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| Live And Dangerous, Warner Brothers, 1978 |
| Phil Lynott |
Vocals, Bass |
| Scott Gorham |
Lead Guitar |
| Brian Robertson |
Lead Guitar |
| Charlie |
Rhythm Guitar, Bass |
| Tony Visconti |
Piano |
| Brian Downey, Patrick Whitley |
Drums |
| John Earle |
Saxophone |
| Huey Lewis |
Harmonica |
| Produziert von: Thin Lizzy, Phil Lynott & Tony Visconti |
Länge: 76 Min 27 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Jailbreak | 10. The Boys Are Back In Town |
| 2. Emerald | 11. Don't Believe A Word |
| 3. Southbound | 12. Warriors |
| 4. Rosalie | 13. Are You Ready |
| 5. Dancing In The Moonlight | 14. Suicide |
| 6. Massacre | 15. Sha La La |
| 7. Still In Love With You | 16. Baby Drives Me Crazy |
| 8. Johnny The Fox Meets Jimmy The Weed | 17. The Rocker |
| 9. Cowboy Song | |
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"Live And Dangerous", THIN LIZZYs neuntes Album, ist ja eigentlich ein Studioalbum. Bis auf Audience und Downeys Drums wurde der Rest im Studio "neu eingespielt". Aber der Reihe nach.
Aus unzähligen Tapes mit Liveaufnahmen von Konzerten rund um den Globus wurden die Songs ausgewählt. Geplant war, im Studio einige Vocals zu ersetzen. Nun, dabei blieb es nicht. Der komplette Gesang wurde neu eingespielt und wenn man genau hinhört merkt man, daß Phil Lead- und Backing-Vocals gleichzeitig singt.
Da der Gesang nun perfekt war, probierte man auch den Baß neu einzuspielen und er wurde satter und damit beibehalten.
Scott Gorham (der eigentlich nach England kam um bei SUPERTRAMP anzuheuern. Die meinten allerdings, keinen neuen Gitarristen zu brauchen!) und Brian Robertson wollten ihren Part natürlich auch verbessern und so geschah es dann auch. Lediglich Drummer Brian Downey war mit seinen Aufnahmen zufrieden und neben den Publikumsgeräuschen sind die Drums somit die einzigen authentischen Livetöne auf diesem Livealbum.
Southbound ist übrigens die Version des Soundchecks aus Philadelphia, ergänzt durch die Audience Aufnahmen aus diesem Konzert. Es fanden sich nämlich keine brauchbaren Takes auf den Bändern. Wir wissen also nicht, wie diese Scheibe im Original geklungen hätte, aber was solls: Es zählt das Ergebnis und nicht umsonst bekam "Live And Dangerous" Platin und erreichte Platz 2 in den britischen Charts. Es ist auch das "All time UK best selling live album".
Mehr Infos über die "Studionachbearbeitung" gibt es auf Tony Viscontis Homepage (und weiter unten Zitate aus dem Booklet von 1996).
Auch für mich ist diese Scheibe eine der besten, wenn nicht sogar DIE beste Liveplatte überhaupt. Die markante, soulige Stimme Lynotts und die powervollen Zwillingsgitarren von Brian Robertson und Scott Gorham treiben dermaßen voran, daß man automatisch die Luftgitarre auspacken muss.
Da wie oben erwähnt die Aufnahmen aus vielen verschiedenen Konzerten stammen, befindet sich auch keine einzige schwache Nummer auf "Live And Dangerous". Ich müsste allerdings überlegen, ob sich eine solche überhaupt im Repertoire der Band befindet.
"But so far, they've yet to give us an album upon which future rockers will build" schrieb John Milward im "Rolling Stone" am 21.09.78. Und recht hat er.
Den Stil der Songs zu beschreiben hieße Eulen nach Athen tragen. Aber ich will es trotzdem kurz tun.
Mächtig rockt der Opener Jailbreak aus den Boxen. Songs dieses Kalibers wechseln sich ab mit vertrackten Rhythmen, die man ansonsten bei Rockbands selten findet. Fast schon balladesk dann Southbound (dieser Song ist ein Soundcheck, so was kriegen viele nicht mal im Studio hin) und schließlich die obligatorische Ballade Still In Love With You, die aber zu keiner Zeit das peinliche Niveau erreicht, das Rockballaden gerne anhaftet.
Die Gitarrenläufe in Don't Believe A Word haben auch heute, nach fast 25 Jahren, ihre Faszination noch nicht verloren. Ist wie mit gutem Rotwein: wird immer besser.
Nicht auszudenken was wäre, wenn diese 1970 gegründete irische Band nicht traurigerweise ihren Frontman Phil Lynott verloren hätte. Denn: "The boys are back in town" - leider ohne den am 4. Januar 1986 verstorbenen Phil.

