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UnEarthed Vol. 2

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Demolition Records
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UnEarthed Vol. 2
UnEarthed Vol. 2, Demolition Records, 2005
Dave Meniketti Lead Guitar, Lead Vocals
Joey Alves Guitar
Phil Kennemore Bass, Keyboards, Background Vocals
Jimmy DeGrasso Drums
Leonard Haze Drums
John Nyman & Bill Costa Background Vocals (Love Has No Cure & Dance Dance Dance)
Produziert von: Ronnie Montrose, Dave Meniketti & Phil Kennemore Länge: 73 Min 39 Sek Medium: CD
1. Face To Face10. Crazy Make Love
2. Ashes To Ashes11. Over Under
3. Get Tough12. Hands Of Time (acoustic)
4. Showdown13. Bad Bad Girls
5. Love Has No Cure14. Take Me
6. Help Me Hear Me15. More
7. New Kid In Town16. Lucky Night
8. Long Time Coming17. Love Don't Come Easy
9. Dance Dance Dance18. Cheap & Easy

Ganz groß waren Y&T eigentlich nie. Aber für einen veritablen Kultstatus hat es über all die Jahre seit 1976 (ihrem ersten Album), respektive Mitte der Achtziger (als sie ihre kommerziell größten Erfolge feierten) allemal gereicht. Live haben die Kalifornier in Europa nie die ganz großen Meriten eingefahren, der Support-Job für AC/DC irgendwann vor Millionen Jahren war eine undankbare Angelegenheit - die Band wurde von den meisten Angus-Fans (und mir) großzügig ignoriert und die Hit-Statistik fiel bis auf Summertime Girls aus dem Jahr 1985 auch eher lau aus.
Die drei LPs "Earthshaker", "Black Tiger" und "Mean Streak" von 1981 bis '83 wurden zwar mächtig beworben und gelobt, dennoch saß die Band irgendwie zwischen den Stühlen. Den einen war es zu heavy (was natürlich in Anbetracht dessen, was in den folgenden Jahren noch kommen sollte, heutzutage lächerlich erscheint), den anderen - vor allem den härteren Jungs aus den Siebzigern - waren Y&T zu gelackt. Daran war bei "Mean Streak" der Produzent Chris Tsangarides (als einer der wichtigsten britischen Produzenten für u. a. THIN LIZZY tätig) nicht ganz unschuldig, die Scheibe klingt bis heute auf seltsame Weise "kastriert".
Danach konnte - mangels Songqualität - auch ein Tom Allom (neben vielen anderen Meilensteinen auch Produzent des ersten DOC HOLLIDAY-Meisterwerks) auf "In Rock We Trust" (1984) nicht helfen und spätestens 1985 war bei "Down For The Count" unter Kevin Beamish, der auch schon REO SPEEDWAGON zur Popband gemacht hatte, endgültig die Luft raus und die Anhänger verärgert.
Seitdem torkelte die Band zwischen Auflösung, Comeback, nicht üblen Platten, Menikettis mißratenen Blues-Versuchen und eher mäßiger Publikumsresonanz hin und her und erst mit einigen Festival-Auftritten im Jahr 2003 (u. a. beim Arrow Rock Festival in Holland) zeigte sich die Band wieder vor einem größeren Publikum und konnte überzeugen.

Ebenfalls 2003 erschien die erste Meniketti-Archiv-Räumungs-CD "UnEarthed Vol. 1", deren zweiter Teil nun beim englischen Label Demolition Records erscheint. Und sie zeigt Y&T von einer Seite, die der Band - wenn schon nicht riesigen kommerziellen Erfolg - wenigstens die Hochachtung aller Hardrocker gebracht hätte - wären die Songs zum Zeitpunkt ihrer Entstehung veröffentlicht worden.
Eingespielt wurden 16 der 18 Songs zwischen 1981 und 1989, zwei wurden bereits in den Siebzigern geschrieben (Take Me 1974 und Help Me Hear Me 1978) und würde man, mittels Programmtaste auf dem CD-Player, diese beiden Nummern an den Anfang des Hörvergnügens stellen, man bekäme exakt den korrekten Eindruck einer Band, die sich von einem Blues'n'Boogie getränkten Hard-Rock-Act zu einer überzeugenden, wenn auch nicht wirklich eigenständigen Heavy-Band entwickelt hat. Nimmt man beispielsweise Take Me von '74, sieht man direkt einen der größten Einflüsse von Meniketti, Alves, Kennemore und Haze: MONTROSE. Take Me rockt wie direkt von deren erster LP aus dem Jahr 1973 und stampft großartig durch die Boogie-History.
Dave Meniketti bezeichnet Ronnie Montrose auch als großen Einfluß und Freund und der revanchierte sich mit diversen Mitarbeiten am Songwriting (Face To Face, Ashes To Ashes, Showdown, Long Time Coming, Over Under) und der Überlassung seines New Kid In Town - allesamt großartige Rocksongs in der Tradition der ersten Band mit Jahrhundertsänger Sammy Hagar.
Dass die Band in den späten Achtzigern ausgerechnet mit Ronnie Montrose als Producer eine Vielzahl der hier vertretenen Demos aufgenommen hat, erscheint rückblickend als absolut folgerichtig. Wußte das eigentlich irgendwer? Ich nicht.

