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Still Dangerous

Live At The Tower Theatre Philadelphia 1977
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Still Dangerous - Live At The Tower Theatre Philadelphia 1977
Still Dangerous - Live At The Tower Theatre Philadelphia 1977, Thin Lizzy Productions/Rough Trade, 2009
Phil Lynott Vocals & Bass
Brian Robertson Guitar
Scott Gorham Guitar
Brian Downey Drums
Länge: 47 Min 15 Sek Medium: CD
1. Soldier Of Fortune6. Massacre
2. Jailbreak7. Opium Trail
3. Cowboy Song8. Don't Believe A Word
4. Boys Are Back In Town9. Baby Drives Me Crazy
5. Dancing In The Moonlight10. Me And The Boys

Die Band: Die Gruppe um Phil Lynott bekam zur Zeit ihrer eigentlichen Existenz wohl niemals die Anerkennung, die sie wirklich verdiente. Das mag daran liegen, dass die Musik ihrer Zeit immer ein Stück voraus war. Heute noch gibt es Musikfans, die auf Rockkonzerten in frenetischen Jubel ausbrechen, wenn a) mehr als ein Gitarrist auf der Bühne steht, und geradezu multiple Höhepunkte durchleben, wenn b) die Melodien dazu noch mehrstimmig gespielt werden. THIN LIZZY war für den inflationären Einsatz gerade dieses Stilmittels legendär. Gitarrenhexer wie Eric Bell, Brian Robertson, Gary Moore, John Sykes, Scott Gorham und Snowy White gaben sich bei THIN LIZZY das Plektrum in die Hand. Sie alle begründeten, neben Phil Lynott natürlich, LIZZYs Ruf als einer der besten und intensivsten Live-Acts.
THIN LIZZY war immer eine Hard Rock-Band. Ganz einfach. Nach dem Genuss ihrer Songs erübrigt sich die weitere Suche nach einer Definition des Begriffs. Leidenschaft paart sich mit Härte, brillantes Songwriting mit Virtuosität. Noch heute, lange nach Lynotts leider viel zu frühem Ableben im Jahr 1986, tourt eine Inkarnation von THIN LIZZY regelmäßig um den Planten und heizt allen Musikfans ein, die von THIN LIZZY nicht genug bekommen können. Und nach all den Jahren scheint es fast, als würde deren Zahl von Mal zu Mal steigen.

Das Album und das andere Album: "Still Dangerous - Live At The Tower Theatre Philadelphia 1977" ist das neueste, alte Lebenszeichen von THIN LIZZY.
"Moment, Moment", wird der eine oder andere einwerfen: "Aus dieser Ära gibt's doch bereits das legendäre Album "Live And Dangerous". Was soll denn eine weitere Livescheibe aus dieser Zeit?"
Nur Geduld, die Frage klären wir weiter unten. Fakt ist, dass viele Fans die damals agierende THIN LIZZY-Besetzung für die beste Verkörperung der Band aller Zeiten halten. Sie spielte starke Studio-Alben ein, wie "Jailbreak" oder "Johnny The Fox". Sie war auf dem fast-so-etwas-wie-ein-Live-Album "Live And Dangerous" vertreten. Viele Fans haben Brian Robertson und Scott Gorham im Gibson-Parallelflug vor Augen, wenn sie an THIN LIZZY denken. Gerade ersterer ist immer noch mit Tony Visconti, dem Producer von "Live And Dangerous", im Clinch, sobald es um das Prädikat Live-Album geht. Behauptet Visconti doch quasi, von den ursprünglichen Aufnahmen seien nur noch die Drum-Parts Brian Downeys und das Zuschauergejohle authentisch, der Rest sei nachfrisiert. Wie auch immer.

Die Songs: Nun ist ein Zeugnis aus der Robertson/Gorham Epoche in der Welt, auf dem 10 LIZZY Songs verewigt sind. Die Schnittmenge zu "Live And Dangerous" zählt derer lässige sieben.
Diese Stücke gehören natürlich zu den besten des damaligen LIZZY- Repertoires und auch die drei noch nicht auf "Live And Dangerous" verwursteten - Soldier Of Fortune, Opium Trail und Me And The Boys sind alles andere als von schlechten Eltern. Was keinen wundern sollte, denn einige Quellen behaupten, 1976/1977 wären über 30 Stunden Material aufgenommen worden. Ein Mangel sollte also nicht entstanden sein. Robertson und Gorham spielen sich in feinster Manier die Finger wund, während Phil zeigen konnte, was in ihm steckt. Trotzdem ist diese Live-Compilation auf keinen Fall als ein "Best of…" zu werten. Dazu sind 10 Stücke bei einer Klasse-Band wie THIN LIZZY entschieden zu wenig. Natürlich sind Klassiker wie Jailbreak und Cowboy Song ein Muss, ebenso Boys Are Back In Town und Dancing In The Moonlight. Dass Don't Believe A Word - viele halten ihn für einen der besten Rocksongs aller Zeiten - dabei ist, versteht sich von selbst. Aber bei allen Lückenfüllern des Multiuniversums: Baby Drives Me Crazy war schon auf "Live And Dangerous" Mist und auch auf dieser Veröffentlichung ist es um keinen Deut besser oder zweckdienlicher.
Aber um eines auch ganz klar zu sagen: Herumzujammern, weil der eine oder andere Songs keinen Einzug auf die aktuelle CD gefunden hat, ist genauso überflüssig wie Baby Drives Me Crazy!

Der Sound: Glyn Johns und Scott Gorham himself haben es geschafft, den typischen, so heißgeliebten LIZZY-Sound zu reproduzieren. Diese Platte klingt wie LIZZY, bezaubert wie LIZZY, sie ist THIN LIZZY. Durch die warme Verzerrung klingen die Gitarren eben wie Gitarren und nicht wie Kreissägen, Schleifhexen oder hart bremsende Züge. Alles in allem bekommt der Fan für sein Geld ein ausgewogen produziertes Stück Musikgeschichte.

Das Fazit: Bleibt die Frage nach der Notwendigkeit von "Still Dangerous - Live At The Tower Theatre Philadelphia 1977". Ist diese CD nun ein Substitutions- oder ein Komplementärgut? (Da lacht der Bierzelt-Ökonom) [Und so mancher Manager und/oder BWL-Student blättert im Lexikon]
Versuchen wir es mal so herum: Wenn jemand "Live And Dangerous" bereits besitzt, passt "Still Dangerous" prima in seine Sammlung. Wenn jemand "Live And Dangerous" noch nicht sein Eigen nennen sollte - was ehrlich gesagt, schwer zu glauben ist - sollte er sich "Still Dangerous" auf jeden Fall auch zulegen. Auch, weil, wenn er diese Scheibe erst gehört hat, der Kauf von "Live And Dangerous" eine unabänderliche Konsequenz sein wird. Oder einfacher gesagt: In gepflegten Haushalten werden im Endeffekt sowieso beide Outputs zu finden sein.

Olli "Wahn" Wirtz, (Artikelliste), 04.03.2009

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