Das Booklet der 1996er remasterten CD-Ausgabe widerspricht den Ausführungen Toni Viscontis. Wir möchten auf keinen Fall eine einseitige Darstellung bringen, wenn es eine offizielle gegensätzliche Aussage gibt.
Die folgenden Zitate stammen aus den "Liner-Notes der Thin Lizzy - Live And Dangerous CD Mercury 532297.2, 1996 remastered: Stuart Bailie - New Musical Express".
Er schreibt dort: »Zu dieser Zeit (1976) waren Thin Lizzy überzeugt, ein weit besseres Live-Album abliefern zu koennen, als z.B. dies Peter Frampton mit "Frampton Comes Alive", das die Band fuer absolut enttäuschend hielt, gerade getan hatte.
Passend las das Thin Lizzy Bandmanagement einen Artikel ueber Produzent Tony Visconti, der durch seine Arbeit mit T. Rex und David Bowie bekannt geworden war. Laut Visconti war das Problem das Thin Lizzy hatten, eines mit dem viele Bands zu kämpfen hatten, zuviel der musikalischen Identität und einiges an Dynamik innerhalb der Band war bei der Produktion ihrer Alben im Studio verloren gegangen. Folgerichtig wurde Visconti mit der Aufnahme und Produktion eines Live-Albums beauftragt.«
Und weiter: »Die Shows der Band im Hammersmith Odeon im November 1976 wurden daraufhin mitgeschnitten. Weitere Nächte in Toronto und Philadelphia ebenso. Sogar ein exzellenter Mitschnitt von Southbound während eines Soundchecks fand Verwendung. Während die Band und ihr Management mit den von den Monitoren gemischten Aufnahmen zufrieden waren, argumentierte Visconti, sie hätten mit den Bändern das Material in der Hand um etwas Einzigartiges zu schaffen. Sie könnten entweder ein grobes Abbild eines Live-Konzertes veröffentlichen, oder das Material überarbeiten, ihm den nötigen Zusammenhalt geben und etwas veröffentlichen, das auf ewig Bestand haben würde.«
»Diese Methode erforderte weitere Zusatzarbeit im Studio - falsch gespielte Noten mussten ersetzt und die Backing-Vocals verbessert werden. Scott (Gorham) erinnert sich, dass er und Brian Robertson während dieser Zeit auf der Bühne so aufgedreht waren, dass sie, wenn sie für die Backing Vocals an ihre Mikrofone kamen, "irgendetwas hineinbrüllten und wieder davonrasten, um weiter Gitarre zu spielen".«
»Einige missgönnende Mitmenschen bezeichneten das Live-Album wegen dieser Vorgehensweise als Farce und verbreiteten, kaum etwas auf dem Album sei tatsächlich von den Live-Aufnahmen fürs Album verwendet worden, aber Thin Lizzy Co-Manager Chris O'Donnell widerspricht dem, und weist drauf hin, das Album sei wenigstens zu 75 Prozent aus dem mitgeschnittenen Live-Material entstanden. Frank Murry, Lizzy's Tour-Manager aus der Zeit bestätigt diese Version.«
"Die Leute sprechen über das "overdubbing", und was mit dem Album passiert ist, aber es war alles ziemlich übertrieben. Ich habe das Album in seiner Rohfassung gehört, und es war immer noch ein 'Nummer 1 [Chart-]Album'. Es war eines der besten Alben aller Zeiten. U2 haben es sich andauernd angehört, um dieselbe Art von Spannung und Intensitaet zu erreichen."
Und letzendlich: «Nick Kent, der das Album für den NME rezensierte, verglich es mit den Liveaufnahmen der Rolling Stones, Jerry Lee Lewis und sogar Bob Dylans "66 Albert Hall" Bootleg. Er nannte die LP "eine nahezu perfekte Bestandsaufnahme einer Band, die mittlerweile die beste Hard-Rock Band der Welt ist".»

So werden Legenden gebildet. Leider wissen wir nicht, was bei Erscheinen der 96er CD von den Fans diskutiert wurde. Ob das Neueinspielen im Studio ungeteilte Zustimmung fand, oder ob sich die Fans betrogen fühlten. Ich persönlich freue mich wie ein Schneekönig, wenn ich in einer Live-Aufnahme einen falschen Ton höre; dieses Vergnügens werde ich hier eindeutig beraubt. Bedauerlich bleibt auf jeden Fall, dass es 18 Jahre gedauert hat, bis offiziell im Booklet der 96er-CD in Bezug auf die Neueinspielungen Stellung bezogen wurde. Mag man davon halten, was man will, aber wenn Visconti näher an der Wahrheit liegt, als Stuart Bailie, drängt sich das Wort "Betrug" auf meine Zunge.
Werner Saumweber, 12.02.2001
Lieblingssong von Thin Lizzy: Renegade (Gänsehautschnulze)
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