan (mit unfassbarem Polarfuchsschwanz am Hut), Copeland (mit unfassbarem Schweißausstoß) und Wynans (mit unfassbar biegsamen Fingern) geben mit Tommy Shannon (ex Johnny Winter Band) und Layton die perfekte Rockband. Punktum.

Bisher nicht erwähnt: Die Magie des Mr. Vaughan als Frontman. Er singt und schreit und biegt sich, spielt die Gitarre hinter dem Rücken, zeigt Zauberkunststücke wie kaum ein anderer und bringt auch noch satte Patzer zu einem guten Ende. Er vergisst auch nicht zu erwähnen, dass er drei Jahre vorher an gleicher Stelle ausgebuht wurde. Es konnte ihm nun egal sein, er hatte Millionen Platten verkauft, einen Grammy erhalten und bei diesem unglückseligen Konzert 1982 hatte er David Bowie und Jackson Browne kennen gelernt. Was daraus entstanden ist, weiß man entweder oder liest es im informativen Booklet dieser magischen DVD nach. Bild und Ton (im 5.1 Modus besonders) sind absolut perfekt - noch mehr, wenn man bedenkt, dass die Aufnahmen 19 bzw. 22 Jahre alt sind.
Ein Muss!

Format: AC-3, PAL
Stereo & Dolby Surround 5.1
Sprache: Englisch
Kein Ländercode
Extra: Discographie

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.12.2004

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