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| Fliang, Lawine/Sony BMG, 2007 |
| Claudia Koreck |
Gesang, Akustische Gitarre |
| Andreas "Andi" Dombert |
Akustische & elektrische Gitarren, Ukulele |
| Andreas "Otto" Schellinger |
Bass |
| Manfred "Manni" Müller |
Drums |
| Gäste: |
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| Martin Kursawe |
Gitarren |
| Gunnar Graewert |
Pianet, Bösendorfer, Orgel, Clavinet, Percussion, Wurlitzer, Ukulele, Harmonium, Backing Vocals |
| Evi Lücking |
Congas |
| Titus Vollmer |
Gitarren, Mandoline, Dobro |
| Oliver Ringleb |
Bösendorfer |
| Ania Jools |
Backing Vocals |
| Klaus Reichardt |
Piano |
| Produziert von: Gunnar Graewert; Davor Drezga (Daschn) |
Länge: 47 Min 27 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Fliang | 7. I mog de Dog |
| 2. Schrei | 8. Es liegt nur an dir |
| 3. Herbstwind | 9. Wenn des alles is |
| 4. I wui weg | 10. Vergangenheit |
| 5. Unverwundet | 11. Daschn |
| 6. Schuah aus | 12. Chocolat |
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Bayrisch gesungene Populärmusik ist etwa so verbreitet wie vietnamesische Metal-Bands. Was hatten wir in Bayern in den letzten 25, 30 Jahren für potentielle Hits? MÜNCHENER FREIHEIT, die sogar zu feig waren, sich wenigstens Münchner Freiheit zu nennen. Außerdem HAINDLING, natürlich. Ein Freidenker ist der Buchner, ein Sturkopf, toller Komponist für Fernsehserien, man denke nur an "Irgendwie und Sowieso", die geniale Reproduktion des Jahres 1968 in einem oberbayrischen Dorf. Dann wäre da noch Doris Hrda aus Niederbayern, die sich als Nicki mit dem Schlager I bin a bayrisches Cowgirl vermögend gemacht hat, uns allerdings hochnotpeinlich war, und dafür vom Krawall-Rasta Hans Söllner gleich einen ganzen Albumtitel spendiert bekam ("Wos reimt se scho auf Nicki", 1987). Die SPIDER MURPHY GANG gab's und gibt's selbstredend auch noch, aber die sind schon immer Rock'n'Roll gewesen. Und sonst? Nix.
Laptop, Lederhosn und reaktionäre Gammelfleisch-Politiker zuhauf, aber anständige und erfolgreiche Popmusik in unserer Sprache ist so gut wie nicht existent. Fast jedenfalls, denn der Staatsfunk sendet seit einiger Zeit verdammt viel Musik einer 21jährigen Sängerin aus Traunstein. Claudia Koreck. Aber wer hört schon noch Radio in diesen Zeiten. Zum Glück gibt es aber Leute, die uns mal zwischendurch fragen, ob denn diese Claudia Koreck mit ihrem Album "Fliang" (fliegen) nicht ein Thema fürs Home of Rock wäre. Ist sie. Mehrfach sogar: Mundart, tadelloser Sound, mitlesenswerte Texte, beeindruckende Sängerin, alles gute Gründe, sich mit Claudia Korecks Debut sehr intensiv zu befassen.
Zu beachten ist freilich noch, dass die Definition "Popmusik" sich keinesfalls auf die landläufig damit gemeinte Instant-Retorten-Soße bezieht. Wir haben es hier mit zwar eingängiger, jedoch kluger und von Menschen gemachter Musik zu tun, die sich nicht nur sprachlich vom Mainstream weit abhebt und sich irgendwo im Grenzbereich Rock/Pop/Soul/Singer-Songwriter/Jazz tummelt.
Claudia Koreck hat eine Band um sich. Junge Musiker, gleichwohl lauter gestandene Profis. In diesem Onlinemagazin wurde zwar bisher nur der Schlagzeuger Manfred Müller via RPWL auffällig, aber den einheimischen Szenegängern sind die anderen beiden aus ihren verschiedenen Projekten sicher auch bekannt. Dazu gibt es etliche Gastmusiker, auch keine ganz unbekannten Namen.
Man fühlt sich wohl mit "Fliang". Erinnerungen an - wenn man im deutschsprachigen Pop bleiben will - einen gewissen Max Mutzke und vor allem an die wundervolle Julia Neigel werden wach. Gefühlsmusik oder Bayrischen Soul könnte man es nennen, man kann aber auch einfach sagen: verdammt schön.
Mit Mutzke verbindet sie die Fähigkeit, kleine jazzige Smoothies vermitteln zu können, die Nähe zur früheren Jule N. ist eindeutig die mächtige Soul-Stimme, die so ungeschliffen schön wie rau wie echt ist.
Bis auf das dann doch arg Ralph-Siegeleske Es liegt nur an dir gehen sämtliche Songs unter die hier schreibenden Fingernägel. Diese Frau fasst ihre Musik und den Hörer mit den Händen an. Und zwar auch beim abschließend französisch gesungenen Chocolat, zu dem es dankenswerterweise im Booklet die bayrische Übersetzung gibt. Ma kannt se eineleng, nicht nur in die Gitarre, das Lied und den Gesang - in diese körperlich spührbare Stimmung. Ach, was heißt könnte, tut es, springt einfach rein ins Emotionsbad.
Fliang, Titelsong und Single, ist lange nicht das Highlight des Albums, beinahe etwas überraschend also, dass genau damit das momentane Airplay zustande kommt, aber die Wege der Musikindustrie sind fast immer unergründlich. Beispielsweise Schrei wäre im Grunde die wesentlich bessere Single. Funky, soulful, mit einem so in die Weichteile tretenden Text, dass man ein Tränchen verdrücken möchte.
Überhaupt, die Texte. Die Frau ist einundzwanzig Jahre alt und gibt Dinge von sich, die eigentlich nicht altersgerecht sind. Da wird mehr reflektiert und öffentlich gemacht, als sich die allermeisten Künstler jemals trauen würden. Und wenn's nur ein kleiner Groover aus den bayrischen Sümpfen wie Schuah aus ist, eigentlich geht es niemanden etwas an, was die Koreck freiwillig alles von sich erzählt. Aber all diese Texte über Haben oder Habenwollen, über Sehnsucht und Verlust, die normalen, verständlichen Worte (falls man nicht PISA-Opfer ist), also genau die Dinge die man seiner/seinem Liebsten oder Verflossener/m sagt, oder sagen möchte, wenn sie/er einem noch zuhören würde, machen "Fliang" zu einer ganz besonderen Platte. Ein Satz wie "Hob i a Schweineangst, dass i di verlier" ist perfekt. Wie könnte man es besser sagen?
Bayrisch ist eine komplizierte Sprache und Claudia Koreck setzt sie bravourös um. Es gibt keine Wortverbiegungen, keine fürchterlichen Anbiederungen ans Hochdeutsche oder gar an den üblichen Schlagertralala, Claudia soult einfach Wahrheiten wie "Wenn des olles is, dann ghear i ned zu dir", auch wenn es manchmal sticht und ein bisschen weh tut.
Wenn sich die Frau von ihrem unvermeidlichen Erfolg nicht verwirren lässt, wird dieser kleine Artikel vielleicht irgendwann historischen Wert haben. Derweil kann man "Fliang" als bezauberndes Stückchen Luxus-Pop allen Freunden lebendiger Musik empfehlen. Egal ob Bayer oder nicht.
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