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From The Purple Skies

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From The Purple Skies
From The Purple Skies, Black Widow Records, 2004
Lucio Calegari Electric & Acoustic Guitar, Voices, Tambourine, Lead Vocals (Forever My Queen)
Paolo "Apollo" Negri Hammond Organ, Mellotron, Moog Synthesizers, Electric & Grand Piano
J.C. Lead & Harmony Vocals
Andrea Concarotti Drums
Enrico Garilli Bass
Gast:
Patrizio Borlenghi Flute (Space Child, Drifting & Return To Uranus)
Produziert von: Black Widow Records & Wicked Minds Länge: 78 Min 16 Sek Medium: CD
1. From The Purple Skies6. Rising Above
2. The Elephant Stone7. Queen Of Violet
3. Drifting8. Space Child
4. Across The Sunrise9. Gypsy
5. Forever My Queen10. Return To Uranus

Ätsch, reingefallen. Ich habe diese CD einem Alt-Freak aus den Siebzigern als nie veröffentlichtes Supergroup-Projekt angedreht. Und der wäre beinahe durchgedreht. "Wie kann man denn so was nicht veröffentlichen... spinnen die... meine Güte, wer hat denn diesen genialen Sound hingekriegt..." waren seine Worte und trotz seiner - ohrenärztlich bestätigten - völligen Blindheit jeder nur halbwegs neumodischen Musik gegenüber, der Mann hat in diesem Fall einfach nur recht. Es gibt Platten, die hört man und ist hin und weg davon. "From The Purple Skies" gehört eindeutig zu dieser seltenen Spezies.

Fangen wir beim Anfang, also etwa 1970, an. Man bekommt die erste Gänsehaut beim Anfassen des Booklets. Seidiges Hochglanzpapier und darauf gedruckt, in wunderbar altmodischen Farben, Bilder aus einer lange vergessenen Zeit. Marshall Verstärker überall, Moog Synthesizer, Hammond Orgeln, Mikrophone die noch nach Mikrophon aussehen und ein Drumkit, das definitiv von Ian Paice zusammengestellt wurde. Auf der Rückseite eine Schöne im gelben Hosenanzug und mit Strohut - Uschi Obermeier hat mal so ähnlich posiert. Wer auch nur einen Funken Ehrfurcht vor einem Tonträger hat, wird versonnen ein Viertelstündchen blättern, gucken und lesen und sich dann ein Kännchen Himmlischer Glückstee aufbrühen. Dann wird er die CD einlegen, dem Laser gut zureden, dass er sich nur dieses eine Mal wie ein Plattenspieler verhalten soll und seinen Strahl gaaanz langsam in die Rillen eintauchen lässt. Denn diese CD hat Rillen, niemand darf anderes behaupten!

Wir haben bisher noch keine Musik gehört, sind aber maximal entspannt und drehen uns beim ausladenden Hammond-Moog Intro noch eine(n). Und dann dampft die Rock-Lok los. Nein, ich möchte nicht von den Assoziationen zu URIAH HEEP oder DEEP PURPLE sprechen. Ja, natürlich klingt der Titeltrack dieser CD genau nach diesen Göttern. Aber, dieser Song wurde im Jahr 2004 (oder 2003) aufgenommen und solche Großtaten haben die Altmeister seit Jahrzehnten nicht mehr zustande gebracht, treten lieber bei Gottschalk auf und zelebrieren ihren eigenen Altersstarrsinn. Wir sprechen also über neue Musik und nicht über irgendwelchen Retro-Revival-Shit. Jessas, das geht so unter die Haut. Diese Keyboards, dazu ein gradezu manischer Gitarrist und ein Sänger, der sich die Seele aus dem Leib singt. Welch eine Wohltat für Dumm-Rock geschädigte Schreiberlingsohren - wir muten unseren Lesern viel zu, aber es ist nur ein Bruchteil dessen, was sich heutzutage Musik nennt. Dazu eine Produktion, die zwar den Geist der frühen Siebziger ausströmt, aber so unglaublich transparent und frisch klingt, wie ich es zum Beispiel von Deutschlands bester Southern Rock Band gewohnt bin (Ihr wisst wen ich meine, alle anderen dürfen gerne fragen). Da lief noch echtes Band bei der Aufnahme!
Im zweiten und dritten Durchlauf fallen dann die weiteren Feinheiten auf. Der Schlagzeuger brilliert pausenlos mit unerhörten Wirbeln, Fills und Breaks, derweil er die Band gnadenlos nach vorne schiebt. Am Bass ist ein offensichtliches Viersaitenmammut, wenigstens drücken seine tiefen Töne so geschmeidig wie unnachgiebig jede Türe auf.

Dies war der erste Track dieser CD. Dauert 6 Minuten und liegt damit, bis auf das mit knapp 3 Minuten relativ kurze PENTAGRAM-Cover Forever My Queen, unter der durchschnittlichen Songlänge auf diesem Album. Also auch hier wieder ein deutlicher Hinweis auf damals, als man sich noch Zeit nahm, Songs genau so lang zu spielen, bis alles notwendige gesagt war. Ein Einsatz im Radio schließt sich für WICKED MINDS dementsprechend aus, so lange können die Kommerzpupser nicht mit ihren Werbepausen warten.
Langsam dürfte allen Lesern klar sein, was diese Band eigentlich treibt. Hardrock, Floydsche Psychedelic, Doom (doch, BLACK SABBATH waren auch einmal eine wirklich wichtige Band), Vorzeige-Bluesrock wie in Rising Above, Namen wie ATOMIC ROOSTER und HAWKWIND kommen einem in den Sinn und über allem schwebt der Geist der frühen URIAH HEEP. Genau denen huldigen WICKED MINDS im überwältigenden Gypsy, kurz vor Schluss der Schallplatte. Mick Box und Ken Hensley dürften erblassen, angesichts der Power dieser Version. An den Tasten sitzt einer mit Spitzname Apollo. Apollon ist der Gott der Musik und der Dichtkunst.

"From The Purple Skies" dauert beinahe 80 Minuten und nicht eine einzige davon ist überflüssig. Es ist ein Gesamtkunstwerk, für Rockfans eine Offenbarung, für junge Menschen eine Geschichts-Doppelstunde, für ältere eine Zeitreise und für Technik-Fetischisten ein Tritt in die Software. Es geht auch so: Musiker, die ihre Instrumente beherrschen und ihrer Gibson alles denkbare abverlangen, Songs mit gloriosen Melodien schreiben (Across The Sunrise ist ein Ohrwurm allererster Güte - Manfred Mann hat mit seiner EARTH BAND solche Kaliber im Repertoire) und dennoch hart rocken, sich traumhaft sicher durch schwierigste Passagen singen und spielen und dennoch nie den Eindruck einer Prog-Frickeltruppe hinterlassen, und sich vor ihren Helden zwar verbeugen, die Originale und sich selbst aber nie verbiegen. Man wünscht sich, dass es so was öfter gäbe. Nicht nur in der Musik, auch bei allen anderen Berufsgruppen, inklusive den Schreiberlingen.

Zum Abschluss gibt es 18 Minuten Return To Uranus. Wer sich nicht spätestens dann vor der italienischen Band WICKED MINDS verneigt, wird es nicht mehr kapieren.
Spät im Jahr, aber noch rechtzeitig um in den Top 10 ganz nach vorne zu schießen.
Gracie!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 18.12.2004

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