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Wake The Sleeper

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Wake The Sleeper
Wake The Sleeper, Universal Music, 2008
Bernie Shaw Lead Vocals
Mick Box Guitars, Vocals
Trevor Bolder Bass, Vocals
Phil Lanzon Keyboards, Vocals
Russell Gilbrook Drums, Vocals
Produziert von: Mike Paxman Länge: 48 Min 38 Sek Medium: CD
1. Wake The Sleeper7. What Kind Of God
2. Overload8. Ghost Of The Ocean
3. Tears Of the World9. Angels Walk With You
4. Light Of A Thousand Stars10. Shadow
5. Heavens Rain11. War Child
6. Book Of Lies

Nach sage und schreibe einem Jahrzehnt Pause und mit unverschuldeter Verzögerung (Umstrukturierungen des Labels) ist sie nun da: Die neue Studio-Scheibe der Rock-Veteranen - "Wake The Sleeper".
Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Das lange Warten hat sich gelohnt. Denn eine derart signifikante Mischung aus druckvoller Musik, den seit bald vier Jahrzehnten bekannten, mehrstimmigen Vocals, aber auch interessanter Melodiestrukturen - die war nicht unbedingt mehr auf meiner Erwartungsliste.

En detail: Der Opener und Namensgeber Wake The Sleeper ist stimmig und macht Appetit auf mehr - obschon als "Opener" einigermassen mutig. Denn er besteht de facto nur aus kraftvoller, druckvoller Power-Musik und dazwischen den geliebten oder gehaßten (hier ersteres) Breitwandchor-Klängen. Nur eine einzige Textzeile wird im Chor dazwischen gesungen, eben: "Wake the sleeper". Mit diesem ersten Stück wird sogleich nachdrücklich deutlich gemacht, was den Neu- oder meistens leider Altfan auf der Scheibe erwartet.
Bei Overload dann eher auf vertrautem Terrain, scheint Mick Box mittels WahWah-Gitarre Sänger Bernie Shaw mit Macht zur gesanglichen Hochleistung anzutreiben. Das Stück variiert zwischen schnell gespielter Power und langsameren Versatzstücken, bei denen auch die Orgel von Phil Lanzon - der unter Verzicht auf nervige Keyboard-Tralalas offenbar endlich die Güte der klassischen Hammondorgel wieder entdeckte - gut zum Einsatz kommt. Natürlich wird auch wieder URIAH HEEP-typisch mehrstimmig im Chor gesungen. Auch wenn das nicht mehr ganz frische Duo Shaw/Lanzon nie die Qualität ihrer Vorgänger, gerade (in besseren Zeiten!) Ken Hensleys, oder des - RIP - David Byron erreichen wird - sauber!
Auch Tears Of The World beginnt kraftvoll, mit gutem Orgeleinsatz angetrieben, um dann mit den üblichen HEEP-"Insignien" aber auch einem Trommelwirbel von Neu-Drummer Russel Gilbrook auszulaufen.
Light Of A Thousand Stars lässt es etwas langsamer angehen, ohne seicht zu wirken - um auch dann Vertrautes zu bieten; wie auch der fünfte Titel. Heaven's Rain, langsam, getragen, mit Bernie Shaws einfühlsamen Gesang - um in der Summe keine unverzichtbare, aber eine hörenswerte HEEP-Ballade (zumindest ansatzweise, jedenfalls die erste und letzte auf der CD) zu bieten.
Book Of Lies ist interessant aufgebaut, scheint es nämlich mit deutlichen Reminiszenzen an frühe Stücke der Band zu beginnen und zu enden - um im Mittelteil druckvoll und voller Melodiebögen zu überzeugen.
Meines Dafürhaltens einen Höhepunkt stellt dann What Kind Of God dar. Denn der einigermassen komplexe und knapp sieben Minuten lange Titel hat so ziemlich alles, was man als geneigter Fan der Band von dieser erwarten darf: Er beginnt mit Shaw und Lanzon sehr einfühlsam, wird dann bei (noch) gleich bleibendem Tempo etwas kräftiger, teilweise mehrstimmig - um sich über den Einbau differierender Melodiestrukturen langsam einem Crescendo zu nähern. Irgendwie erinnert es mich etwas, wohlgemerkt etwas, an Circle Of The Hands aus dem sage und schreibe 36 Jahre zurückliegendem Album "Demons And Wizards". Oder auch an Pilgrim aus "Sweet Freedom" - ebenfalls schon 35 Jahre auf dem Buckel… Dass der gute Bernie S. bei seinen spitzen Schreien am Ende signifikant "rausgemischt" wurde, mag stören wen es will, mich nicht. Auf jeden Fall: Eine reife Leistung.
Ghost Of The Ocean macht es dann kurz und trocken: Brachial bricht Mick B.s Gitarre los, um sodann in ein gut komponiertes und sauber arrangiertes Stück überzuleiten. Bis zu vierstimmiger Gesang und druckvolle Instrumentierung zeichnen diesen Titel aus, um mit einem gekonnten Gilbrook'schen Trommelwirbel auszuklingen. Der gute Mann, vor seinem Einstieg eher im Studio im Einsatz, scheint URIAH HEEP ohnehin in einen Jungbrunnen verwandelt zu haben - recht so.
Angels Walk With You, aus der Feder von Bassist Trevor Bolder, beginnt tendenziell balladesk, auch mit Akustikgitarre untermalt, um dann aber in ein kraftvolles Midtempo-Stück überzugehen. Die Mischung aus balladeskem und etwas angezogenem Tempo inkl. dem bei langsamen Stücken doch etwas enervierendem Bernie S. ist nicht unbedingt mein Ding. Das mag aber sicher Geschmackssache sein - wie es sich denn auch nolens volens um keinen "Ausfall" handelt.
Shadow ist das Gegenmodell: Mick B. und Phil L., endlich wieder mit Freude an der klassischen Hammond-Orgel, intonieren gleich kraftvoll, Bernie S. zieht nach - und dann gibt es die gar wunderschönen Breitwandchöre, alles harmonisch aufeinander abgestimmt, kraftvoll und sauber produziert.
Der Schlusstitel War Child summiert von Beginn an eine Klangwand aus der gesamten Instrumentierung und dem bis zu vierstimmigen Gesang. Herr Box liefert ein hörenswertes Solo im Mittelteil, das Ende klingt vertraut, ohne ansatzweise "abgekupfert" zu wirken - ein gelungener Abschluss!

Summa summarum eine überraschend hörenswerte Scheibe, ohne Lückenfüller, mit allen vertrauten Elementen, die aber nicht einmal "aufgesetzt", sondern frisch und authentisch wirken. Nun ja: Es war ja auch genug Zeit zum Einspielen…
Wer Lust auf guten alten Rock und keinen Bock auf die beginnende Winterzeit resp. ständige Düsternis hat: Im Oktober sind URIAH HEEP in Deutschland mit der THIN LIZZY-Revivalband (oder so) unterwegs.
[Der Mann spricht Mitte Juni von Düsternis und Winter…; Red.]

Dr. Thomas Schimpff, (Artikelliste), 11.06.2008

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