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Bonafide
Bonafide, Sweden Rock Records, 2007
Pontus Snibb Vocals, Guitars & Drums
Mikael Fässberg Guitars & Background Vocals
Micke Nilsson Bass & Background Vocals
Produziert von: Pontus Snibb Länge: 48 Min 19 Sek Medium: CD
1. Down7. Can't Get Through
2. Loud Band8. Peg Legged Pete
3. Going In For The Kill9. Sick
4. Hard Case To Break10. Gambling Blues
5. 50 Cent Millionaire11. Night Time
6. Firewall

Diese CD hätte das Zeug zum Hammeralbum. Dan Baird sagt: "Sounds like a million Euros" - er hat BONAFIDE wohl live gesehen. Es ist Hard Rock, ganz nah dran an AC/DC, trotzdem noch individuell, straight vorwärts, mitten drin im Rock und Boogie, down to the bone Rock & Roll, ganz so wie ihn Menschen mit alten Jeansjacken lieben. Und dennoch, sie hätte nur das Zeug zum Hammeralbum. Der Grund? Ganz einfach: Die CD "Bonafide" der gleichnamigen Band aus Schweden ist zu laut. Das ist nicht paradox, das ist auch keine Spinnerei eines verschrobenen Musikkritikers, es ist die bittere Wahrheit im heutigen CD-Alltag. Bastelanleitung:
Wer noch einen Plattenspieler und zugehörige Vinyl-Hardware besitzt, greift zu einer beliebigen LP von, genau, AC/DC aus den Siebzigern, vielleicht zu "High Voltage" oder "Let There Be Rock". Dann wird die Lautstärke auf maximale Nachbarschaftsunverträglichkeit eingestellt, und dann zählt ihr die LEISEN Stellen der Schallplatte, also die, bei denen man dieses schöne Knistern hört, weil die Gitarre sehr sehr differenziert spielt oder der Rhythmusgitarrist ein Päuschen einlegt. Ihr werdet verblüfft sein, wie oft es aus den teuren Boxen knistert. Und dann schließt ihr den Plattenspieler an den Computer an und digitalisiert die Platte ins MP3-Format. Es wird immer noch knistern, aber ihr werdet es kaum mehr hören, weil die Musik komprimiert ist. Verdichtet, datenreduziert, kastriert. Wird Musik im modernen (Heim-) Studio von vornherein mit digitalem Werkzeug behandelt, fehlt ihr das wesentliche Merkmal früherer analoger Aufnahmen, nämlich die Dynamik. Die Musik ist laut, klingt technisch absolut einwandfrei (wenn ein vernünftiger Tonmeister am Werk war) und es knallt auch entsprechend, aber es ist eben immer gleich laut, gleich druckvoll, gleich brutal. Leider fehlt "Bonafide" diese Dynamik und das ist vielleicht für den modernen iPod-Hörer akzeptabel, nicht aber für den Audiofreak, der seine Musik wie vor Urzeiten erlernt genießen möchte anstatt Ohrenschmerzen zu bekommen.
Doch nun zu einer CD, die grundsätzlich das Zeug zum Hammeralbum hätte.

Bonafide bedeutet nichts anderes als ehrlich, aufrichtig, was zeitgenössischer Musik per se gerne abgesprochen wird. Bandchef Pontus Snibb, aufmerksamen Schweden-Fans möglicherweise aus dem einen oder anderen Projekt bekannt, bemüht sich in seinem Songwriting allerdings um maximale Ehrlichkeit. Selten hört man so gradlinig auf ihre wesentlichen Merkmale beschränkte MBBs (Melodie-Boogie-Bomben) ohne Leadgitarristenegomanie wie hier. Mitwippsongs wie 50 Cent Millionaire erinnern zwangsweise an AC/DC, gehen aber so unwiderstehlich ins Bein, dass das Vorbild echte Konkurrenz bekommt. Artgerechtes Gekreische beherrscht Freund Snibb ebenfalls und wenn er die Chuck-Berry-Rakete zündet, darf sich Kollege Fässberg an der Malcolm-Gedächtnisgitarre zwanglos austoben. Es gab vor Jahren eine australische Band namens KINGS OF THE SUN, die ähnlich authentischen Bums-Boogie auf der Karte hatte, die könnte man bei der Gelegenheit auch mal wieder hervorkramen.
"Bonafide" hat haufenweise Allerbeste-Laune-Songs zu bieten, da wird geshuffelt und gebluest und kaum gebremst, weil das bei einem blubbernden Achtzylinder wie diesem 57er Bel Air Chevy nicht nötig ist. Die Dinger schaffen nur gut 100 mph. Dafür kann man zu Riff-Ungetümen wie Peg Legged Pete wunderbar in den (Sonnen-) Untergang cruisen. Herr Nilsson spielt den passenden Ein-Saiten-Bass dazu.

Die Zielgruppe ist klar? BONAFIDE wollen die Bier trinkenden, feist grinsenden, gut aussehenden Rocker/innen der Jahrgänge 1960 bis 1980 vor der Bühne hüpfen sehen. Dürfte kein Problem sein, wenn das Sweden Rock Label für eine kleine Tour sorgt. Beim firmeneigenen Festival werden sie Anfang Juni 2008 schon mal für Party sorgen und den wiedervereinten TRIUMPH das Leben ganz sicher schwer machen. Und die nächste CD wird dann hoffentlich mit einer schönen alten analogen Bandmaschine aufgenommen. Dann scheppern die Becken auch nicht mehr so grässlich und man hört dieses tolle Knistern bei den leisen Stellen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 25.01.2008


 
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