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| Live Bullet & Nine Tonight, Capitol Records/Hideout Records, 2011 (1976 & 1981) |
| Bob Seger |
Lead Vocals, Guitar & Piano |
| Drew Abbott |
Lead Guitar & Background Vocals |
| Alto Reed |
Tenor, Alto & Baritone Saxophones, Percussion, Background Vocals, Flute Organ |
| Robyn Robbins |
Organ, Clavinet, Melotrone & Piano ("Live Bullet") |
| Craig Frost |
Piano, Organ, Clavinet ("Nine Tonight") |
| Chris Campbell |
Bass & Background Vocals |
| Charlie Allen Martin |
Drums, Background & Harmony Vocals ("Live Bullet") |
| David Teegarden |
Drums, Background Vocals ("Nine Tonight") |
| Gäste: |
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| Shaun Murphy |
Harmony & Background Vocals ("Nine Tonight") |
| Katy Lamb, Colleen Beaton, June Tilton & Pam Moore |
Background Vocals & Percussion ("Nine Tonight") |
| Produziert von: Bob Seger & Punch |
Länge: 73 Min 43 Sek & 79 Min 59 Sek |
Medium: CD |
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| "Live Bullet": | |
| 1. Nutbush City Limits | 9. Ramblin' Gamblin' Man |
| 2. Travelin' Man | 10. Heavy Music |
| 3. Beautiful Loser | 11. Katmandu |
| 4. Jody Girl | 12. Lookin' Back |
| 5. I've Been Working | 13. Get Out Of Denver |
| 6. Turn The Page | 14. Let It Rock |
| 7. U.M.C. | Bonus Track: |
| 8. Bo Diddley | 15. I Feel Like Breaking Up Somebody's Home |
| "Nine Tonight": | |
| 1. Nine Tonight | 10. Feel Like A Number |
| 2. Tryin' To Live My Life Without You | 11. Fire Lake |
| 3. You'll Accomp'ny Me | 12. Betty Lou's Gettin' Out Tonight |
| 4. Hollywood Nights | 13. We've Got Tonight |
| 5. Old Time Rock And Roll | 14. Night Moves |
| 6. Mainstreet | 15. Rock And Roll Never Forgets |
| 7. Against The Wind | 16. Let It Rock (edited for CD) |
| 8. The Fire Down Below | Bonus Track: |
| 9. Her Strut | 17. Brave Strangers |
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Dieser kleine Aufsatz richtet sich an junge Menschen unter 40, die älteren kennen das Folgende ohnehin auswendig.
Zum mittlerweile dritten oder vierten Mal werden die beiden Live-Alben "Live Bullet" und "Nine Tonight" von BOB SEGER & THE SILVER BULLET BAND dieser Tage wiederveröffentlicht. "Remastered" steht drauf, aber das ist unerheblich, denn schon die Doppel-LPs aus den Jahren 1976 und '81 klangen perfekt - einzig die erste CD-Auflage aus den mittleren Achtzigern war als AAD-Überspielung ziemlich leblos (was bei der gebotenen Musik kaum möglich ist) - und die Ausgaben von 1999 bzw. 2001 waren auch schon remastert, so what also. Der Kaufanreiz diesmal sind die erstmals dazu gepackten Bonus Tracks I Feel Like Breaking Up Somebody's Home ("Live Bullet") und Brave Strangers ("Nine Tonight"). Der andere Kaufanreiz ist, dass es sich bei den zwei Alben um Meisterwerke handelt, die jeder, aber auch wirklich jeder in seiner Sammlung haben muss.
