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| Firefly & Innocent Victim, Sanctuary Records, 2004 (1977) |
| John Lawton |
Lead Vocals |
| Mick Box |
Guitars |
| Ken Hensley |
Keyboards, Guitars, Vocals |
| Trevor Bolder |
Bass |
| Lee "The Bear" Kerslake |
Drums |
| Produziert von: Gerry Bron & Ken Hensley ("Innocent Victim") |
Länge: 78 Min 09 Sek & 68 Min 32 Sek |
Medium: CD |
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| "Firefly": | |
| 1. The Hanging Tree | 9. Crime Of Passion (B-Side) |
| 2. Been Away Too Long | 10. A Far Better Way (Demo Mix) |
| 3. Who Needs Me | 11. I Always Knew (prev. unreleased) |
| 4. Wise Man | 12. Dance Dance Dance (prev. unreleased) |
| 5. Do You Know | 13. Been Away Too Long (Alternative Version) |
| 6. Rollin' On | 14. Do You Know (Demo Mix) |
| 7. Sympathy | 15. Who Needs Me (Alternative Live Version) |
| 8. Firefly | 16. Wise Man (TV Backing Track) |
| Bonus Tracks: | |
| "Innocent Victim": | |
| 1. Keep On Ridin' | 9. Choices |
| 2. Flyin' High | Bonus Tracks: |
| 3. Roller | 10. Illusion/Masquerade (Unedited Version) |
| 4. Free'n'Easy | 11. The River (Out-take) |
| 5. Illusion | 12. Put Your Music Where Your Mouth Is (prev. unreleased) |
| 6. Free Me | 13. Cheat'n'Lie (Alternative Live Version) |
| 7. Cheat'n'Lie | 14. Free Me (Alternative Live Version) |
| 8. The Dance | 15. Free'n'Easy (Alternative Live Version) |
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Ich mag URIAH HEEP und berichte immer mit Freude über die von Sanctuary Records neu veröffentlichten Scheiben aus den Siebzigern. Jetzt haben wir wieder zwei Re-Releases vorliegen und die markierten im Jahr 1977 einen weiteren Wendepunkt in der Geschichte. David Byron war just rausgeworfen worden, Bassist John Wetton gegangen und kommerziell hatte die Band schon seit "High And Mighty" aus dem vorhergehenden Jahr ein Problem. An heutigen Verkaufszahlen gemessen natürlich ein Luxusproblem, aber die ganz große Zeit schien vorbei.
Kuriose Namen tauchten bei der Sängersuche auf, Ian Hunter wurde gefragt (mochte HEEP aber nicht und sagte ab), Paul Rodgers ebenfalls, David Coverdale sang sogar vor, bekam den Job aber wegen ähnlicher Trinkgewohnheiten wie Byron nicht, und auch Gary Holton von den HEAVY METAL KIDS war ein Kandidat. Genommen wurde letztlich John Lawton, leidlich bekannt von LUCIFER'S FRIEND (unsere Lieblingszeitung BRAVO führte ihn lieber als ehemaliges Mitglied der in Teeniekreisen bekannteren LES HUMPHRIES SINGERS ein - was bei alten Fans durchaus zu schlechter Laune führte).
Als neuen Bassisten engagierte man Trevor Bolder. Der blieb mit einer kurzen Unterbrechung bei WISHBONE ASH bis heute in der Band und war vorher unter anderem mit David Bowie zugange.
Man muss sich vergegenwärtigen, dass Bands wie HEEP seinerzeit pro Jahr 2 Welttourneen plus 2 LPs im Terminkalender hatten. Byron hielt dem Druck nicht stand, soff wie ein Berserker und starb letztendlich 1985, Hensley mutierte mehr und mehr zur Megazicke, Gerry Bron dirigierte die Band als Manager geschickt und skrupellos und trotz allem mussten ständig neue Songs geschrieben werden. Dass es dabei zu gewissen kreativen Engpässen kommen musste, ist heute klar. Damals überwog bei mir allerdings eine leichte Enttäuschung, klang doch "Firefly" einfach wie die nicht verwendeten Songs von "High And Mighty" mit neuem Sänger. Die Presse verhöhnte U.H. weiterhin gewohnheitsmäßig und irgendwie verstaubte "Firefly" in meiner damals noch kleinen Sammlung relativ unbeachtet.
Ken Hensley hielt an seiner Methode des Songwriting fest, produzierte episch-dramatische Kleinkunstwerke, gab sich seinem Keyboard-Exhibitionismus hin und überließ Mick Box ab und an das Rock & Roll-Ruder. Dass sich zwischen dem Hensley-Pathos der leichtgewichtige Boogie Who Needs Me von Drummer Lee Kerslake platzieren konnte erscheint nachträglich beinahe überraschend. Die endgültige Legitimation für diesen Song gibt jetzt allerdings die hart rockende 9-minütige Liveversion aus dem Jahr 1979.
