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The Ultimate Collection

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The Ultimate Collection
The Ultimate Collection, Sanctuary Records, 2003
Länge: 157 Min 59 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. Gypsy9. Sunrise
2. Come Away Melinda10. Magician's Birthday
3. Bird Of Prey11. Sweet Lorraine
4. Lady In Black12. Stealin'
5. Look At Yourself13. Sweet Freedom
6. July Morning14. Wonderworld
7. The Wizard15. Something Or Nothing
8. Easy Livin'
CD 2:
1. Return To Fantasy11. On The Rebound
2. Prima Donna12. Think It Over
3. One Way Or Another13. That's The Way That It Is
4. Wise Man14. The Other Side Of Midnight
5. Free Me15. Stay On Top
6. Free'N'Easy16. Hold Your Head Up
7. Come Back To Me17. Blood Red Roses
8. Fallen Angel18. Blood On Stone
9. Feelings19. Different World
10. Too Scared To Run

Hach, mal was ganz rares. Endlich eine Best of/Greatest Hits/Anthology/Very best/Ultimate Collection von URIAH HEEP. Da hat der Fan seit Jahren drauf gewartet.
Also mal ehrlich, Ihr Freunde von der Plattenindustrie. Was erwartet Ihr Euch von der ca. fünfunddreißigsten Compilation einer Band der (frühen) Siebziger? Einen Verkaufsrenner? Eine Renaissance orgelbetriebenen Hardrocks mit theatralischem Gesang?
Gut und schön, dass die alten LPs dieser Band vor einiger Zeit in wirklich lobenswerten remasterten Versionen wiederveröffentlicht wurden, aber daraus dann noch mal einen Extrakt zu bilden (der mindestens siebte bei Sanctuary!) halte ich für schlichtweg übertrieben. Wen will man mit der x-ten Zusammenfassung der "größten" Hits noch hinter dem Ofen hervorlocken?

Um die Antwort vorweg zu nehmen: Manche Frau wird diese Doppel-CD mögen. Sie spart sich nämlich das Brennen einer CDR für ihren anstehenden Strandurlaub. Und ein paar Leute mittleren bis gesetzten Alters werden sie in ihren Auto-CD-Player packen. Da ich kein Auto besitze und meinen Urlaub am Schreibtisch verbringe und die Originale ohnehin alle im Regal habe (wie die meisten echten Fans), ist das Teil für mich (und für die meisten echten Fans) grandios überflüssig.
Andererseits, vielleicht rentiert sich der Aufwand ja, denn kosten tun solche Hundertachtundzwanzigst-Verwertungen nix. Und wenn's ganz gut läuft, gewinnt man tatsächlich noch drei bis sieben junge Hörer dazu. Nun denn...
Will man aber solche Jungkäufer wirklich überzeugen, dann sollte im - ansonsten netten - Booklet schon auch tabellarisch vermerkt sein, von welchem Originalalbum die Aufnahmen stammen. Die Kids sollen sich doch auch "Demons And Wizards" und "Look At Yourself" und all die anderen zulegen. Mitdenken hilft Kosten senken und Ertrag maximieren.
Über die Songauswahl kann man nichts, aber auch gar nichts, meckern. Klassiker reiht sich an Klassiker, es ist alles hinlänglich bekannt und trotzdem freut man sich, all die großen und kleineren Hits immer wieder zu hören. Um ehrlich zu sein, würde ich mir eine Urlaubs-CD zusammenstellen, die Tracklist würde sich nicht besonders von dieser Collection unterscheiden. Soweit ist also alles völlig in Ordnung.

CD 1 deckt die Jahre 1970 bis '74 ab (Debut bis "Wonderworld") und trotz aller Hochachtung für Box, Byron, Hensley & Co. muss man doch immer wieder lächeln ob der Naivität, mit der damals an so "ernste" Themen wie des Magiers Geburtstag herangegangen wurde. Wo wir damals ehrfürchtig erschauernd den Ping-Pong-Gitarren-Synthiespielereien via Dual-Stereoplattenspieler mit garantiertem Rumpelfaktor gelauscht haben, kann man sich heutzutage entspannt zurücklehnen, mit dem Fuß wippen und sich fragen, warum sich seinerzeit Heerscharen von Kritikern das Maul über HEEP zerrissen haben. Es ist doch nur Rock & Roll mit ein paar lustigen Einfällen.

Die zweite CD beginnt 1975 mit zwei Beiträgen der "Return To Fantasy"-LP und demonstriert dann sehr zügig den Abstieg von URIAH HEEP von einer Band mit, ahem, zumindest einem gewissen progressiven Anspruch (oder wenigstens der Fähigkeit, die Leute ein bisschen zu verwirren), hin zu einer - kommerziell noch erfolgreichen - relativ orientierungslosen Pop-Rock Band (Free Me), die sich zunehmend den Angriffen junger Bands erwehren musste und sich zum Ende der Siebziger bzw. Beginn der Achtziger in einer ausweglosen Situation befand. Einerseits waren sie schon damals Dinosaurier, andererseits immer noch beliebt bei den Fans, speziell in Deutschland. Nur leider gingen zunehmend die Ideen für den inzwischen angesagten Sound aus.
Da halfen auch Besetzungswechsel im Monatsrhythmus nichts. Es war zuende mit dem großen Erfolg. Die Platten gerieten immer banaler und die Hörerschaft kümmerte sich irgendwann lieber ums Eigenheim anstatt um lahmen Rock von URIAH HEEP. Die waren natürlich mit diesem Dilemma nicht alleine. Annähernd jede Band der Siebziger geriet in diese Krise und viele haben es nicht überlebt. Mick Box hat bekanntlich immer weiter gemacht und besitzt bis heute, zumindest live, Kultstatus. Es sei ihm und der heutigen Band vergönnt.

Für die vorliegende CD hat der künstlerische Ausverkauf einen entscheidenden Vorteil. Die wenigen guten Songs von 1980 bis 1991 lassen sich geschmeidig auf der verbliebenen Restlaufzeit der CD zusammenfassen und man hat - im Gegensatz zu CD 1 - nie das Gefühl, etwas wirklich Essentielles zu verpassen.
Bezeichnend, dass die beiden besten Nummern aus diesen Jahren auch noch Coversongs waren: On The Rebound von Russ Ballard und Hold Your Head Up von Ballard-Kumpel Rod Argent.

Trotz aller Überflüssigkeit für den bereits alles besitzenden Altrocker macht die CD Spaß und erhält in unserer Monatsübersicht ohne Wenn und Aber das Prädikat "History-Tipp". Aber es sollte langsam wirklich gut sein mit all diesen Best of/Greatest Hits/Anthology/Very best/Ultimate Collections von URIAH HEEP. OK?

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 25.07.2003

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