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UB40

UB40 at Rockpalast

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UB40 at Rockpalast
UB40 at Rockpalast, in-akustik, 2004
Produziert von: WDR Länge: ca. 162 Min Medium: DVD
Sartory-Säle, Köln, 19. Juli 1981:Loreley, 29. August 1982:
1. Present Arms1. Present Arms
2. Tyler2. Sardonicus
3. King3. Silent Witness
4. Food For Thought4. Don't Do The Crime
5. The Earth Dies Screaming5. Don't Let It Pass You By
6. Don't Let It Pass You By6. I Won't Close My Eyes
7. Lamb's Bread7. Don't Slow Down
8. Silent Witness8. The Piper Calls The Tune
9. Sardonicus9. Love Is All Is Right
10. One In Ten10. Forget The Cost
11. Madam Medusa11. Politician
12. Don't Slow Down12. One In Ten
13. Dr. X13. Food For Thought
14. Burden Of Shame14. Burden Of Shame
15. Signing Off15. Tyler

Da wurde doch endlich mal eine vernünftige Entscheidung beim WDR gefällt und einige der Rockpalast-Klassiker auf DVD mit remastertem Sound und bestmöglicher Bildqualität herausgebracht.
Die Aufnahmen auf diesen DVDs darf man getrost als legendär bezeichnen. Man muss sich das noch mal in Erinnerung rufen: Das wurde europaweit ausgestrahlt und zu den Besuchern in den Hallen saßen unzählige vor den Fernsehern und feierten mit! Mancher wird sich vielleicht gar bei einem der Kameraschwenks im Publikum wiedersehen.
Apropos Kamera. Größtenteils eine Wohltat, Konzerte verfolgen zu können, ohne das permanent hektisch hin und her geblendet wird oder überzogene Nahaufnahmen und sonstige Kapriolen eher an einen Videoclip erinnern. Schön auch wenn die Kamera vor den Zugaben den Musikern in die fast schon familiäre Atmosphäre hinter der Bühne folgt. Das hin und wieder recht gestelzte Englisch der Moderatoren gehört halt einfach zum Rockpalast dazu und ist immer mal für einen Schmunzler gut.
Den Machern der DVDs sei noch gesagt: Auch wenn die Booklets nicht sehr umfangreich sind (brauchen sie auch nicht), sind sie unterhaltsam mit Anekdoten angereichert. Allerdings wäre es für den einen oder anderen "Nicht-Insider" doch ganz nett, wenn die jeweiligen Bandbesetzungen aufgeführt wären. Es sind ja doch mehr Musiker beteiligt als nur die Hauptdarsteller...
Ansonsten warten wir die Veröffentlichung von J. GEILS BAND, THE WHO, GRATEFUL DEAD, Dickey Betts & GREAT SOUTHERN, u.s.w.

Ich war einen Tag zu früh wieder weg. Damals, im Sommer 1982. Am Samstag, den 28.08., war nämlich das erste offizielle (nach dem nicht gesendeten ein Jahr vorher) Rockpalast-Loreley-Open-Air mit dem urgewaltigen Frankie Miller, dem gerade wiedererstandenen Eric Burdon, den für mich langweiligen BAP und David Lindley und dem einzigartigen Rory Gallagher. Danach bin ich mit meinem ebenfalls einzigartigen VW Golf wieder zurück nach Hause gefahren und habe mir das Programm vom Sonntag gespart. Keine Ahnung, wer da noch dabei war, wahrscheinlich hat mich keine Band besonders interessiert. UB40 ja auch nicht.
Dabei habe ich ganz offensichtlich was verpasst, denn jetzt, 22 Jahre später, gibt es diesen Auftritt der britischen Reggae-Ikonen auf DVD und, man höre und staune, ich bin als Nicht-Reggae-Fan dann doch reichlich verblüfft über diese Band. Die können/konnten ja viel mehr als das Radiopublikum mit Red Red Wine einlullen!

