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Live At Donington 1990

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Live At Donington 1990
Live At Donington 1990, Frontiers Records, 2011
David Coverdale Vocals
Steve Vai Guitars
Adrian Vandenberg Guitars
Rudy Sarzo Bass
Tommy Aldrige Drums
Länge: 100 Min 07 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. Slip Of The Tongue6. Adagio For Strato
2. Slide It In7. Flying Dutchman Boogie
3. Judgement Day8. Is This Love
4. Slow An Easy9. Cheap An' Nasty
5. Kitten's Got Claws10. Crying In The Rain (feat. Drum Solo)
CD 2:
1. Fool For Your Loving5. Bad Boys
2. For The Love Of God6. Ain't No Love In The Heart Of The City
3. The Audience Is Listening7. Still Of The Night
4. Here I Go Again

Alle waren sie da, bei diesen Festivals auf dem legendären Motorspeedway in der Nähe von Nottingham. Und wer die Wurfgeschosse aus mit Urin gefüllten Bierbechern oder wie bei BON JOVI einen Schweinekopf überlebt hatte, der konnte sich auf eine großartige Karriere in Europa einstellen. Und hier waren wirklich viele, die in der Metal- & Hardrockszene Rang und Namen hatten und haben. Angefangen mit RAINBOW (die der erste Headliner des ersten Festivals 1980 waren), über die SCORPIONS, METALLICA, IRON MAIDEN, AC/DC, STATUS QUO, SAXON, ZZ TOP - die Liste ließe sich ellenlang weiterführen. Tragisch: Bei dem Auftritt von GUNS N'ROSES 1988 kam es zu zwei Todesfällen, was zur Folge hatte, dass 1989 der August in Donington ruhig blieb.
Ein Jahr später ging es dann aber wieder mit dezimierter Zuschauerzahl (statt 100.000 durften nur noch 72.500 Musikwütige das Gelände bevölkern) und voller Phonstärke weiter. THUNDER, QUIREBOYS, POISON, AEROSMITH und als Headliner WHITESNAKE pusteten der Meute die Gehörgänge frei. Während AC/DC 1992 und IRON MAIDEN 1993 ihre jeweils im Vorjahr aufgezeichneten Auftritte in Donington der Musikwelt auf DVD vorstellten, ließen sich WHITESNAKE damit ganze 21 Jahre Zeit. Schade oder nicht schade, das ist hier die Frage - wie auch immer die Antwort ausfällt: ich bin begeistert!

"Live At Donington 1990" zeigt die Schlange aus meiner Sicht in Bestform. Die Bluesfrühphase der Band hat mir bis heute noch nicht zugesagt, was aber auch damit zu tun haben kann, dass ich erst mit Erscheinen von "Slip Of The Tongue" mit Mr. Coverdale und seiner Truppe in Kontakt kam. Für mich ist das hier ein Beweis dafür, wie gut die Truppe mal war. Versucht man heute mit Breitwandballeralleszu-Gitarrensound auf modernen Hardrock zu tun, war hier noch ein Unterschied zwischen den Gitarren zu erkennen. Mit Steve Vai und Adrian Vandenberg standen zwei Gitarrengötter der damaligen Stunde auf der Bühne, die nicht nur in ihren beiden Solobeiträgen, sondern auch in den Liedern beweisen konnten, dass die weiße Schlange Biss hatte. Das Set bestand zur Hälfte aus Songs des "1987"-Album und der damals aktuellen "Slip Of The Tongue"-Scheibe. Dazu die beiden obligatorischen Slide It In- und Slow An' Easy-Klassiker und natürlich nicht zu vergessen Ain't No Love In The Heart Of The City. Vielleicht sollten die Herren Beach und Aldrich hier mal reinhören. So hat die Nummer Dampf, Feuer und Tiefgang! Und Mr. Aldridge sollte sich nochmal anhören, wie er früher Schlagzeug gespielt hat. Nicht nur baller-balla, sondern mit Drive und so, dass man auch den Rest der Band noch hören kann.
Wer WHITESNAKE zu ihren Hardrockzeiten der späten 80er-, frühen 90er-Jahre liebt, kommt um dieses Livedokument nicht umhin. Wer zusätzlich noch was auf die Augen bekommen möchte, greift dann gleich die Special Edition mit entsprechender DVD ab.

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 12.06.2011

Jetzt ist das Maß aber voll, Herr Kollege. WHITESNAKE anno 1990 als Band in Bestform zu bezeichnen, ne, das geht gar nicht. Als supertoleranter Mensch hat man vielleicht noch Verständnis, wenn jemandem die Moody/Marsden-Phase nicht gefällt, weil er damals entweder zu jung, zu taub oder auf der Waldorfschule war und seinen Namen am liebsten mit den auftoupierten Haaren an Wände pinselte, aber Vai und Vandenberg als Götter zu bezeichnen, und das auch noch im Zusammenhang mit WHITESNAKE, das fetzt einem den wilden spitzen Rock'n'Lederschuh vom Tanzbein.
"Live At Donington 1990" zeigt exakt jene Band, die jedem echten Hardrocker den Schmelz von den Zähnen gebollert hat, inklusive einem besinnungslos brüllenden David Coverdale, gruseligen Keyboard-Hochhäusern und den völlig außer Kontrolle geratenen Taschenspielertricks von Steve Vai. Wären die Konzerte in diesen Jahren nicht so schrecklich laut gewesen, hätte man die "Aufhören"-Rufe der entsetzten Fans hören können, so ist leider nur das endlose Gequietsche der Gitarren, vermischt mit den Balzschreien Coverdales zu vernehmen.
Zugegeben, aus dem Material von "1987" machte die Band auch beim "Monsters Of Rock" das bestmögliche, aber das war eben nur aufgeblasenes Hair-Metal-Getue mit so wenig Substanz, dass es mal grade für lächerliche acht Millionen verkaufter LPs, ein paar Hitsingles und Dauerrotation bei MTV reichte. Sogar das ehrwürdige Here I Go Again wurde zu diesem Zweck vergewaltigt.

Aber mal ohne Spaß. Coverdale machte mit "1987" und zwei Jahre später mit "Slip Of The Tongue" aus WHITESNAKE eine Band, die mit der von "Trouble", "Lovehunter" und "Ready An' Willing" absolut nichts mehr zu tun hatte. Entsprechend unanhörbar sind auf "Live At Donington" die wenigen alten Nummern, weil ihnen jegliches Blues- und Boogiefeeling fehlt. Wer das nicht braucht, bitteschön, aber wer lieber eine Slidegitarre als durch tausend Effektgeräte gejagte Metal-Äxte mit sieben Saiten hört, muss um "Live At Donington 1990" einen riesengroßen Bogen machen. Davon abgesehen ist das Geklopfe von Ian Paice und allen anderen ehemaligen WHITESNAKE-Trommlern inklusive Cozy Powell zigmal angenehmer als die herabstürzenden Betonteile von Tommy Aldridge.
Und wir beide, mein lieber Friedemann, wir gehen bei Gelegenheit einen Kasten Bier vernichten und hören dazu richtigen Rock & Roll ;-)

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 13.06.2011

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