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Lost Pearls

(a.k.a. The Pigsty Tapes)
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Lost Pearls (a.k.a. The Pigsty Tapes)
Lost Pearls (a.k.a. The Pigsty Tapes), Talking Elephant, 2004
Andy Powell Guitar, Vocals
Ted Turner Guitar, Vocals
Martin Turner Bass, Vocals
Claire Hamill Bass
Steve Upton Drums
Produziert von: Martin Turner Medium: CD
1. It's Justice Done7. Halfway Cause (Claire Vocal)
2. The Bells Chime8. Football and Boxing
3. Hard On You9. John Sherry Jam
4. Out On A Limb10. Too Much Monkey Business (Live)
5. Where You Been11. Night Hawker
6. Halfway Cause (Martin Vocal)12. Sheriff of Sherwood (Demo)

Wenn irgendwo irgendwelche 'Lost Tapes' auftauchen, fragt man sich doch immer wieder, wie es sein kann, dass diese Dinge überhaupt verloren gehen? "Hey, ich habe da noch mehrere Stunden Musik, die ich immerhin ganz gut zu Geld machen könnte, oder den Fans zu Liebe als Demos einer CD beifügen könnte - aber was solls? Ich habe Geld wie Heu, wenn interessiert der alte Kram schon, und überhaupt, äähhh" ... Gute Güte! Oder muß man wirklich automatisch annehmen, dass das Zeug damals eben als zu unterirdisch für das Ohr des Liebhabers angesehen wurde - dann ist eine nachträgliche Veröffentlichung eine Frechheit. Oder, oder, oder...

Jetzt also WISHBONE ASH mal wieder mit Wiedergefundenem aus den Siebzigern, der glorreichen Zeit von Ash, mit Wisefield an der zweiten Leadgitarre. Da bekam Affe Powell Feuer und mußte die Tricks aus der Kiste kramen, mit denen er Ritchie Blackmore einst beeindruckt hatte, wenn man dem Mythos glauben will (Powell steht bei einem Konzert irgendwo mit seiner Gitarre backstage rum, Blackmore kommt mit seiner Gitarre an, wirft Powell ein paar Licks hin, die der mühelos, immer mit einem zusätzlichen Schnörkel versehen, zurüchschießt...). Alles nach Wisefield war - bis auf "Illuminations" und "Bare Bones" - eher weniger gut vom gitarretechnischen her, denn da kam erstmal der andere Turner aus der Versenkung, und man schnarchte sich durch ein paar Alben... alles Geschichte.

"Lost Pearls" ist, das muß man schon zugeben, vom Songwriting her nicht allererste Sahne - die haben sie damals schon auf die Alben wie "Smoke Without Fire", "Just Testing", "There's the Rub" u.s.w. gekleckert - die Sahne. Man widmet sich hier sehr dem Rock'n'Roll oder straightem klassichen Hardrock.
Hard On You ist ein Totalausfall, weil slouuuuuuuuuwwwwwwwwwwww und jaulig; aber auch der einzige. Alles andere hat Druck und kommt up-tempo daher. Turners eigentlich eher immer dünne Vocals erinnern sofort an die gute alte Zeit, man lehnt sich zurück und genießt ein Wishbone Ash Album mit Twin Guitar Leads.

Soundtechnisch ohne Makel, Turners knorriger Bass und Uptons Drumming treiben das ganze voran. Längere, songtechnisch ausgefeilte Miniopern vermisst man allerdings - das ganze bewegt sich im unter-10-Minuten Bereich, was ja nicht schlecht sein muß.
Justice Done hat das Intro von WHOs It's a Boy, wird aber zum veritablen Double Lead Rocker mit Rhythm Breaks und allem was das Herz des Ashliebhabers höher schlagen läßt, inklusive Powell at his best. Bells Chime geht ebenfalls nach vorne. Out on a Limb hat diesen Biss der Leadgitarren, die die manchmal etwas langweiligen Lyrics schnell vergessen machen. Where You Been shuffelt sich durch die Gegend. Halfway House mit Turner ist ok, dasselbe mit Hamill nervt etwas vom Gesang, bietet aber Abwechslung. Hätte was werden können aus Ash'n'Hamill.
Dann geht es aber endlich richtig los, man hat sich aufgewärmt: Football and Boxing knallt Dir das Riff um die Ohren, dass es eine Freude ist. John Sherry Jam zeigt die beiden Gitarristen plus Turner im Wechselspiel - eine Freude, eine Freude. Monkey Business kennt man, ist tot und wird von Ash auch nur bedingt wiederbelebt, immerhin live. Night Hawker schiebt den Pegel wieder nach oben, blöder Text allerdings ("Night hawker... street walker" - eine Reminiszenz an Turners Hamburger Zeit). Sheriff zu guter Letzt ist Stand and Deliver, Phoenix revisited, ohne Vocals. Wer braucht Vocals bei diesen Gitarren? Her Wisefield, Ihr Auftritt.

Fazit: Ash-Liebhaber kaufen das sowieso, sollten sie auch, besonders wenn sie diese Ash Version lieben. Wer gute, klassische Rockmusik liebt, mit sehr guten double Gitarrenleads und Duellen, kann hier auch unbeschwert zugreifen. Modern ist das ganze nicht, Prog schon garnicht, Weltmusik o.ä. nun aber schon überhaupt, und Reggae gibts auch keinen. Es groovt und swingt und ist einfach gut.

P.S.: Das Booklet ist informationsmäßig miserabel.
P.P.S: Höre gerade nochmal Hard on You - das schleicht sich ins Ohr mit seinem Refrain - doch kein Totalausfall...

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 25.07.2004

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