HoR Logo kl CD-Review:

Logo Van Zant

Get Right With The Man

Logo Home-of-Rock
Startseite > CD-Reviews > Van Zant > Get Right With The Man

Get Right With The Man
Get Right With The Man, Sony Music Nashville, 2005
Johnny Van Zant Lead Vocals
Donnie Van Zant Lead Vocals
Bekka Bramlett, Perry Coleman, Jeffrey Steele Backing Vocals
Tom Bukovac, Kenny Greenberg Guitar
Eric Darken Percussion
Glen Duncan Fiddle
Greg Morrow Drums, Percussion
Russ Pahl Banjo, Steel Guitar, Lap Steel Guitar
Michael Rhodes, Glenn Worf Bass
John Willis Acoustic Guitar
Reese Wynans Piano, Keyboards, Hammond Organ, Wurlitzer
Produziert von: Mark Wright & Joe Scaife Länge: 40 Min 17 Sek Medium: CD
1. Takin' Up Space7. I Can't Help Myself
2. Nobody Gonna Tell Me What To Do8. I'm Doin' Alright
3. Sweet Mama9. Lovin' You
4. Help Somebody10. Plain Jane
5. Things I Miss The Most11. Been There Done That
6. I Know My History

In Nashville werden Liedtexte nicht geschrieben, sie werden per Scrabble ermittelt. Erlaubt sind nur einsilbige Worte, die man auch in Vorschulfibeln findet und die auf keinen Fall in irgend einer Weise anstößig sein könnten. Kleine Auswahl: Church, Lord, Beer (auf jeden Fall aber light und nur ein einziges für den Daddy), Mama, Grandpa, Work, Car, Love, (my!) House, Peace, Lady, Girl, Child, Life (good oder happy, je nach Belieben). Dazu ein paar Verben und einige wenige Adjektive (dafür gibt es ausgebildete Fachkräfte) und schon haben wir die nächste CD der Gebrüder Van Zant getextet. Haben die grad keine Zeit, singen eben die Gebrüder Joe und John Segelohr aus Dekadenz-Valley oder eine beim Fernsehen gecastete Country-Boygroup die Scheibe ein. Die Nashville-Studiomusikermafia inklusive Backgroundschlampen, sorry, Sängerinnen ist eh immer da und hat den passenden Soundtrack für die nächsten 7 Jahre bereits auf Halde vorproduziert. Je nach Gusto des Produzenten werden noch die Gitarren nach oben oder unten nivelliert und der Heulfaktor der Pedal Steel eingepegelt.

Been There Done That heißt die letzte Nummer des dritten gemeinsamen Machwerks der Brüder Donnie und Johnny Van Zant. Der eine sitzt bei 38 SPECIAL auf der Einwechselbank, der andere ist der ewige Betrauerer seines großen toten Bruders Ronnie bei LYNYRD SKYNYRD. Hieße die letzte Nummer Heard It, Laughed About It, Took The Money, der Sinn dieses Albums wäre hinreichend erklärt. Dann würde es auch die zehn übrigen Nummern nicht mehr brauchen.
Natürlich können die beiden unvergleichlich singen. Natürlich ist die vertretene Musikerschar allererste Güte. Natürlich gehen die Songs ins Ohr. Aber wer zum Geier braucht noch eine New-Country-Southern-Rock-CD aus der Retorte? "I was born in the sweet home Florida sunshine and my sweet mama didn't raise no fool". Ja, genau. Liebe Güte, "Get Right With The Man" ist textlich dermaßen grenzwertig, dass man als halbwegs vernunftbegabter Mensch am Verstand der angepeilten Käuferschicht in Amerika zweifeln muss - die CD stieg prompt mächtig hoch in die Charts ein. Mehr Herzschmerz und Hurra-Patriotismus mitsamt Familienverehrung und Lobpreisung des Herrn geht nicht. Gern werden dazu gar bitterliche Balladen gereicht und der Hörer greift zu harten Drogen und seiner Tränenvase. Im Intro zu I Can't Help Myself haben sie gar einen Frosch im Weihwasserbecken ersäuft, der dann "Send me an angel!" winselt, anders sind die seltsamen Geräusche nicht zu begründen.

Immer wenn die Instrumentierung mehr nach Rock denn Country tendiert, tönen ganz ordentliche, allzeit klimatisierte U.S.-Middleclass-Mainstream-Songs aus den Lautsprechern. Songwriterisch ist das alles nicht die Bohne spektakulär oder auch nur einen winzigen Moment spannend (wie auch, wenn alles von irgendwelchen Fließbandschreibern zusammengestückelt wird - Sweet Mama z.B. findet man auch auf der letzten Plastikproduktion von SKYNYRD), eben Honky-Tonk für die ganze Familie und den Hund, aber in den guten Momenten macht es halbwegs Spaß. Man will schließlich nicht immer nur von toten Drachen und hingemetzelten Mitmenschen hören, sondern zwischendurch richtigen good clean Fun haben. Das geht auch absolut okay, Countryrock ist in erster Linie zur Unterhaltung da. Wären da nur nicht die dringenden Ratschläge unserer beiden Saubermänner, doch gefälligst die Finger von Drogen und Alkohol zu lassen, am Sonntag in die Kirche zu gehen und Mami und Papi zu ehren. Das ist so klinisch rein, dass sogar die Hymne auf die hübsche und offensichtlich mit allen schmutzigen Wassern gewaschene Bedienung mit Rufname Plane Jane wie ein Geschenk zum sechzehnten Geburtstag der Tochter klingt. Sechzehnjährige Jung-Amerkanissen bekommen eine Brustvergrößerung und/oder Nasenverkleinerung geschenkt.

Und der Kritiker schenkt sich jetzt einen Whiskey ein, qualmt die Bude voll und hört Whole Lotta Rosie von AC/DC, um sich von der überflüssigsten CD des ersten Halbjahres 2005 zu erholen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 12.06.2005

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:
Startseite > CD-Reviews > Van Zant > Get Right With The Man

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum