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Wolf Maahn

Vereinigte Staaten

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Vereinigte Staaten
Vereinigte Staaten, Libero Records, 2011
Wolf Maahn Lead Vocals, Guitars
Oliver Jäger Piano, Hammond, Clavinet, Keyboards, Backingvocals
Christoph "Zwanie" Kähler Drums, Percussion
Michael Krauss Bass, Keyboards, Backingvocals
Roger Schaffrath Lead Guitar
Volker Vaessen Bass, Backingvocals
Markus Wienstroer Lead Guitar
Robert Winter Backing Vocals
Produziert von: Wolf Maahn Länge: 51 Min 19 Sek (CD) & ca. 120 Minuten (DVD) Medium: CD & DVD
1. Unter einem großen Himmel7. Am heutigen Morgen
2. Kannst Du sehen8. Im Lauf der Zeit
3. Vereinigte Staaten9. Was dümmer macht
4. Dein Gang10. Nonstop Superflat Popup Internetshow
5. Süßes Glück11. 210
6. Das Ding 12. Flucht nach vorn

Ich bin ja hier im Home of Rock der bekennende Deutschrock-Fan. BAP war mal lange, lange Zeit meine Lieblingsband, Lindenberg ist unschlagbar, SILBERMOND sind für mich die deutsche Band der Stunde und Herbert Grönemeyer spielt in seiner eigenen Liga - ich ernte dafür schräge Blicke, immerhin bin ich hier eher für Metal verantwortlich.
Zu meinen musikalischen Helden gehörte damals - Ende der 80er Jahre - auch Wolf Maahn. Mit "Rosen im Asphalt - Live!" fing damals alles an. Ich glaube, die Schallplatte ist so oft gelaufen, dass man da inzwischen durchgucken kann, weil die Nadel Runde um Runde das Schwarze aus dem Vinyl gefräst hat. Ich konnte das Dingen auswendig, incl. der Ansagen. Auch die Scheiben "Irgendwo in Deutschland" und "Kleine Helden" sind besondere Veröffentlichungen im deutschen Rockkatalog. Dann kam 1986 und Tschernobyl flog uns um die Ohren. Darauf traf sich die ganze Deutschrockfamilie an der WAA in Wackersdorf und veranstaltete dort eins der größten Festivals, das Deutschland jemals gesehen hat. Über 100.000 Antiatomkraftgegner pilgerten ins beschauliche Burglengenfeld, angetrieben vom Tschernobyl-Song aus Wolf Maahns Feder (hätte man gedacht, dass ziemlich genau 25 Jahre später das Thema wieder brandaktuell würde???). Danach lösten sich die Deserteure auf und Wolf machte sich solo auf den Weg. "Third Language", das erste rein englischsprachige Album, danach "Was?" konnten noch einigermaßen musikalisch und textlich mit den Deserteuren mithalten, ab dann wurde es aber für mich uninteressant. Zu soulig und dann diese "Unplugged"-Geschichten. Nett, aber irgendwann nervte es, dass nach Eric Clapton jeder meinte, den Stecker aus den Verstärkern ziehen zu müssen. Den für mich musikalischen Tiefpunkt erreichte er mit seiner letzten Scheiben "SoulMaahn". Das war dann endgültig nicht mehr der Wolf Maahn, den ich von früher kannte. 12 Jahre nach diesem Album (und diverser weiterer Veröffentlichungen) findet er wieder den Weg zurück in mein Blickfeld.

"Vereinigte Staaten" ist kein Deserteure-Album. Ich glaube von diesem Wunschtraum müssen wir uns alle verabschieden. Aber es ist wieder ein Album geworden, das abwechslungsreich gestaltet ist. Es rockt zwar nicht mehr so wie früher, man wird ja nicht jünger, aber geht ab und an gut ab, zwischendurch wird der Soul begrüßt, balladesk wird's, Freund Rock'n'Roll guckt ab und an um die Ecke und mit einem zwinkernden Auge wird Kritik am heutigen Internetzeitalter und dem Schönheitswahn geübt. Leider hat Wolf Maahn seine Zunge textlich im Zaum, ist bei weitem nicht mehr so kritisch wie früher, beißt und kratzt sich nicht mehr mit der deutschen Politik. Schade eigentlich, denn das vermisse ich bei BAP auch. Scheinbar ist die Zeit der großen Politrocker vorbei, die Zeit in der Musiker in der Lage waren, die Menschen auf die Straße zu bringen. Grundsätzlich ist die Scheibe nicht schlecht, aus meiner Sicht auch wieder auf einem guten Weg, an alte Glanztaten anknüpfen zu können, aber der ganz große Wurf ist es noch nicht geworden.

Wolf Maahn hat sich einen großen Gast geholt und mit Xavier Naidoo gemeinsam Am heutigen Morgen geschrieben. Leider (oder glücklicherweise, je nachdem) lässt Xavier seine Stimme nicht erschallen, der Song wiederum lässt Erinnerungen an selige Rosen im Asphalt-Zeiten wach werden. Das Eingangsriff ist aber so was von rüberkopiert, nicht schlecht Herr Maahn.
Der DeLuxe-Edition liegt noch eine Konzert-DVD bei, aufgenommen beim legendären Fehmarn Open Air im letzten Jahr. Und darauf wird leider die ganze Tragik erlebbar: Wolf Maahn rockt nicht mehr! Fieber nur mit akustischen Gitarren gespielt, ist so, als würde man Pommes rot-weiß ohne Currywurst essen. Irgendwie ist der Zauber der maahnschen Livekonzerte verflogen, oder hat er einfach nur zu lange unplugged vor Publikum gespielt?
Das Home of Rock wird dem großen Mann mit der schnodderigen Aussprache und einer Stimme die zwischen Bob Dylan und Tom Waits liegt trotzdem einen Konzertbesuch abstatten und davon berichten.

Ob die Live-DVD den Kauf der Special-Edition berechtigt, das bleibt jedem selbst überlassen. Zusätzlich gibt es noch andere Livemitschnitte, einen nicht gerade spannenden Blick hinter die Kulissen des Fehmarn Open Airs, und zwei Videos. Alles in allem viel für das bisschen, was die zweite Auflage der CD mehr kostet, ob es für eine Kaufentscheidung reicht lege ich in die Hand der Konsumenten.

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 28.03.2011

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