HoR Logo kl CD-Review:

Marc Bolan

T. Rex

Born To Boogie

The Soundtrack Album
Logo Home-of-Rock
Startseite > CD-Reviews > T. Rex > Born To Boogie - The Soundtrack Album

Born To Boogie - The Soundtrack Album
Born To Boogie - The Soundtrack Album, Sanctuary Midline, 2005
Marc Bolan Vocals & Guitars
Mickey Finn Percussion, Vocals
Steve Currie Bass
Bill Legend Drums
Gäste:
Ringo Starr & Elton John
Produziert von: Tony Visconti Länge: 115 Min 57 Sek Medium: Do-CD
CD 1. The Motion Picture Soundtrack:
1. Intro11. 'Some People Like To Roll' (Marc & Ringo)
2. Jeepster12. Cosmic Dancer
3. Baby Strange13. 'They've Come, Tis Said'
4. 'Electric Wind' (Poem)14. Tea Party Medley: Jeepster/Hot Love/Get It On/The Slider (Marc & String Quartet)
5. Tutti Fruitti (Elton, Ring & T. Rex)15. 'Union Hall' (Poem)
6. Children Of The Revolution (Elton, Ring & T. Rex)16. Hot Love
7. 'Look To The Left' (Marc & Ringo)17. Get It On
8. Spaceball Ricochet18. Children Of The Revolution - Reprise
9. 'Some People Like To Rock' (Marc & Ringo)19. BBC Interview with Marc Bolan (late 1971)
10. Telegram Sam
CD 2. T. Rex In Concert, 18th March 1972:
1. Rosko's Intro (Emperor Rosko)7. Cosmic Dance
2. Cadilac8. Telegram Sam
3. Jeepster9. Hot Love
4. Baby Strange10. Get It On
5. Spaceball Ricochet11. 'Just One More?' (Emperor Rosko)
6. Girl12. Summertime Blues

Mal Hand aufs Herz, wer wusste von der Existenz eine Konzertfilms namens "Born To Boogie" mit Marc Bolan und T. REX aus dem Jahr 1972? Eine all zu große Bildungslücke dürfte das aber nicht sein, denn der Film lief wohl nie in deutschen Kinos und selbst in England hielt sich der Erfolg in engen Grenzen. Der Film verschwand alsbald und verstaubte über dreißig Jahre lang in irgend einem Londoner Lagerhaus. Mitsamt Tonnen Extra-Material, den (für damalige Zeiten) aufwändigst aufgenommen Tonspuren und sämtlichen Erinnerungen der Beteiligten. Marc Bolan war fünfeinhalb Jahre später tot und die Welt wandte sich wichtigeren Dingen zu. Weil heutzutage aber alles wieder ausgegraben und neu veröffentlicht werden muss, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch dieses Werk wiederentdeckt wurde. Erhöhte Vorsicht wegen Recycling antiquierten und minderwertigen Schunds also?

Die Geschichte von Marc Bolan hat Jürgen Ruland in seiner zweiteiligen Serie über die Phänomene des Glamrock ausführlich geschildert. Bolan war im Laufe des Jahres 1971 auf der Insel zum Superstar geworden und tummelte sich mit diversen Singles ununterbrochen in den Charts. Er war ein Popstar, schrill, laut und nicht von Minderwertigkeitskomplexen geplagt, sah sich durchaus auf Augenhöhe mit Legenden wie den STONES, BEATLES ("We've done in a year what took the Beatles four years") oder Dylan und war vermutlich nicht die Bohne verwundert, als ihm Ringo Starr Ende '71 den Vorschlag für einen Film über T. REX machte. Nur die Besten für den Besten.
Mr. Starkey hatte nach dem Ende der BEATLES Langeweile und frönte seinem Hobby Film ausgiebig, trat hier und da als "Schauspieler" auf und gab gern seine reichlich vorhandene Kohle für seltsame Projekte aus (bezeichnend dafür ist beispielsweise die unfassbar blöde und dennoch brüllend lustige Höhlenmenschen-Komödie "Caveman" von 1981). Wie den tollen Booklets zu CD/DVD zu entnehmen ist, war in diesen frühen Jahren Federico Fellini ein gern genommenes Vorbild für Ringo und Marc. Der konnte schließlich auch nicht Schlagzeug spielen...

