|
|
| Rockaholic, Frontiers Records, 2011 |
| Robert Mason |
Lead Vocals |
| Joey Allen |
Guitars |
| Erik Turner |
Guitars |
| Jerry Dixon |
Bass |
| Gäste: |
|
| Steven Sweet |
Drums |
| Produziert von: Keith Olsen |
Länge: 55 Min 17 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| 1. Sex Ain't Love | 8. Show Must Go On |
| 2. Innocence Gone | 9. Cocaine Freight Train |
| 3. Snake | 10. Found Forever |
| 4. Dusty's Revenge | 11. Candy Man |
| 5. Home | 12. Sunshine |
| 6. What Love Can Do | 13. Tears In The City |
| 7. Life's A Song | 14. The Last Straw |
 |
Der bitterböse österreichische Liedermacher Sigi Maron schrieb einst die Zeilen: "Jessas na, a Frau am Pissoir." Einem ordentlich langhaarigen Rocker erging es in den Achtzigerjahren ständig so, denn auf dem Klo standen neben ihm ständig dauergewellte Gestalten, denen man oft nicht mal auf den zweiten Blick eine eindeutige Geschlechtszugehörigkeit attestieren konnte. Es war die damalige Popkultur und Mode, sich als Kerl mit einer Pudelfrisur, geschminkten Augen und Spandex-Hosen ins Nachtleben zu stürzen - schuld an dem Blödsinn waren unter anderem Bands wie WARRANT. Dass sich der Trubel um diese lauwarmen Glam-Vögel schnell legen würde, war von Anfang an klar, für WARRANT hat es immerhin zu zwei Platin-Alben und dem Hit Heaven gereicht, logischerweise eine Powerballade (bitte vergleichen Sie mit dem gleichnamigen Song auf "Monster Of Rock" von Sascha Gutzeit). Danach kamen die typischen Umbesetzungen, Auflösungen, Wiedervereinigungen und Comeback-CDs, die von der ebenfalls typischen Publikumsignoranz und kleinen Plattenfirmen begleitet wurden. Ein paar Revival-Tourneen in den letzten 15 Jahren kamen hingegen ganz gut beim amerikanischen Publikum an. Und nun finden sich alle diese kalifornischen und sonstigen Hair-Metal-Popbands wieder beim italienischen Label Frontiers Records. Die Wege des Musikbusiness sind nicht wirklich erklärbar.
Bis auf den chronisch unzuverlässigen Nasenpuderliebhaber Jani Lane haben sich alle Mitglieder der glorreichen Jahre 1989 bis '91 wieder zusammengetan, aktueller Sänger ist Robert Mason, der mal für LYNCH MOB und die schändlich zugrunde gegangenen CRY OF LOVE tätig war und den jungen Lane absolut nicht ersetzen kann. Ob der allerdings heute noch so abgehen könnte wie 1989... Als Produzenten holten sich die sichtlich und nicht zum Nachteil gealterten Ex-Poser für "Rockaholic" den ebenfalls deutlich angegrauten Keith Olsen, der mit den neuen Songs genau das tat, was ihm vor Jahrzehnten den Ruf eines Superproduzenten einbrachte: Hochziehen, lauter drehen, Volumen reinpumpen und vor allem alles mit ganz viel Klarlack und Politur überziehen. Um ehrlich zu sein, ein bisschen mehr Erdung, also Analogtechnik, hätte "Rockaholic" nicht geschadet, vor allem die straighten Rocker wie The Last Straw kann man sich in einer naturbelasseneren Form gut vorstellen. Andererseits dürfte das den alten Fans vermutlich nicht gefallen, also gibt es eben den maximal aufgeblasenen und dann komprimierten MP3-Sound, wie er nicht nur in diesem Genre heute üblich ist.
Den besseren Klopfern auf "Rockaholic" schadet die Produktion nicht, die klingen einfach wie WARRANT in den besten Momenten immer geklungen hat, also wie ein richtiges Hard-Rock-Dampfschiff, bei den mehr oder weniger verzweifelten Versuchen einen neuerlichen Radiohit zu landen, muss man als "innovativer" Rockkritiker allerdings schwer schlucken. Derlei klang vor 20 Jahren pappig, heute ist es kaum auszuhalten.
Höhepunkte sind sicherlich "Head down"-Treter wie Sex Ain't Love, The Last Straw oder Cocaine Freight Train (ein halbes Remake des BLACKFOOTschen Train, Train-Remakes vom "Cherry Pie"-Album), dazwischen finden sich unspektakuläre Heavy-Nummern wie Snake oder das anfänglich brandheiße Dusty's Revenge mit seinem bluesigen Intro, wie es die Kollegen von CINDERELLA einst vormachten. Die "Powerballaden" sind wie in der Vergangenheit vernachlässigbar.
"Rockaholic" ist am Ende schon ein gutes Album, aber im Zweifel würde ich "Cherry Pie" oder "Dirty Rotten Filthy Stinking Rich" dann doch vorziehen. Nicht aus Nostalgie, eher wegen der fragwürdigen Notwendigkeit solcher Bands im Jahr 2011. Und wegen dem Sound. Und weil keine Gitarrenschlachten wie einst bei Big Talk mehr stattfinden - da war nämlich noch der Geist von THIN LIZZY zu spüren.
|