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Love

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Love
Love, EMI Records/Apple, 2006
John Lennon
Paul McCartney
George Harrison
Ringo Starr
Additional Music:
George & Giles Martin String Arrangements & Recording
Produziert von: George & Giles Martin Länge: 78 Min 53 Sek Medium: CD
1. Because14. Within You Without You / Tomorrow Never Knows
2. Get Back15. Lucy In The Sky With Diamonds
3. Glass Onion16. Octopus's Garden
4. Eleanor Rigby / Julia (Transition)17. Lady Madonna
5. I Am The Walrus18. Here Comes The Sun / The Inner Light (Transition)
6. I Want To Hold Your Hand19. Come Together / Dear Prudence / Cry Baby Cry (Transition)
7. Drive My Car / The Word / What You're Doing20. Revolution
8. Gnik Nus21. Back In The U.S.S.R.
9. Something / Blue Jay Way (Transition)22. While My Guitar Gently Weeps
10. Being For The Benefit Of Mr. Kitei / I Want You (She's So Heavy) / Helter Skelter23. A Day In The Life
11. Help!24. Hey Jude
12. Blackbird / Yesterday25. Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (Reprise)
13. Strawberry Fields Forever26. All You Need Is Love

Es weihnachtet und da muss mit den BEATLES mal wieder Kasse gemacht werden. Mit dem alterspeinlichen McCartney und seiner gruseligen Scheidungsgeschichte geht das nicht, mit seiner aktuellen Selbstbeweihräucherungs-DVD allenfalls bedingt (was natürlich immer noch mehr Umsatz als bei 99% aller anderen Künstler generiert), also muss altes Zeug herhalten. Diesmal aber nicht in Form einer Best of Greatest Hits plus Bonussong aus dem Rattenkeller, sondern in Form von Bastard-Pop. Da hat einer remixt, Songs auseinandergerissen und wild neu zusammengesetzt, Streicher und sonstiges Kroppzeug dazugebastelt, Collagen eingefügt. Und das alles für eine Zirkusaufführung in Las Vegas. Ist das grausam, Beatlesfan*? Jaaa, das ist grausam schön!

George und Giles Martin stehen als Produzenten im Booklet. Der eine ist 81 und dem Vernehmen nach noch tauber als Pete Townshend von den WHO, der andere ist sein Sohn. Tja nun, war George vor 40 Jahren der Meister, ist es heute Giles. Er, und nur er, hat aus den alten BEATLES die BEATLES für heute und morgen und die nächsten 478 Jahre gemacht. Da kann die Fraktion der Traditionalisten heulen und jammern wie sie will, wer all diese Songs nicht nur retrospektiv und museal hören will, muss sich damit abfinden, dass man aus den Masterbändern von annodunnemal mit seriöser Arbeit noch so viel herausholen kann, dass man an den Genie- und Kommerzstreichen der originalen Vier auch als nie rastender Beobachter des zeitgenössischen Musikkosmos selbst in Hey Jude noch bisher unerhörte Dinge entdecken kann. Verdammt nochmal, vielleicht sind das hier sogar genau die Mixe, die John Lennon sich im Jahr 1969 gewünscht hätte, wenn die technischen Möglichkeiten es hergegeben hätten?
Fakt ist, die vier Musiker/Witwen haben dem Projekt zugestimmt, und es wäre albern zu behaupten, dass dies aus finanziellen Gründen erfolgte. Bitte, wenn jemand (monetär) satt ist, dann diese Menschen. Natürlich schützt auch unendlicher Reichtum nicht vor weiterer Gier, aber hier dürften die Gründe anders liegen, im allerschlimmsten Fall ist es den Hinterbliebenen einfach beepbeepmhbeepbeepyeah-scheißegal, was mit dem alten Liedgut angestellt wird, wahrscheinlicher ist allerdings, dass Ringo Starr einfach Spaß daran hat, sein Drumming endlich so geil nach vorne gemischt zu hören - der Konsument auch! - und George Harrison greift mit While My Guitar Gently Wheeps mindestens noch mehr ans Herz als zuvor. Here Comes The Sun und weiterhin viel Spaß auf der Wolke da oben.

Dem Käufer dieser CD bleibt eines erspart: die zugehörige Zirkus-/Musicalaufführung des ansonsten seit vielen Jahren wundervollen Cirque de Soleil sehen zu müssen. Giles Martin hat nämlich keine entsprechende Tanzshow- und Körperverbiege-Bearbeitung vollzogen, er hat im Gegenteil größtenteils die progressive Seite der Band herausgearbeitet. "Love" klingt in keinem Moment nach Las Vegas (wo die Show stattfindet), nur manchmal nach Zirkus - aber tat das Sgt. Pepper nicht schon immer? -, macht im Gegenteil die BEATLES mehr denn je zur 'Pop-Band des Jahrtausends'. Hmmm, des letzen Jahrtausends? Ne, aller Jahrtausende! Da kann man STONES-Fan sein wie man will, der Pop-Thron gehört Lennon (und ein bisschen McCartney *hüstel*).
Martin hat die Songs feinsäuberlich seziert - er hatte die Masterbänder zur Verfügung - und die Gliedmaßen mit Anstand und Respekt auf die alten Körper transplantiert. Zwar zum Teil gemischt, sprich manchmal ragt Ringos Bein etwas verwirrend in Johns Gesichtsfeld und Pauls Nase klimpert hin und wieder an der "falschen" Stelle aufs Klavier, aber das ist mit so viel Lust geschehen, dass man immer wieder zum Original greifen muss, um den Unterschied festzustellen.

Liebe Kinder, hier könnt ihr was lernen und noch dazu euren Eltern eine Freude machen. Wetten, dass die hysterischen Schreie für die meisten nachgekommenen Kapellen danach verstummen? Vielleicht steigt auch der Respekt vor Knöpfchendrehern wie Giles Martin - auch wenn ein Gnik Nus dabei herauskommt. Und hoffentlich löst diese CD keinen Trend aus, nämlich den, dass irgendwelche sich berufen fühlende Menschen plötzlich am Vermächtnis von Elvis, Jagger und Richards oder Dylan herumfummeln. Zu befürchten wäre das, denn THE BEATLES haben schon immer Zeichen gesetzt. Und niemand hat so unvergleichlich die Revolution gerockt.

* Das Wort 'Beatlesfan' wird von keinem Rechtschreibprogramm als falsch erkannt. Der Beatlesfan ist also ein stehender Begriff und damit existent. Den Merkelfan gibt es nicht. Gehet hin und wählet unchristlich und beatleesk...

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 17.12.2006

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