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CD-Review:
The O5Pretty Nonsense |
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Leser, lass nie deine - oder irgend eine - Frau an die Stereoanlage! OK, ich habe dieses Problem nicht. Das sei ausdrücklich betont! Ich staubsauge nämlich selbst! Und meine Frau steht auf Musik und außerdem kennt sie sich mit der Technik besser aus als ich. Aber da ist noch ein Weibsbild im Haus und die hat die üble Angewohnheit, ständig die blöde Shuffle-Funktion am Player zu betätigen (es handelt sich um meine Nichte, nicht dass ungehörige Fragen kommen). THE O5 kommen also an, ich kenne die Band nicht, leg sie ein und nach 60 Sekunden etwas eigenartigem Intro trifft mich schier der Schlag. Was ist denn da los? Das ist ja der uralte Schlager Wie a Glock'n die 24 Stundn läut von der Österreicherin Marianne Mendt. Dieses Lied hat mich in Kinderzeiten jahrelang im Bayrischen Rundfunk genervt, inzwischen ist es halt ein Relikt aus den frühen Siebzigern (oder war das noch in den 60ern?). Schaurig grauslig aber doch irgendwie nett. Und Marianne Mendt ist, nebenbei bemerkt, eine hervorragende Jazz-Sängerin und Schauspielerin. Auf dem Booklet steht aber als erste Nummer Pretty Nonsense. Ein Blick, ein erstickter Aufschrei, auf Stop gedrückt, Shuffle löschen und dann von Anfang an. THE O5 gibt es seit 1997, sie sind ebenfalls Österreicher, haben bereits diverse Veröffentlichungen hinter sich (u.a. den Clubsong der, ehemals, ruhmreichen Vienna) und sie haben sich der Popmusik verschrieben. Ich mag nette Popmusik und über diese Platte kann man sich richtig freuen. Spielt man die CD in der richtigen Reihenfolge, so wie es sich gehört, dann kriegt man als Einstieg einen wundervollen Popsong. Der Titeltrack besticht mit seinem unerhört blasierten Gesang, einem echten Ohrwurmchorus und einer köstlichen Piepsorgel. Vor mehr als 20 Jahren haben einige britische New Wave Bands solche Songs gemacht. Und ein paar Amis wie BLONDIE. Ein Hit! Natürlich geht es nicht über die ganze Spieldauer so weiter. Der eine oder andere Lückenbüßer schleicht sich - wie auf jeder Pop-Platte - ein. Es wird viel mit synthetischen Tönen gearbeitet, die man beispielsweise aus Neue Deutsche Welle-Zeiten kennt. Bekanntlich gab es damals auch den einen oder anderen herausragenden Song. Aber noch viel mehr wird mit dem so genannten Brit-Pop geliebäugelt. Was für eine schwachsinnige Bezeichnung für Musik, die beinahe 40 Jahre alt ist. Nimmt wirklich irgend jemand Bands wie OASIS ernst? Ich nicht! Wenn mir der Sinn nach "Brit-Pop" steht, dann leg ich eine alte Scheibe von den KINKS auf. Oder von den WHO. Oder ab sofort von THE O5. Die Jungs mischen nämlich ihren "Brit-Pop" mit viel Rock & Roll (hört mal den Ordinary Lovesong!) und Fun und Unbeschwertheit und ein paar unwiderstehlichen Ohrwürmern. Nein, für die Anspruchsdenker ist das hier nichts. Aber wenn wir so was im Radio hören könnten, dann wäre allen geholfen und die Welt wenigstens für ein paar Minuten von Umweltverschmutzern wie Bohlen & Co. verschont. Wir danken Österreich mal wieder für gute Musik (und auch für die Nicht-Durchfahrtsgenehmigung für die amerikanische Kriegsflotte - Cool!), wünschen der Vienna bessere Zeiten und THE O5 noch ein paar solcher Einfälle.
Fred Schmidtlein , (Impressum, Artikelliste), 22.02.2003
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