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Bombardero

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Bombardero
Bombardero, Slick Monkey Records, 2009
Clem C. Clemsen Lead Vocals, Lead Guitar, Keyboards
Hollis P. Cartwright III Lead Guitar
Dingo von Devereaux Lead Drums, Percussion
Bubba Lee "Rooster" Phett Lead Bass, Vocals
The Cousin Who Hath No Name Lead Guitar
Charles Chainsaw Lead Cowbell, Chainsaw
The Sergeant Lead Vocals, Lead Harmonica, Keyboards
Jessie Lactateur Lead Keyboards
Gäste:
Mudflap Williamson Drums (Buried In The Desert, This Cracker & Frankenstein)
Robbie "Cadenza" Fenton Lap Steel (Buried In The Desert), Baritone Sax (This Cracker)
Jennifer "Rocks Glass" Ryan Background Vocals (Buried In The Desert & Keys To The Universe)
Amer Le Scelle Tambourine (Buried In The Desert)
Produziert von: Rolfe, McIntyre, Campbell Länge: 41 Min 10 Sek Medium: CD
1. Bombardero I7. Polecat
2. Keys To The Universe8. Ground Down
3. Piece Of The Action9. Frankenstein
4. Bombardero II10. Happy Ending
5. This Cracker11. Bombardero III
6. Buried In The Desert

Premiere! "Bombardero" ist die erste Scheibe von WHITE COWBELL OKLAHOMA, die mehr als einen Durchgang bis zur definitiven Kaufempfehlung braucht. Das kommt durchaus überraschend, denn "Casa Diablo und "Cencerro Blanco" waren auf Anhieb Inselplatten - und sind es heute noch. Was ist passiert? Sind die schrägen Kanadier etwa brav geworden oder gar etabliert? Wollen sie jetzt die Hitparaden knacken oder fällt ihnen nichts mehr ein? Alles Quatsch natürlich, sie probieren nur ein wenig rum, alles halb so schlimm, am Ende stellt man das Ding doch ins Regal mit seinen Lieblingsplatten.

Betrüblich ist, dass man auf der neu gestalteten und leider sehr abgespeckten Homepage lesen muss, dass The Sergeant (Sarge) während der Aufnahmen von "Bombardero" ausgestiegen ist und nur drei Songs auf der CD eingesungen hat. Auch wenn WCO dies als Schritt zu einem "lean, mean rock sextet" sehen, speziell live wird der wechselnde Leadgesang zwischen diesem Irren und Clem C. Clemsen fehlen. Und wieso eigentlich Sextett? Es bleiben doch immer noch 7 aus der Stammbesetzung übrig. Aber sei's drum, diesmal kreischt der Sarge noch ein wenig mit. Sein Abgang ist nicht der Grund für die anfängliche leichte Verblüffung über "Bombardero", daran ist die musikalische Kurskorrektur "schuld", denn es fehlen plötzlich fast gänzlich die bisher so stilprägenden zweistimmigen Gitarrensoli, die WCO zur geilsten kanadischen Quasi-Southern-Rock-Band gemacht haben. Aber auch hier Entwarnung: zwischendurch jubilieren immer noch zwei oder gar drei Gitarren im Formationsflug, man muss sie nur aufspüren im "neuen" Programm.

Wohin geht die Reise also? Deutlich zurück in die Anfänge der 70er Jahre, hin zu den Pionieren des damals schaudernd Heavy Metal genannten Progressive Hard Rock. Zwangsläufig fallen einem Namen wie HAWKWIND, ATOMIC ROOSTER, GRAND FUNK und natürlich BLACK SABBATH ein - und schon ist man schlauer, denn die vermeinte man bereits auf den beiden ersten CDs sporadisch zu hören. Wir stellen ergo fest, dass "Bombardero" mitnichten ein kompletter Turnaround ist, im Jahr 2009 werden schlicht ein paar andere Einflüsse als Southern Rock und Boogie präferiert. Noch mal Entwarnung: den Boogie haben sie auch nicht verlernt, er ist nach wie vor da, ein wenig subtiler vielleicht, aber keinesfalls in der Wüste begraben (Buried In The Desert). Fünf Minuten Musik für die Ewigkeit sind das übrigens.
Kleine Double-Leads gibt es auch in Polecat, einen zünftigen Boogie in der letzten Minute auch, davor eine beeindruckende Mundharmonika (wird nicht umsonst als "Lead Harmonica" bezeichnet) und eine dermaßen aufpolierte Version von möglichen ZZ TOP-Breaks aus der "Degüello"-Zeit, dass man als Kampfrichter automatisch die 6,0 zückt.
Eine 5,8 gibt es für Frankenstein (Cover bekommen grundsätzlich 0,2 abgezogen). Die Umsetzung des Klassikers ist so gut gelungen, dass Edgar Winter begeistert sein dürfte. WHITE COWBELL OKLAHOMA versuchen nicht, den Wahnsinn des Originals zu kopieren, legen im Gegenteil drei Minuten lang eine ziemlich beschwingte und trotzdem hart rockende Fassung hin, fügen neu arrangierte synthetische Töne hinzu, lassen die Gitarren singen und ziehen am Schluss alle Register, um aus dem ollen Monster einen echten Frankenstein Junior zu machen. 1A gelungen. Und ja, mir ist bekannt, dass nicht Frankenstein das Monster war, aber der Song aus dem Jahr 1972 ist eines.
Mit dem dreigeteilten Titelsong könnte man ein wenig Probleme bekommen, denn Teil 1 und 3 sind als Intro und Outro konzipiert, einzig Bombardero II hat die landläufig als normal bezeichnete Songstruktur. Und was für eine. Das ist reinste Psychedelic, die FLOYDs Syd Barrett und HAWKWINDs Dave Brock in die, nun ja, geistige Umnachtung treiben könnte. Das unheilvolle Ground Down hilft dagegen nicht, bietet aber das wohl beste Gitarrenscharmützel der CD.
Bevor es untergeht: This Cracker liefert 2 3/4 Minuten Rock'n'Roll mit Gebläse und dem berüchtigten WCO-Punkfeeling inklusive Gitarre aus dem Delikatessenladen.

Für den Einkaufszettel: "Bombardero" von WHITE COWBELL OKLAHOMA ist etwas weniger südstaatenlastig als die Vorgänger, dafür ein bisschen abgefahrener, falls das bei dieser Band überhaupt noch geht. Man traut sich kaum den Begriff "Classic Rock" in den Mund zu nehmen, aber das hier ist Classic Rock in Reinkultur. Und zwar in der denkbar frischesten und unverschämtesten Ausprägung. Ein Muss für jeden vorwärts UND rückwärts schauenden Fan, für die WCO-Hardcore-Clique selbstverständlich sowieso.
Bleibt nur zu hoffen, dass WCO weiterhin eine Band bleibt und nicht zu einem Solo-Vehikel von Clem wird. Das Kollektiv macht es aus, bei diesen skurrilen Underground-Superhelden, nicht das Individuum.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.06.2009

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