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| Smorgasbord, Karisma Records, 2009 |
| R. Edwards (Rolf Edvardsen) |
Vocals, Guitar |
| Erling Halsne Juvik |
Guitar |
| Biff (Truls Eriksen) |
Bass |
| Thomas Grønner |
Drums |
| Øyvind Grønner |
Keyboards |
| Produziert von: H.P. Gundersen |
Länge: 55 Min 06 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Medic | 7. Thin Air |
| 2. Godspeed Mother Earth | 8. Animal Riot Hill |
| 3. Happy | 9. Spain |
| 4. The Great Yeah | 10. Strings To The Bow |
| 5. I Don't Mind | 11. Crazy Rainbow |
| 6. Sanctimonious High | 12. A Hill Of Beans |
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Seit dem bezaubernden Album "Solstice" aus 2005 ist bei den freundlichen Norwegern THE BRIMSTONE SOLAR RADIATION BAND eine Menge passiert. Leider nicht viel Positives. Zwei Tourneen durch Deutschland gab es, teilweise fanden die Auftritte vor weniger Zuschauern als Musikern statt, das hebt die Laune nicht. Andererseits gab es aber auch Festivalgigs und bestens besuchte Clubkonzerte. Die CD-Verkäufe waren gemäß eigener Aussage miserabel und am Ende gab es grundsätzliche Überlegungen, ob es denn noch Sinn hätte. Dank der Kulturpolitik Norwegens und ein paar anderen glücklichen Umständen kam die Band zu einer Art Stipendium und konnte 2009 die bereits aufgenommene neue CD "Smorgasbord" mitsamt Videoproduktion bezahlen und mit neuer Plattenfirma promoten und vermarkten.
Seit Herbst letzten Jahres erschienen denn auch viele Besprechungen des Albums, aber irgendwie scheint der Funke zwischen den Brimstones und dem (deutschen) Publikum nicht zünden zu wollen. Es passiert einfach nichts, die Band ist nach wie vor nicht in aller Munde; und in diesem Fall liegt es verdammt noch mal nicht an der Musik! Es liegt an der mangelnden Durchschlags- und Überzeugungskraft von Onlinemagazinen, die zwar gerne als kostenlose Informationsquelle herangezogen werden, aber beim nächsten Klick gehen leider viel zu viele Konsumenten nicht zum seriösen Onlineshop, sondern zur illegalen Downloadstation. Dies ist keine Generalverurteilung von Lesern, bewahre, aber wie könnte man sich ansonsten das desaströse Missverhältnis zwischen Leserzahlen und CD-Käufen erklären? Zigmillionen Lesern stehen an wenigen Händen abzählbare Käufer gegenüber, da muss man sich doch fragen, ob bei all den Rock-Onlinern nur Zufallsgäste herumsurfen, die eigentlich zu Philosophie.de wollten, oder doch potentielle Rockmusik-KÄUFER. Es ist wirklich ein Drama, dass Musik, auch wenn sie hochqualitativ und trotzdem absolut unterhaltend ist, allem Anschein nach keine Wertigkeit mehr besitzt. Als Schreiber wünscht man sich, dass mehr Menschen da draußen zwischen ernstgemeinten Besprechungen und den zugegeben viel zu vielen Wischiwaschi-Dampfplauderern unterscheiden und ihr Konsumverhalten nur ein klein wenig wieder so gestalten wie damals, als man am Tag nach dem Erscheinen des gedruckten Musikmagazins pflichtschuldig zum Probehören im Plattenladen stand. Heute ist es doch viel einfacher, für was geben wir denn brav die Links zu MySpace und zum nächsten Onlineshop an? *Meckermodus aus*
THE BRIMSTONE SOLAR RADIATION BAND hat sich weiterentwickelt, so muss das auch sein, denn immerhin wird ja progressive Musik geboten. Ein bisschen jedenfalls, denn in welche Richtung die Entwicklung ging, sieht man sich bitte JETZT bei YouTube an.
Fertig? Dann ist ja klar, dass die fröhlichen Norweger erstens in der "Bunten Periode" der BEATLES gelandet sind, dass man zweitens diese Band auf Anhieb mögen muss und drittens, dass Sanctimonious High ein geradezu monströser Pophit ist. Nur beinharte Todesmetaller und supersture Progheads dürften sich dem Schwung dieses Songs entziehen können. Freilich ist die Idee des Videos von "Yellow Submarine" geborgt, aber das haben schon so viele so viel weniger gelungen versucht, dass man den Brimstones beinahe einen Innovationspreis verleihen möchte. Von der hübschen "Schülerin" und der sensationellen Gitarrenlinie ganz abgesehen.
Ja, das und noch viel mehr ist THE BRIMSTONE SOLAR RADIATION BAND 2009/10, nur leider nicht vom kommerziellen Erfolg verfolgt. Dabei fügen sich in den 11 weiteren Songs die Einflüsse von FLOYD, den BYRDS und den BEATLES mit all den eigenen Ideen so ohrenfreundlich, groovig und freundlich zusammen, dass man "Smorgasbord" nur als großen Wurf bezeichnen kann.
Wie schon auf "Solstice" kommt wieder eine Armada an Saiten- und Tasteninstrumenten zum Einsatz. Da jauchzt die Harrison-Gitarre neben einer Mandoline durch Spain, da heißt eine Nummer bezeichnend Strings To The Bow und das Harmonium quäkt dazu, da ranken sich zur Sitar in Crazy Rainbow gefühlte 12 Harmoniegesänge und plötzlich knattert eine perfekte Rockgitarre daher. Mensch, diese Typen aus Bergen in Norwegen können vielleicht tolle Songs schreiben. Und Humor haben sie noch dazu, wie käme sonst eine Nummer namens Hill Of Beans zustande, auch wenn die das mit Abstand getragenste Stück des Albums ist.
Huch, wo ist denn bei all der Fröhlichkeit der Prog Rock geblieben? Er ist da, wird einem aber nicht mit aller Verbissenheit in den Schädel geprügelt, sondern schleicht sich leichtfüßig via ganz und gar sonnigen Kompositionen wie Medic ins Unterbewusstsein. Schon mal erlebt, dass man während einer Jam-Passage wie von den ALLMAN BROTHERS plötzlich freiwillig zu einem kompliziert verschachteltem puren Prog-Teil mit den Armen fuchtelt? Alles zu haben auf "Smorgasbord", dem kleinen Kaleidoskop moderner Retro-Mucke mit Hang zur großen Melodie. Programmatisch passend ist Happy, das während McCartneys WINGS-Ära zu einem Welthit geworden wäre. Aber derlei hat Paule nach den Anstrengungen um "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" ff. nicht mehr auf der Pfanne gehabt, also machen es die schwefeligen Nordlichter heute selbst (brimstone = Schwefel).
Sicherlich kommen aus der Prog-Fraktion Vorwürfe, weil die reine Lehre der progressiven Musik ignoriert wird, stimmt ja auch, The Great Yeah ist nicht der einzige Popsong auf "Smorgasbord", aber was haben denn Leute wie Manfred Mann schon vor 35 Jahren gemacht? Gnadenlos auf pures Lauschgift gesetzt und damit Millionen Schallplatten verkauft. Komm mir einer und sage, dass das schlecht war.
Der BRIMSTONE SOLAR RADIATION BAND kann man wirklich nur alles erdenklich Gute wünschen, mit "Smorgasbord" hat sich die Band nämlich endgültig einen Sonderplatz in des Schreibers Sammlung erspielt.
PS: Die Definition von Smörgåsbord findet man bei Wikipedia. Mahlzeit.
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