Bob Seger hatte als Solokünstler seit 1967 nur moderaten Erfolg, war aber in und um Detroit ein Lokalheld. Die LPs verkauften sich mäßig, mit der Single Ramblin' Gamblin' Man hatte er 1968 allerdings einen landesweiten Hit. In Europa wurden seine Platten gar nicht veröffentlicht und waren nur als teurer Import erhältlich, selbst die Musik-Bibel "Sounds" erwähnte ihn erst 1975 bei der LP "Beautiful Loser". Im Jahr vorher stellte er die SILVER BULLET BAND zusammen und legte die bis dahin latent vorhandenen Sixties-Einflüsse endgültig zugunsten des bis heute gültigen und damals wahnwitzig massentauglichen Detroit-Powerhouse-Sounds ab. "Beautiful Loser" war zwar auch kein großer Hit, aber die Single Katmandu chartete und ein kluger Mensch, vermutlich Manager und Co-Produzent Ed "Punch" Edwards, entschied, zwei Konzerte im September '75 in Detroit mitzuschneiden um daraus eine Live-LP zu machen. Ein Heimspiel. Bob Seger war zuhause so populär, dass die "Cobo Hall" mit gut 12.000 Plätzen zweimal ausverkauft war - der Rest ist Musikgeschichte.
Wer (damals oder heute) den Konzerteinstieg Nutbush City Limits erstmals hört, wird kaum glauben, dass es sich natürlich um eine Coverversion handelt. Die knapp fünf Minuten gehören zum testosteronhaltigsten, das die Rockmusik jemals produziert hat. Vor dem inneren Auge baut sich eine Band von Titanen am Bühnenrand auf, die den bis dahin härtesten jemals gehörten Heavy-Funkrock wie tonnenschwere Hinkelsteine übers klatschende, brüllende, johlende Publikum wuchtet. Bass, Mellotron, ein unbegreiflicher Drive und dazu Bob Seger mit der Stimme eines Berserkers - erst 1980 durften wir dieses Naturwunder erstmals in Deutschland erleben.
BOB SEGER & THE SILVER BULLET BAND war ein Rock-Kraftwerk. Kraftwerke müssen manchmal zu Wartungs- bzw. Erholungszwecken heruntergefahren werden, das klingt dann wie der Beginn von Travelin' Man, irgendwann nach ca. 90 Sekunden werden die Turbinen langsam gestartet, der Hilfsdiesel rumort, und dann fliegt dir die ganze Scheiße nach exakt dreieinhalb Minuten mit einem erschütternd grandiosen Gitarrensolo so um die Ohren, dass du Tage brauchst um zu begreifen, dass du Zeuge eines historischen Moments warst: Diese Band erzeugt mehr Energie als ein banales Kraftwerk, sie kann klingen wie eine 747 beim Start, und sie kann ganz, ganz sanft wieder landen (Beautiful Loser).
Jeder kennt die Lieder dieses Albums, aber von der Wucht, mit der einen "Live Bullet" mitreißt, ist man auch 35 Jahre später jedes mal wieder fasziniert. Naturgemäß waren viele Songs aus der Frühphase Segers, was die "neue" Band daraus machte, war so grandios, dass damit eine neue Ära des Ostküstenrock begann. Der andere Detroiter Gewaltsänger, Mitch Ryder, hatte sich längst aus dem Rennen katapultiert, Ted Nugent war immer mehr Ego-Shooter als Teamplayer, einzig die J. GEILS BAND konnte mit der Power Segers und seiner Band halbwegs mithalten. Ein netter Zufall, dass "Live - Blow Your Face Out", das zweite Live-Album der J. GEILS BAND, nur wenige Wochen nach "Live Bullet" zur Hälfte ebenfalls in der Detroiter "Cobo Hall" aufgenommen wurde.
Während ihr da draußen diese Zeilen lest, kulminiert "Live Bullet" auf den früheren LP-Seiten 3 und 4 - also ab Song #9, Ramblin' Gamblin' Man - in einem Hard'n'Heavy-Funk'n'Roll Inferno. Die letzten gut 35 Minuten dieses Werks sind eine einzige Schlacht. Womöglich die größte und schönste Schlacht, die der Rock & Roll jemals hervorgebracht hat. Drew Abbott an der Gitarre im Stellungskampf mit Alto Reed und seinen röhrenden Saxophonen, Seger als brüllender Schlachtenlenker und mit Chris Campbell und Charlie Allen Martin die wild ballernde Infanterie dahinter - es ist Rockmusik der heißesten Sorte. Katmandu, Get Out Of Denver und Let It Rock hinterlassen keine Gefangenen, nur völlig ausgepumpte Fans bleiben zurück. Eine 70-minütige Sternstunde.