Viele Songs wurden von altertümlichen Kassetten überspielt, was natürlich nicht immer puren Referenzsound garantiert, anhörbar ist aber alles durchaus ohne Qualen. Y&T rockt fast durchgängig auf hohem Niveau, die Nummern sind logischerweise relativ rau, Meniketti singt besser (ursprünglicher) als auf den meisten offiziellen Releases - auch hier ist wieder des öfteren die Nähe zu Montrose/Hagar zu bemerken. Wenn Joey Alves an der zweiten Gitarre mit dabei ist, entwickelt sich oft eine ungeheure Dynamik im Zusammenspiel und Jimmy DeGrasso (ab 1986 Nachfolger von Leonard Haze) erzeugt einen wahren Donnerhall am Schlagzeug. Natürlich nicht so eindrucksvoll wie John Bonham, aber durchaus vergleichbar mit anderen Show-Drummern wie Cozy Powell oder den Appice-Brüdern.

"UnEarthed Vol. 2" ist eine Sammlung voll Musik, die man in dieser Form heutzutage kaum mehr zu hören bekommt. Altmodischer Macho-Hardrock, von einer Band, die sich leider vor Jahrzehnten vom Zeitgeist hat verbiegen lassen und deren wahre Qualitäten sich erst wieder mit dieser Compilation offenbaren. Großartig!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 24.04.2005

Was war das unter der treuen Fangemeinde für ein Hype, als vor ca. 2 Jahren bekannt wurde, dass Y&T sich fast in Originalbesetzung reformiert hatten und auf diversen Festivals spielen würden (u. a. beim Arrow Rock Festival oder Bang Your Head). Die Gigs kamen so gut an, dass die Band gleich für das nächste Jahr erneut auf dem ARF gebucht wurde. Natürlich machten auch Gerüchte über ein neues Album die Runde, das leider bis heute auf sich warten lässt. Statt dessen gibt es nun aktuell Volume 2 der "UnEarthed" Compilation Reihe.

Als ich die CD erwartungsvoll aus dem Briefumschlag gerissen und in den Player eingeworfen hatte, war mir dies gar nicht bewusst, denn ich war tatsächlich von einem neuen Album ausgegangen. Die Enttäuschung war dann natürlich gross. Der Eingangsriff von Face To Face ließ einen noch hellhörig werden, verflacht dann aber recht schnell in eine solide, aber banale Heavy Rock Nummer. Und so geht es weiter, bekannte achtziger Jahre Hair Metal Standards wechseln mit Heavy Blues oder Boogie Nummern, zwei überflüssige Balladen sowie ein paar siebziger Jahre Hard Rock Elemente plätschern so dahin.
Mein erster Gedanke war dann auch, dass es sich wohl nicht um neues Material handelte, sondern um unverwandtes Füllmaterial vergangener Tage - und richtig, das Booklet brachte die Aufklärung. 18 Tracks ohne Höhen und Tiefen, nicht ein Song, der einen ein wenig aus der Lethargie reisst, kein einziges Stück mit der Klasse eines Forever, Black Tiger, Mean Streak, Open Fire oder gar Hurricane, womit klar wird, warum Y&T vor "Earthshaker" und nach "Mean Streak" bedeutungslos waren und wieder wurden.

Fazit: "Altmodischer Macho-Hardrock", wie Fred es beschreibt, trifft es ziemlich genau, allerdings sind die meisten dieser Nummern bereits zum Zeitpunkt ihrer Entstehung nicht ohne Grund "UnEarthed" gewesen, will sagen nicht auf die Alben gekommen, denn entsprechendes Füllmaterial haben Meniketti & Co. scheinbar am Fließband produziert, echte Kracher aber nur knapp drei Alben lang. Dass die Fans aber eben genau diese Kracher lieben und hören wollen, und Y&T dies auch ganz genau wissen, kann man anhand der Set-Lists der besagten Festival-Auftritte belegen. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Erkenntnis bei einem neuen Album dann auch niederschlägt, denn sonst kann man es besser gleich lassen. Zur Vervollständigung einer Sammlung mögen "UnEarthed Vol. 1 & 2" ihren Sinn machen, zur (Wieder-)Entdeckung einer einstmals fantastischen Band eher nicht.

Ralf Frank, (Artikelliste), 30.04.2005

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