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Casa Diablo

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Casa Diablo
Casa Diablo, Slick Monkey Records, 2006
Clem Lead Vocals, Lead & Rhythm Guitars, Timpani
Sarge Lead Vocals, Lead & Rhythm Harmonica, Bass (Tear You A New One)
Jesse Organs, Piano & Moog Synth
Hollis Lead & Rhythm Guitars
Chainsaw Charlie Cowbell, Chainsaw, Bullhorn
Bubba Lee Phett Bass, Guitar (Sugar City), Lead Vocals (Tear You A New One)
The Cousin Who Hath No Name Lead & Rhythm Guitars
Jessup H. Christ Lead & Rhythm Guitars
Dingo von Devereaux Drums, Percussion, Dingos
Gast:
Robbie 'Cadenza' Fenton Pedal Steel Guitar (Fly Away)
Produziert von: Meher Steinberg & WCO Länge: 69 Min 31 Sek Medium: CD
Act One:Act Two:
1. Adjust Your Set8. She Likes To Boogie
2. Faster Than Sin9. Sugar City
3. She's Got My Love In Her Hand10. Koko Girl
4. Get On, Get Down11. Bulletproof
5. Fly Away12. Ace In The Hole
6. (Tear You) A New One13. Time To Ride
7. Do Me So Wrong

Eine rechts, zwei links, dann ne Grade an die Kinnspitze, auf die Backen, eine mit der flachen Hand aufs Ohr, peng, autsch, die Nase, und dann einen anständigen Tritt in die Eier. Wer dann noch blöd fragt, kriegt Nachschlag.
Tut's weh? Soll es auch! WHITE COWBELL OKLAHOMA sind wieder da und wohnen jetzt in der "Casa Diablo". Wer dort lebt, ist Kummer mit den Nachbarn gewohnt und greift bei Unstimmigkeiten drastisch durch. "Casa Diablo" ist gefährlich und böse, es ist laut und es stinkt, aber Chainsaw Charlie, der Hauspolizist, passt auf, dass Unzucht und Chaos erhalten bleiben und keiner zu kurz kommt, bei der Verteilung der täglichen Boogie-Trash'n'Southern-Hardrock-Sexpunk Drogenration.
Du brauchst es ein bisschen härter, Baby? Du hast die Schnauze voll von der Kuschelnummer? Come on, mach dich locker, adjust your set, denk an was geiles - mich...

"Cencerro Blanco" war im letzten Jahr der Weckruf für die verschlafenen Überbleibsel verflossener Southern Rock Herrlichkeit. Den Schuss haben offenbar nicht alle gehört, also gehen WCO jetzt in die Offensive und drohen ganz unverhohlen mit körperlicher Züchtigung.
"Casa Diablo" ist in 'Act One' und 'Act Two' aufgeteilt. Seite A und Seite B; A wie Arschtritt, B wie Boogie. Ganz am Schluss der CD ist nach einer längeren Pause ein schlimm grollendes Gewitter zu vernehmen. Der ausgeknockt in der Ecke liegende Hörer wird den Regenguss brauchen. "Casa Diablo" ist die fieseste, gemeinste, heftigste Gitarrenorgie mit multiplem Ausrastorgasmus seit, hmmm, seit wann eigentlich? Seit "Cencerro Blanco", denn keine andere Band hat vorher jemals solchen räudigen Monster-Rock & Roll auf diesem Niveau verbrochen. WHITE COWBELL OKLAHOMA sind einzig und weitestmöglich entfernt von artig. Vier Gitarren und die freundliche Angriffslust eines gemeingefährlichen Kampfdackels.

Der situierte Hörer wird angesichts der beiden ersten Attacken und nach dem zwangsläufigen Schreck vielleicht an Lemmy denken. Nicht ganz abwegig, WCO "pflegen" den Classic Rock mit ähnlichen Samthandschuhen, allerdings heben selbst bei den rüdesten Übergriffen zwischendurch immer mal wieder zwei oder gar drei Gitarren zum Formationsflug ab. Geht natürlich bei Lemmy rein quantitativ nicht. Auch eine gewisse Ähnlichkeit im Humor ist nicht von der Hand zu weisen, der übelste Wutwürfel hier heißt She's Got My Love In Her Hand, hähähä. Aber die kanadischen Schräglinge können natürlich auch ganz anders. Get On, Get Down donnert höchst glamourös im zigfachen Gitarren-Gleichschritt daher und Fly Away wird gar von einer Pedal Steel veredelt. Wunderschöner, stimmungsvoller (Country) Rock, natürlich von den Gitarren dominiert und letztendlich ein Wolf im Schafspelz. Dem Historiker könnte das SIR DOUGLAS QUINTET in Shuffle-Laune dazu einfallen.
WCO können bekanntlich nicht nur die Gitarren wechseln wie andere die Fernsehprogramme, sie haben auch 3 Vorsänger. Neben Sarge und Clem darf bei (Tear You) A New One Basser Bubba Lee Phett ran - und dröhnt wie weiland BACHMAN TURNER und vor allem OVERDRIVE einen dermaßen satten Guitar-Organ Seventies-Knaller ins Gebälk, dass es zwangsläufig auch den hinterletzten Altrocker aus dem Sessel befördern muss. Und noch vor dem Ende des Songs ins Grab, denn Bubba führt mit einem Todesgrunzer jeden Death Metaller ad absurdum.
Bis hierher, Track #6, haben wir beste Unterhaltung einer überragenden Band gehört. Doch dann kommt kurz vor Act Two der angedrohte Nachschlag:
Wo Do Me So Wrong noch alte Blues-Schemata pervertiert und zu einem Festival der Gitarrengeilheit macht, packt She Likes To Boogie den Teufel am Schwanz und schleudert ihn durch die Boogiemaschine bis er kotzt. Tja, so einen Brecher muss man erstmal gehört haben. Unfassbar. Und doch wahr, wir konnten die Band schon live erleben und können bestätigen, dass WHITE COWBELL OKLAHOMA diesen Wahnsinn auch on Stage problemlos aufführen können.
Einen Stadionboogie à la GRAND FUNK oder AEROSMITH nachgeschoben und dann, das Auge tränt längst, der little old Band from Texas mit Koko Girl gehuldigt. Man kann Hollis, den Mann mit Bart und doppelläufiger Gitarre, direkt sehen, wenn er dieses kleine Mördersolo zwischen den Strophen spielt - und man geht auf die Knie.
Noch ein Hammond-betriebener Klassiker mit Ace In The Hole. Vincent Crane von ATOMIC ROOSTER hätte für diese Nummer seine letzte Hasenkralle gegeben, und zum Abschied das an die Sixties gemahnende Time To Ride. Es ist große Kunst, im Jahr 2006 eine zeitgemäße Sixties-Nummer zu schreiben.

Wie gesagt, den unbelehrbaren Traditionalisten unter den Rockfans wird "Casa Diablo" sauer aufstoßen und zu erhöhtem Verbrauch von Bullrichsalz führen. Wer Lust auf gekonnten Trash, mutwillige Körperverletzung mit monströsen Southern-Gitarren und garantiertem Gaudi-Kopfstoß hat: WHITE COWBELL OKLAHOMA bieten zum zweiten Mal den größtmöglichen Spaß für Euch. Die Schöne auf dem Cover, die mit dem Halsband, hat ihn offensichtlich auch.

Und nie vergessen: It's only Rock & Roll und keiner isst so heiss wie er kocht. WCO kochen allerdings verdammt heiss.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.07.2006

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