Seit 1978 gibt es UB40 bereits und sie sind bis heute in ihrer Urbesetzung zusammen. Das mag vielleicht daran liegen, dass sich die Welt des Reggae etwas langsamer dreht, für eine Band ist es dennoch eine erstaunlich lange Zeit. Rüchel holte die Engländer erstmals 1981 für eine Aufzeichnung in Köln in den Rockpalast, und dort müssen sie ihn schwer beeindruckt haben, denn ein Jahr später erfolgte besagte Einladung auf die Loreley. Beide Konzerte sind auf dieser DVD enthalten.
Mit nur zwei LPs im Rücken, und dennoch verblüffender Routine, gingen die acht Musiker aus den West Midlands auf die Bühne der gut gefüllten Sartory-Säle und begeisterten ihre schon damals nicht unbeträchtliche Fanschar mit Grooooooove ohne Pause. Oh ja, da schwingt auch des Rockers Bein.
Unbekannt waren sie nicht mehr, bereits ihre erste Platte schlug ein Jahr vorher in den Charts ein, Befürchtungen, dass man es mit einer windelweichen Hitparaden-Popband zu tun hätte, sind allerdings völlig fehl am Platz. Natürlich steht bei UB40 nicht der knallharte Dancehall auf dem Programm, dafür eine leicht europäisierte Dub-Roots Mischung, die durch ihre Bläsersätze, wechselnde Leadsänger und einen wahrhaft beeindruckenden Bass völlig geil kommt. Auch heute noch, nach so langer Zeit.

Für mich das Kernstück der DVD ist aber natürlich der Auftritt auf der Loreley.
Zwei Monate vor der Veröffentlichung ihrer dritten Platte "UB44" legte die Band einen wirklich begeisternden Auftritt hin. Ich weiß nicht, ob es für das anwesende Publikum in Wirklichkeit vor Ort auch so war, ich sah dem Konzert (jetzt, zuhause auf dem Sofa) mit einer gewissen Skepsis entgegen. Am Schluss allerdings wippte ich auch mit und hoffte auf eine weitere Zugabe nach dem bewegenden Tyler (die dann allerdings nicht mehr kam).
In der Retrospektive kann man die Entwicklung der Gruppe in diesem einen Jahr ganz gut verfolgen. Grade die neuen Songs gingen etwas stärker in Richtung Mainstream, wobei dies zu Beginn der 80er überhaupt nicht mit heutigem Mainstream vergleichbar war. Vielmehr kamen ein paar mehr Ecken und Kanten in die Songs, einige elektronische Spielereien entsprachen dem Zeitgeist und können heute zurecht belächelt werden, und das Händchen für mega-eingängige Grooves hatten sie ohnehin. Damit zogen sie Stück für Stück die Crowd über dem Rhein auf ihre Seite.

Wie es sich für eine richtige Reggae Band gehört, hatten auch UB40 stets eine Message. Hochpolitisch und kritisch ihrer Regierung gegenüber, kaum je seicht oder beliebig, muss man den (zum Glück gut verständlichen) Lyrics Aufmerksamkeit entgegen bringen. Holla, die hatten was zu sagen.
Oftmals klingt Reggae für den ungeübten Hörer holprig und musikalisch nicht wirklich ausgereift. Nicht so diese Band. Über dem Bass-Fundament "tobte" sich die Band äußerst kompetent aus, wieder überzeugten die messerscharfen Bläser, die verschiedenen Sänger, Trompeter Astro mit seinem Toasting und die Percussionabteilung mit teilweise regelrechten Wirbelstürmen.
Dass sich die Setlisten beider Konzerte immer wieder überschneiden stört nicht, im Gegenteil, man ist versucht, sich mittels individuell zusammenstellbarer Playlist (ist diese moderne Technik nicht toll?), die doppelt vorhandenen Nummern nacheinander anzusehen, um die Unterschiede auszumachen. Einzig ein wenig mehr Uptempo-Nummern würde sich der Rockfan in mir wünschen. Im Gegensatz zur DVD bin ich nicht individuell programmierbar...

Bild und Ton sind bei beiden Konzerten tadellos, vor allem der 5.1 Mix ist rattenscharf. Im Gegensatz zum Loreley-Testlauf vom Vorjahr, hatten die Techniker einiges dazugelernt. Wo bei THIN LIZZY doch vieles im Dunklen bleibt und auch der Sound öfter nach Bootleg klingt, war 1982 alles bestens. Rockpalast-Qualität eben.
Reggae war im Rockpalast nie überrepräsentiert, BLACK UHURU fallen mir noch ein, aber ansonsten war da nicht viel. Insofern macht diese DVD durchaus Sinn, auch wenn man UB40 natürlich keinen Legendenstatus attestieren kann. Fans dieser Musik müssen, "normale" Rockpalästler dürfen völlig bedenkenlos zugreifen!

Dolby Digital 5.1
Stereo 2.0
Ländercode: 2
Deutsch, Englisch
PAL 4:3

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 19.11.2004

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