John Lawton bewies in beinahe jeder Nummer, dass er ein erstklassiger Shouter mit souligem Touch und Feeling für Balladen war. Ein Klassiker gelang Hensley nicht, aber meine damalige Missachtung hat "Firefly" nicht verdient. Der Hammond-betriebene Rocker Do You Know oder das popige Wise Man wären heute eine tolle Abwechslung im Liveprogramm. Mick Box bot auf Sympathy eine interessante, leicht an PINK FLOYD angelehnte Gitarrenlinie, die Chöre waren gewohnt opulent und hätte nicht mittlerweile Ritchie Blackmore mit RAINBOW der Hard Rock Thron übernommen, wer weiß, vielleicht hätte sich die Geschichte von URIAH HEEP anders entwickelt.
Die Bonus Tracks sind recht interessant, neben dem erwähnten Who Needs Me in Livefassung gibt es die Single-B-Seite Crime Of Passion, ein drückender Rocksong, drei mir bis dato unbekannte Nummern (ich kannte die erste remasterte Version dieses Albums aus dem Jahr 1997 nicht) und alternative Aufnahmen/Demos von Been Away Too Long, Do You Know und Wise Man (für einen Werbespot aufgenommen, jedoch weiß niemand mehr was beworben werden sollte).
Im März und April 1977 wurde England und Europa betourt, anschließend gab es Auftritte in Amerika (u.a. mit FOREIGNER, Ted Nugent und als Support von KISS), im August kam das Reading Festival und im Juli und September wurde bereits der Nachfolger "Innocent Victim" aufgenommen und fertiggestellt. "Firefly" floppte in England, war die erste Platte seit 1972 ohne nennenswerte Chartnotierung und trotz dem Headlinerstatus in Reading stand die Band unter Druck. Was immer der LP-Name "Innocent Victim" aussagen wollte, ganz unschuldig waren HEEP an der Situation nicht, trotz diverser Umbesetzungen gab es eigentlich keine musikalische Fortentwicklung und gegen all die wilden jungen Punkbands hatten Dinosaurier weder in den Medien noch beim jüngeren Publikum eine Chance.
Ken Hensley sagt heute, dass "Innocent Victim" nicht die beste Platte war und liegt sicher nicht ganz falsch damit. Wahrscheinlich ist die negative Einstellung aber eher auf seinen schwindenden Einfluss innerhalb der Band zurückzuführen. Nur 4 seiner Songs plus die Kooperation mit dem Amerikaner Jack Williams beim Opener Keep On Ridin' kamen auf das Album. Dabei gelang ihm mit Illusion einer der größten Langweiler aller HEEP-Zeiten und mit Free Me einer der größten Hits. HEEP waren kurzzeitig sogar mit drei Singles gleichzeitig in der deutschen Hitparade: Wise Man von "Firefly", das erstmalig wiederveröffentlichte Lady In Black aus dem Jahr 1971 und eben Free Me. Dumm nur, dass Free Me mehr das Poppublikum denn die Rockfraktion bediente. Immerhin verkaufte sich die LP im Sog der Single sehr gut und sicherte URIAH HEEP weiterhin einen Platz in der Öffentlichkeit. Bei Ilja Richter und seiner "Disco" waren sie damals ohnehin ständig, leider führte das aber zu einem großen Missverständnis, denn für diese Kundschaft gab es bereits SMOKIE und andere.
Insgesamt war "Innocent Victim" aber völlig anders als das Aushängeschild Free Me signalisierte. Hätten Mick Box und John Lawton nämlich anstatt den beiden von Fremdschreiber Jack Williams gekauften Nummern The Dance und Choices (beide im übrigen damals wie heute fad) noch ein paar eigene Songs durchgesetzt, "Innocent Victim" wäre wohl als härteste Platte bis dato in die Geschichte eingegangen. Hensley suchte nach dem Hit (Keep On Ridin' oder der flockige Rocker Flyin' High), Box und Lawton fahndeten nach dem ultimativen Riff. Free'n'Easy war, ist und bleibt einer meiner Top 5 Lieblingsrocker dieser Band. Daneben gab es natürlich noch das heftige Roller von Trevor Bolder.
Vor 27 Jahren hinterließ "Innocent Victim" einen zwiespältigen Eindruck, heute kann man sich ungeniert an tollen Songs erfreuen - für die paar Nieten gibt es die Skip-Taste. Zusammen mit den Bonus Tracks eigentlich eine unverzichtbare Scheibe für den Rock & Roll Historiker, hat man doch die letzte wirklich wichtige Platte von URIAH HEEP in der Hand.
Wie es weiterging ist hinlänglich bekannt, John Lawton stieg nach der lauwarmen "Fallen Angel" und je zwei harten U.S.- und Europa-Tourneen im Jahr 1978 aus, Hensley ruinierte in den Achtzigern BLACKFOOT, Mick Box ist immer noch URIAH HEEP.
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