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CD-Review:
The Barry McCabe BandwithDavy SpillaneThe Peace Within |
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Es kommt nicht sehr oft vor, dass man von einer Schallplatte sofort gefangen genommen wird und dies eigentlich nur, weil die von der Platte ausgehende Stimmung so faszinierend ist. Schließlich sprechen wir über ein kleines silbernes Ding und kein lebendes Wesen. Ja, früher, als wir noch Vinyl in den Händen hielten, geschah es manchmal, dass man den Eindruck hatte, dass die kleinen schwarzen Rillen wirklich leben, sich bewegen, verändern. Und wenn man lange genug der LP auf dem sich drehenden Plattenteller gefolgt ist, dann wusste man, an welcher Stelle der Sänger mit einem spricht, wo die Gitarre ihren Einsatz hat. Aber heute schiebt man ein seelenloses Ding in den dunklen Player und hofft, dass das Ergebnis wenigstens gute Musik ist. Wir leben in einer (musikalischen) Überflussgesellschaft. Man könnte auch sagen Überflüssigkeitsgesellschaft. Es werden CDs ohne Ende produziert, offenbar hinterfragt niemand, ob weniger manchmal mehr wäre, jeder Trend wird ausgewalzt bis er dünn wie Blätterteig ist und die Resultate auf den CDs klingen entsprechend brüchig. Inhalt und Qualität bleibt zu oft auf der Strecke und selbst Viel-Hörer und -Käufer, die seit vielen Jahren hinter guter Musik her sind, fühlen sich manchmal ermüdet und häufig enttäuscht. Irland war schon immer eine gute Adresse für Stimmung, Charakter und Ausstrahlung. Ein paar Namen, die mit der Musikgeschichte untrennbar verbunden sind und dies nicht (nur) wegen exorbitanten Verkaufszahlen, sondern weil ihr Werk wegweisend war/ist: Van Morrison, Phil Lynott, Bono, natürlich the one and only Rory Gallagher. Barry McCabe, Ire und Bluesrocker, früherer Leader der Band ALBATROSS (3 Livealben) und bekennender Gallagher-Fan, hat zusammen mit dem bekannten Irish Folk-Musiker Davy Spillane (zu hören u.a. auf Platten von: Kate Bush, Bryan Adams, Elvis Costello, Maire Brennan, Emmylou Harris, Van Morrison, Sinéad O'Connor, Gary Rafferty, Chris Rea und vielen anderen), einem der anerkannt besten Uilleann Pipe- und Low Whistle-Spieler, im Jahr 1998 diese CD aufgenommen. Dahinter sorgt die BMC Band plus einige Gäste für den nötigen Druck. Die Uilleann Pipe ist die irische Version des Dudelsacks und die Low Whistle ist eine Flöte. Nach dem kurzen Low Whistle-Intro zieht einen zuerst der schiebende, drückende Blues One Of These Days in seinen Bann. Absolut herausragend ist die Hammond von Keyboarder Peter Bogert. Im Zusammenspiel mit der Uilleann Pipe, die nicht dominierend ist, erreicht das Stück eine Intensität, die man einem solchen, eigentlich klassisch konzipierten Blues nicht zutrauen würde. Hinter vielen Songs dieser Erde steht "Dedicated to ...". Meistens sind verstorbene Musiker, Mütter oder Hunde gemeint. Hinter The Emigrant steht "dedicated to Rory Gallagher". Und ich glaube nicht, dass es irgendwo einen schöneren Tribut an Rory gibt. Flöte, Keyboard und akustische Gitarre zaubern in diese 4 Minuten so viel Schwermut, Sehnsucht und gleichzeitig Hoffnung (auf ein Wiedersehen?), dass man vor Ergriffenheit beinahe ein Tränchen verdrücken könnte. Der Ire wäre nicht Ire, wenn er nicht gleich anschließend fragen würde: "Are you ready boys?". Und dann kommt ein rockender und rollender Boogie, der seinesgleichen sucht. The Peace Within hat gleichzeitig eine hinterfragende Botschaft. "What's right for you, what's right for him, what really is a sin? The only way for peace without is to find the peace within." Phil Lynott hat einige sehr schöne Balladen geschrieben. Ich weiß nicht warum, denn es gibt an sich keinen wirklichen musikalischen Grund, aber (Gotta) Let It Go erinnert mich an Thin Lizzy. Uilleann Pipes, eine schöne Melodie und ein Southern Rock-taugliches Gitarrensolo. Mehr kann man über Kissin' In You Sleep kaum sagen. Es ist die Magie des spezifischen Gitarrensounds von Barry auf diesem Album und die ungewohnte Klangfarbe des Dudelsacks, die solche Nummern aus dem Meer guter Songs auftauchen lassen. Beim Standardblues You Don't Love Me ist es zur Abwechslung die Hammond, die einfach mehr daraus macht, als eben nur eine weitere Version. Wer kennt Giorgio Moroder nicht? Der "Erfinder" des so genannten Munich Disco Sounds (es gibt tatsächlich noch mehr Dinge außer Moosi und dem Kaiser, auf die wir Münchner nicht stolz sein können), der "Schöpfer" von Donna Summer (Love To Love You Baby) und Komponist vieler Soundtracks ("Flashdance", "American Gigolo" etc.). Noch eine Coverversion: Oh Well, die alte Peter Green-Nummer. Fängt originalgetreu an, die Gitarre rockt und der Zug kommt in Fahrt. Aber dann tauchen wieder die Uilleann Pipes von Davy Spillane auf und man hat einen vorher nie gehörten Eindruck dieses, inzwischen doch recht oft strapazierten Jahrhundertsongs. Das Low Whistle-Outro beschließt diese einmalige CD. Ein Meisterwerk! Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 13.07.2002
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