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Groovin' Trip

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Groovin' Trip
Groovin' Trip, Artesuono Produzioni Musicali, 2004
Fabio Drusin Vocals, Bass, Harmonica
Jimi Barbiani Guitars, Backing Vocals
Sandro Bencich Drums
Gast:
Johnny Neel Hammond Organ, Piano, Vocals (*)
Produziert von: Stefano Amerio & W.I.N.D. Länge: 78 Min 50 Sek Medium: CD
1. Lucky Man6. Dance With The Devil (Live)*
2. Fake It7. Whipping Post (Live)*
3. Why Me*8. One In A Million
4. Boogie Man (Live)*9. Trieste Wind*
5. Can You Feel Me (Live)*

Als wenn ich es nicht besser wüsste... Sagte Sänger und Bassist Fabio Drusin im Interview vor knapp 4 Monaten noch "Das Album wird richtig 'strange'. Irgendwas zwischen Rock, Blues, Jazz, Fusion und Progressive Rock."
Ja, und? Was ist es geworden? Ganz einfach: Unglaublich!
Zur Hälfte live on stage, zur anderen Hälfte live im Studio aufgenommen und zu zwei Dritteln mit dem großartigen Johnny Neel an Hammond, Piano und Mikrophon. Die CD heißt denn auch "Groovin' Trip" - und nichts anderes ist sie geworden. Fast 80 Minuten reist der Hörer durch die Weiten des Bluesrock, darf sich alle Zeit der Welt nehmen, um atemberaubende Jams zu erleben, eine Band, die auf einem Niveau spielt, das man bestenfalls bei zwei handvoll anderen heute noch lebendigen Kapellen erlebt und sich trotz aller Zitate aus Jahrzehnten Rockgeschichte immer auf frischem und eigenständigem Terrain bewegt.

Zugegeben, ich hatte einen Wissensvorsprung. Fabio drückte mir im September eine CDR mit drei Jams in die Hand, Trieste Wind und Why Me? sind auf "Groovin' Trip" enthalten, und befragte mich damals, was ich denn davon hielte. Ich war fassungslos, denn so viel "richtige" Musik erlebt man trotz allem Jam-Charakter auf der CDR selten. "Packend" ist das einzige Attribut, das mir einfiel. Bis heute hat sich daran nichts geändert. Bei Why Me?, zum Beispiel, kann man einer zentimeterdicken Gänsehaut einfach nicht entgehen. Johnny Neel singt wie von einem anderen Stern, drückt alle nur irgend denkbaren Gefühle in diesem Zehnminüter aus und dann überkommt einen ein Solo von Gitarrist Jimi Barbiani, das seinesgleichen sucht und wohl nicht finden wird.
Messerscharf: Lucky Man und Fake It, bei denen W.I.N.D. zeigt, dass Trios mitnichten austauschbar sind. Tief wie der Marianengraben und heavy wie eine Dampflokomotive walzen die drei Italiener virtuos jeden Zweifler nieder.
Boogie Man war in der Kurzversion bereits auf dem letzten Album "Hypnotic Dream" vertreten. Diesmal in der Livefassung mit Neel und über acht Minuten lang und es ist etwas geworden, was man als Ode an den Boogie bezeichnen könnte - Gospelchöre erzeugen manchmal eine ähnliche Faszination (wenn sie nicht grade in der Vorweihnachtszeit durch jede nur denkbare Kirche, Fußgängerzone und Fernsehsendung turnen und so kalkuliert wie eine Boygroup klingen). Preach the boogie, praise the boogieman! Dass man jeden Ton kennt, spielt nicht die geringste Rolle. Denn SO (intensiv) hat man sie lange nicht gehört (die Töne). Die Band spielt sich in einen Rausch, der scheinbar nicht enden will.

Einmal mehr muss man die vorzügliche Produktionsarbeit loben. Stefano Amerio hat wieder einen Sound geschaffen, der so analog wie nur irgend möglich klingt, keine Sekunde Zweifel an der Livesituation aufkommen lässt und in Punkto Wärme und Druck Referenzqualität hat. Der Mann kommt aus der Jazzszene - noch Fragen?

Eine weitere Viertelstunde später, die aufwühlenden Nummern Can You Feel Me (mit wunderbaren Southern Rock Einflüssen) und Dance With The Devil liegen dazwischen, darf man ein weiteres Highlight erleben. Whipping Post, von Gregg Allman 1969 geschrieben und seither auf Dutzenden Veröffentlichungen der ALLMAN BROTHERS BAND immer und immer wieder verbraten, erlebt mit W.I.N.D. und Johnny Neel seine späte Rehabilitation. Vergessen sind die uninspirierten Abhandlungen der Urheber - oder was von denen heute noch übrig ist - aus den letzten Jahren, hier hört man eine derart beseelte Version dieses genialen Songs, dass man unwillkürlich an die genialische Fassung auf "At Fillmore East" denken muss. Dreizehn Minuten pure Lust an der Musik.
Johnny Neel ist eine Offenbarung an den Keyboardtasten. Auf seiner Homepage kann man folgenden Satz lesen: "Roots Rock, Blues, Southern Delta Boogie, New Orleans Swamp Funk, call it what you want, it's here, it's the real deal, it's me". Was ein wenig arrogant klingt, erweist sich in Wahrheit als untertrieben. Neel ist einer der ganz wenigen - heute noch kreativen - Künstler, die Seele und technische Perfektion unter einen Hut bringen. Kongenial dazu passend, tritt W.I.N.D. als traumhafte Band in Erscheinung, einmal dezent zurückhaltend, dann wieder brachial rockend und immer so, dass der GROOVE im Vordergrund steht.

"Groovin' Trip" ist nicht nur aufregend, perfekt und fesselnd, sondern dazu wunderschön und deswegen eben DAS ALBUM DES JAHRES 2004!
Als Fan dieser Band ist man sicher nicht unvoreingenommen. Aber ich hoffe, dass aufgrund dieser CD viele neue Fans hinzukommen und bin doppelt betrübt, die Konzerte im November nicht erlebt zu haben.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 26.12.2004


 
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