Anders als bei den meisten Soundtracks, kann/muss man "Born To Boogie" zweigeteilt sehen. Auf der einen Seite der Film (der später besprochen wird) und auf der anderen Seite die Musik.
Viele Rockmusik-Dokumentationen haben bekanntlich nicht funktioniert. Beispielsweise LED ZEPPELINs Monumentalwerk "The Song Remains The Same" ging auf beiden Ebenen in die Hose. Mittelmäßige Konzertausschnitte plus fragwürdige bildtechnische Umsetzung ergab ein zweifelhaftes Vergnügen - Besitzer von Bootlegs konnten sich an meilenweit besseren Konzerten erfreuen. Vom BEATLES-Totalausfall "Magical Mystery Tour" (an der Ringo Starr natürlich ebenfalls maßgeblich beteiligt war) braucht man sowieso nicht zu sprechen.
"Born To Boogie" hingegen hat ganz anderes Format. In erster Linie muss man feststellen, dass es sich bei dieser Doppel-CD um den vermutlich ersten (!) qualitativ relevanten Livemitschnitt dieser Band handelt. Bisher erschienene CDs wie "Live At The Boston Gilderdome 72" und sämtliche mir bekannten Bootlegs sind klanglich unterirdisch (die offizielle LP "Live 1977", aufgenommen allerdings 1974, ist mir nie in die Hände gefallen). Zweitens wurde ein komplettes Konzert und nicht Zusammenschnitte verschiedener Auftritte restauriert. Drittens, und am wichtigsten, ist, dass "Born To Boogie" eine Band auf ihrem/einem Höhepunkt zeigt und ein Bild vermittelt, das so manches seit Kindertagen bestehendes Vorurteil ausräumt.

Die beiden CDs bestehen aus dem Soundtrack zum Film und, auf CD 2, dem kompletten Konzert vom 18. März 1972 (richtigerweise muss man sagen, dass es sich um das zweite Konzert dieses Tages handelt, denn Stunden vorher gab es bereits eine Warm-Up Show). Damals wie beim vorliegenden Remaster war Superproduzent Tony Visconti für den Sound verantwortlich und das Ergebnis ist auch aus heutiger Sicht sensationell (Bowie, THIN LIZZY, MOODY BLUES, natürlich die Studioplatten von T. REX und unzählige andere wurden von ihm produziert).
Den Hauptanteil haben natürlich Bolan und seine Band, die vom Startschuss an Geschichte zurechtrücken. Wer nämlich T. REX als ausschließlich schrill kreischende Teenie-Glamrock-Kapelle in Erinnerung hat, darf sich hier vom genauen Gegenteil überzeugen lassen.

T. REX präsentierten sich, trotz anhaltendem Gekreische der aufgebrachten Mädels im Publikum, als tight und gefühlvoll groovende Band, die sogar 0,0% Resthirn fordernde Mitstampfhits wie Hot Love oder Get It On zu veritablen Rocknummern machen konnte. Keine übersteuerten Quietschorgien, keine effekthascherischen Soundspielereien, einzig ein reichlich schräges Gitarrensolo bei Hot Love, Bolans Charisma als Sänger und ein entfesselnd perkussionierender Mickey Finn machten aus den Chartbubis eine ernsthafte Rock & Roll Band. Bolan war in der Tat "Born to boogie".
Selbstverständlich waren seine Gitarrenkünste begrenzt und Bill Legend und Steve Currie an Schlagzeug und Bass waren niemals des Virtuosentums verdächtig, aber in diesem erleuchteten Moment waren T. REX mühelos mindestens auf einer Ebene mit deutlich höher eingestuften Bands wie zum Beispiel MOTT THE HOOPLE. Folgerichtig gab es als Zugabe den Summertime Blues und T. REX mussten sich nicht hinter dem großen Vorbild THE WHO verstecken. Keith Moon betätigte sich übrigens bei der Filmpremiere im Dezember '72 als Partyanimateur.
Zwischendurch gab es mit Spaceball Ricochet (vom vier Monate später veröffentlichten Album "The Slider"), Girl und Cosmic Dance (beide von "Electric Warrior", 1971) einen Akustikteil, nur von Bolan auf der Gitarre gespielt.
Ein großartiges und retrospektiv betrachtet legendäres Konzert.

CD 1 ist der eigentliche Soundtrack zum Film. Die Songs sind weitgehend identisch mit dem Konzert, werden aber für den Film durch kleine Collagen, Gedichte, Blödsinnigkeiten getrennt (wirklich lustig, wie Ringo und Marc versuchen, ernsthaft den Satz "Some people like to rock" zu rezitieren). Dazu performt Bolan mit einem Streichquartett Jeepster, Hot Love, Get It On und The Slider auf der Akustikgitarre. Das ist geschmack- und humorvoll, überhaupt nicht peinlich versülzt und hätte als Vorbild für all die späteren grässlichen Rock meets Klassik Terroranschläge dienen können.
Außerdem hat man sich noch Elton John ins Studio geholt und mit ihm Tutti Fruitti und Children Of The Revolution eingespielt. Im Film erhalten diese Beiträge einen anderen Zusammenhang, auf CD ist es eine gelungene Auflockerung, die, wenigstens im Fall Children Of The Revolution, durchaus künstlerischen Wert hat.
Am Ende der CD findet sich noch ein sehr gutes BBC-Interview aus dem Jahr 1971.

"Born To Boogie" ist eine Doppel-CD, die problemlos auch in ihren beiden Einzelteilen separat bestehen könnte. Zusammen ist dieses Soundtrack Album nicht nur grandios und trotz des Alters bis heute musikalisch gültig, es widerlegt auch die gängigen Klischees und manifestierten Vorurteile gegenüber T. REX.
Ein MUSS, am besten zusammen mit der DVD. Dazu mehr demnächst in diesem Theater.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.07.2005

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:
Startseite > CD-Reviews > T. Rex > Born To Boogie - The Soundtrack Album

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum