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| Rockpalast: Blues-Rock Legends Vol.1, WDR/Fresh Fruit/SPV, 2009 |
| Commander Cody |
Vocals, Piano |
| Steve Mackay |
Saxophone, Vocals |
| Tony Johnson |
Drums, Vocals |
| Bill Kirchen |
Guitar, Vocals |
| Doug Killmer |
Bass, Vocals |
| Peter Siegel |
Pedal Steel Guitar, Guitar |
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Länge: 68 Min 39 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Rockpalast-Caption | 10. Rocket 88 |
| 2. Thank You Lone Range | 11. Midnight In Memphis |
| 3. Two Tripple Cheese, Side Order Of Fries | 12. Stealing At Seven Eleven |
| 4. It Should Have Been Me | 13. Rock That Boogie |
| 5. Beat Me Daddy 8 To The Bar | 14. Ubangi Stomp |
| 6. Seeds And Stems | 15. Hot Rod Lincoln |
| 7. Who's Got The Rock? | 16. Riot In Cell Block No. 9 |
| 8. Go To Hell | 17. Roll The Dice |
| 9. Sea Wolf | 18. Sea Wolf (Reprise) |
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Eine neue Runde Rockpalast-Archiv-Hausputz. Man staunt immer wieder (obwohl man es als Zeitzeuge eigentlich weiß), wie viele legendäre Bands sich in Peter Rüchels diversen Rockpalast-Locations herumgetrieben haben. Neuerdings bekommen die Veröffentlichungen mehr oder minder sinnvolle Namenszusätze wie - in diesem Fall - "Blues-Rock Legends Vol. 1", dabei hatte und hat George Frayne alias Commander Cody mit Blues Rock eher wenig zu tun. Egal, erinnern wir uns zuerst an diesen Commander Cody, bevor wir über das hier vorliegende Konzert aus dem Jahr 1980 nachdenken.
Als der Commander mit seiner Band COMMANDER CODY AND HIS LOST PLANET AIRMEN 1971 die LP "Lost In The Ozone" veröffentlichte, wusste natürlich noch niemand, dass man es mit einem späteren Klassiker zu tun hatte. Die Platte verkaufte sich mäßig, aber den für Woodstock zu spät geborenen Junghippies und den progressiven Rednecks gefiel dieser (damals) wilde Mix aus Rock & Roll, Country und Barrelhouse-Swing so gut, das schon 1972 die witzig-anarchistische Single Hot Rod Lincoln in den Top 10 der Billboard-Charts landete. Die LPs verkauften sich weiterhin medioker, vermutlich zog das Publikum an der amerikanischen Ostküste einfach nicht mit, aber die Band wurde eine mittlere Attraktion im Live-Zirkus und war sogar Headliner bei einem Festival der französischen Kommunisten in Paris (deren traditionelle "Fête de l'Humanité" brachte letztes Jahr Roger Hodgson von SUPERTRAMP und die BABYSHAMBLES auf die Bühne - wahrer Sozialismus sah früher anders aus).
1976 war Schluss, Frayne machte solo beziehungsweise mit der (NEW) COMMANDER CODY BAND weiter, verlief sich irgendwo in den Untiefen des "Ich war einmal ein Star"-Dauerrausches, machte ab und an ganz grässliche CDs und tauchte immer mal wieder zu obskuren Tourneen in Europa auf. Die Rechnungen wollten schließlich auch bezahlt werden. Dieses Jahr kam schlussendlich mit "Dopers, Drunks And Everyday Losers" eine "neue" CD auf den Markt, die von Neueinspielungen alter Songs getragen wird und nebenbei ein paar neue Kompositionen vorstellt (sehr scharfe Scheibe übrigens). 2009 klingt das hoffnungslos anachronistisch, aber Spaß kann man dabei immer noch haben, falls man über die Jahre nicht zu einem miesepetrigen Opportunisten oder gar zu einem Fan solch reaktionärer Subjekte wie Charlie Daniels geworden ist.
George Frayne ist inzwischen 65 und hat an seiner Rolle als Commander Cody immer noch Freude, tourt fleißig, trinkt und kifft nach wie vor und kümmert sich ansonsten wohl eher wenig um die große weite Welt der modernen Rockmusik. Warum auch, der graduierte Kunststudent aus den Sechzigern hat nicht das schlechteste Leben als Musiker und Maler verbracht, kann sich heute vermutlich sogar den Luxus leisten, nur noch zur persönlichen Rentenaufbesserung auf Tour zu gehen. So sollte es allen selbstverschuldet in Not geratenen Rockern gehen.
Die ebenfalls selbstverschuldet in Not geratene deutsche Plattenfirma SPV legt nun den Mitschnitt eines Konzerts der COMMANDER CODY BAND vom 1. Juli 1980 aus dem Studio A des Rockpalasts als DVD und deckungsgleiche CD auf. Here we go:
Grundsätzlich galt und gilt bis heute die Order, dass Commander Cody live um Längen besser ist als im Studio. Das ist bei dieser CD nicht anders, das Konzert kommt auch knapp 30 Jahre später so launig und spielfreudig daher, dass man automatisch mitsingt, mit den Fingern schnippt oder heimlich in der Tanzschule gelernte Rock'n'Roll- und Line-Dance-Schritte vollführt. Oder man headbangt sich durch drei Minuten Who's Got The Rock?. "A one, a two, go to hell!"
Es kommen alle Einflüsse des Commanders zu ihrem Recht, vom knallharten Rhythm & Blues (Ubangi Stomp, Foghat waren bei der Nummer nicht besser) zum Swing zum Jazz (das genannte Go To Hell) zum Country-Heuler, es ist alles da, vor allem aber ist alles mit eins, zwei, drei, vielen Augenzwinkern versehen. Und es wird hochprofessionell dargeboten. Die Band, THE MOONLIGHTERS, eigentlich die Band des Gitarristen Bill Kirchen, der natürlich seit den LOST PLANET AIRMEN dem Commander die Stange/Gitarre hielt, rettete ihm oft genug den versoffenen Arsch, im Rockpalast war das aber nicht nötig. Konzentriert und genau auf den richtigen Punkt berauscht lieferten Cody und die famose Band ein allerliebst knallendes Konzert, das heute allen Menschen über 40, na ja, vielleicht 50, ein Highlight in der Sammlung sein sollte. Es ist Pub Rock, gar nicht unähnlich den britischen Vertretern wie BRINSLEY SCHWARZ, Nick Lowe, TYLA GANG, DUCKS DELUXE etc., nur ein bisschen amerikanischer, aber ebenso ungezügelt im Boogie-Woogie-Rock'n'Roll schwelgend wie die Inselbewohner.
Das große Können des Boogiepianisten George Frayne und seiner fantastischen Band kann man anhand dieses Konzerts gut erkennen. Den Humor des Commanders auch, man muss nur Texte wie den von Two Tripple Cheese, Side Order Of Fries (hätte man auf dem Cover auch richtig schreiben können) erkennen, dann geht die Chose richtig ab.
Ganz zufällig kam der Auftritt im Rockpalast nicht. Das damals höchst aktive Hamburger Plattenlabel Line Records hatte die aktuelle Scheibe "Lose It Tonight" in Deutschland veröffentlicht und wollte natürlich via Rockpalast punkten. Bei Mitch Ryder und Roger Chapman hat das bekanntlich gut funktioniert, aber die waren auch in den Rockpalast-Nächten platziert, dem armen Commander Cody blieb nur eine Aufzeichnung im "Kino" des WDR. Die wurde sicher auch irgendwann gesendet, aber damals gab es weder Kabelfernsehen noch Satelliten-TV, also ist dieses Konzert für die meisten Nicht-NRWler Neuland. Und Pflicht für Rock'n'Roller.
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