Der Bonus Track I Feel Like Breaking Up Somebody's Home ist von Bob Seger bisher nicht bekannt. Um ehrlich zu sein, ich kenne das Lied nur von Ann Pebbles, der grandiosen Soulsängerin aus St. Louis (I Can't Stand The Rain war ihr größter Hit). Segers Version wurde 1976 in Pontiac, Michigan aufgenommen und passt im Grunde nicht als Abschluss dieses Rock'n'Roll-Feuerwerks.
Fünf Jahre und drei millionenfach verkaufte Studio-LPs später erschien mit "Nine Tonight" das zweite, 1980 in Detroit und Boston aufgenomme Live-Doppelalbum. Man hatte man damals große Befürchtungen, dass es sich nur um einen Aufguss von "Live Bullet" handeln könnte und prompt wurde man vordergründig durch den deutlich plumper abgemischten Sound bestätigt. Die klangliche Schärfe und Transparenz von 1976 war nicht mehr da, "Nine Tonight" war eindeutig schwächer aufgenommen als der epochale Vorgänger. Doch es waren die neuen Songs, die "Nine Tonight" letztendlich doch beinahe ebenso groß machten.
Bob Seger hatte inzwischen den Bob-Seger-Breitwand-Mainstream-Hardrock erfunden und auf "Night Moves", "Stranger In Town" und "Against The Wind" nach und nach perfektioniert. Funky war es aber nicht mehr. Die Masche "Rocker, Ballade, Rocker, Ballade, furioses Finale" wurde zum Markenzeichen der Rock-Maschine SILVER BULLET BAND. Seger hatte seinen persönlichen Höhepunkt als Songwriter erreicht, nach traumschönen Kompositionen wie Against The Wind konnte zwangsläufig nicht mehr viel Besseres kommen, ergo ist "Nine Tonight" genau wie die Live-LPs vieler anderer Bands der Siebziger ein Abschied. In Segers Fall zwar kein Abschied vom Erfolg, die 80er liefen kommerziell prima für ihn, aber die ganz großen Songs waren geschrieben und mit "Nine Tonight" live dokumentiert.
Das exzessiv Wilde der frühen Jahre war nach einem halben Jahrzehnt Dauerstress einer hörbaren Routine gewichen, aber wenn man "Live Bullet" nicht kennen würde, wäre "Nine Tonight" der Hauptgewinn.
Ärgerlich ist, dass wieder die um dreieinhalb Minuten gekürzte Fassung von Let It Rock verwendet wurde, diesmal wenigstens zugunsten des live aufgenommenen Bonus Tracks Brave Strangers vom Album "Stranger In Town".
Am Ende von Plattenkritiken liest man oft die Einordnung des soeben besprochenen Objekts in eine imaginäre "Best of aller Zeiten" Tabelle. Das ist natürlich Blödsinn, denn auch in großen Zeitungen wie dem "Rolling Stone" verirren sich in solche Polls die bizarrsten Werke oder die grade angesagtesten Hits, eine objektive Darstellung ist bei Kunst jeder Art überhaupt nicht möglich. Bei "Live Bullet" ist sich die (Fach-)Welt allerdings durchgehend einig, dass es eines der großartigsten Live-Alben der Rockgeschichte ist. Da kann man den Spezialisten nur Recht geben ;-) "Nine Tonight" folgt nur wenige Plätze dahinter. Es ist Musik aus einer anderen Zeit, für die ganz jungen Hörer mag sie auch leicht angestaubt klingen, aber so viel Kraft und positive Urgewalt hat man seither nicht mehr oft erleben dürfen.
Wie oben geschrieben: Wer diese Scheiben nicht hat, kann beim Thema "Heart & Soul Rock'n'Roll" nicht mitsprechen.
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